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12.12.2013

18:52 Uhr

Schadensersatzstreit

Ecclestone will Prozess mit BayernLB

Ecclestone soll eine Mitschuld daran haben, dass die BayernLB ihre Formel 1-Anteile vor acht Jahren unter Wert verkauft hat. Der Formel-1-Chef weist die Vorwürfe zurück – er will keinen außergerichtlichen Vergleich.

Bernie Ecclestone: „Die BayernLB hat sich den Falschen ausgesucht." dpa

Bernie Ecclestone: „Die BayernLB hat sich den Falschen ausgesucht."

LondonFormel-1-Chef Bernie Ecclestone will es im Schadenersatzstreit mit der Bayerischen Landesbank auf einen Gerichtsprozess ankommen lassen. „Wenn wir verklagt werden, müssen wir wohl vor Gericht gehen", sagte der 83-jährige Milliardär der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Die BayernLB wirft Ecclestone eine Mitschuld dafür vor, dass sie ihre Anteile an der Formel 1 vor acht Jahren unter Wert verkauft habe. Ecclestone soll den damals zuständigen Vorstand Gerhard Gribkowsky bestochen haben, damit dieser die Rennsportserie an einen ihm genehmen Investor abgab.

Ecclestone muss sich deswegen bereits in einem anderen Schadenersatzprozess in London verantworten und ein Gerichtsverfahren in München befürchten, wo er wegen Bestechung angeklagt wird. Gribkowsky wurde in München bereits unter anderem wegen Bestechlichkeit zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Formel-1-Chef weist die Vorwürfe zurück.

Er habe kein Schmiergeld gezahlt, sondern Gribkowsky mit Geld ruhigstellen wollen, damit dieser ihn nicht bei Steuerbehörden anschwärze. Ecclestone muss wegen der Rechtsstreitigkeiten um seinen Posten als Chef der Formel 1 fürchten, die er seit Jahren maßgeblich prägt. Auch der vom Eigner CVC erwogene Börsengang steht wegen der Affären infrage.

Die Baustellen der BayernLB

EU-Verfahren

Bayern hat seine Landesbank nach der Finanzkrise 2008 mit zehn Milliarden Euro stützen müssen. Im Gegenzug machte die EU der Bank und dem Freistaat Auflagen in einem Beihilfeverfahren. Das Verfahren war Ende Juli 2012 abgeschlossen. Die Auflagen, durch die die Bank vor allem kleiner und weniger risikoanfällig gemacht werden soll, sind noch nicht alle erfüllt. Bis 2019 muss die Bank unter anderem noch rund fünf Milliarden Euro an Staatshilfen an Bayern zurückzahlen. Gut 900 Millionen davon hat sie bereits abgestottert.

Streit mit der HGAA

Es war ein milliardenteurer Fehlkauf: Die Übernahme der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) 2007 entwickelte sich zu einem Alptraum. Ende 2009 musste die HGAA an Wien zurückgegeben werden. Die Banken streiten weiter und verklagen sich gegenseitig.

HGAA-Desaster vor Gericht

Ebenfalls vor Gericht wird um Schadenersatz für das Debakel gerungen. Der Aufsichtsrat der BayernLB verklagte bereits 2011 den früheren Vorstand der Bank auf 200 Millionen Euro. Da die Rolle der Vorstände auch strafrechtlich noch nicht geklärt ist, dürfte das noch eine Weile dauern. Die BayernLB selbst verklagte zwei frühere Aufseher, nämlich Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) und den früheren Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser auf 200 Millionen Euro Schadenersatz.

Die Staatsanwaltschaft und die HGAA

Auch strafrechtlich soll das Debakel um die HGAA Konsequenzen haben - fordert zumindest die Staatsanwaltschaft München I. Die ermittelte lange gegen die früheren Vorstände der Bank und erhob bereits im Mai 2011 Anklage wegen Untreue. Anfang August dann der Knall: Das Landgericht München ließ die Klage in weiten Teilen nicht zu - und machte klar: eine Pflichtverletzung oder gar Untreue sei bei den Vorständen nicht zu erkennen. Der Ausgang ist offen, das Oberlandesgericht München prüft noch immer die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Nichtzulassung der Anklage.

„Die BayernLB hat sich den Falschen ausgesucht", sagte Ecclestone nun. Er habe nicht die Absicht, sich auf einen außergerichtlichen Vergleich einzulassen. Die BayernLB hatte Ecclestone am Mittwoch mit einer Klage gedroht, um ihre bereits vor einem Jahr gestellte Schadenersatzforderung durchsetzen. Einem Insider zufolge geht es um bis zu 400 Millionen Dollar (290 Millionen Euro). „Es ist zutreffend, dass die BayernLB mit Hochdruck an einer Klage gegen Herrn Ecclestone arbeitet, um diese voraussichtlich im Laufe des Januars beim Londoner High Court einzureichen", hatte die Bank erklärt.

Vor dem Londoner High Court wird Ecclestone in der Sache bereits von dem deutschen Medienkonzern Constantin auf Schadenersatz verklagt. Constantin wurde nach eigener Darstellung von Ecclestone und Gribkowsky um einen ihm zustehenden Anteil am damaligen Verkaufserlös geprellt und fordert mehr als 100 Millionen Dollar. Für Freitag ist der letzte Verhandlungstermin angesetzt, ein Urteil wird frühestens im Januar erwartet.

Von

rtr

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