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10.08.2011

20:29 Uhr

Schädliche Marktgerüchte

Französische Großbank schaltet Börsenaufsicht ein

Um den französischen Bankensektor rankten sich verschiedene Gerüchte. Der Großbank Societe Generale bescherte das einen drastischen Kurssturz. Jetzt soll die Börsenaufsicht Licht ins Dunkel bringen.

Societe Generale in Paris. Quelle: Reuters

Societe Generale in Paris.

ParisDie französische Großbank Societe Generale bittet die Börsenaufsicht AMF um Hilfe bei der Klärung von Marktgerüchten. Spekulationen über finanzielle Schwierigkeiten und eine mögliche Verstaatlichung hatten am Mittwoch zu Kurseinbrüchen geführt: Die SocGen-Aktie schloss mit einem Minus von 14,7 Prozent. Nun solle Frankreichs Börsenaufsicht den Gerüchten auf den Grund gehen, erklärte das Institut. Das Engagement in Staatsanleihen der Peripherie-Staaten der Euro-Zone sei gering, teilte die Bank weiter mit. Zudem betonte die Societe Generale erneut, man sei in der Lage, solide Unternehmensergebnisse zu erzielen. Die Monate Juli und August seien stark gewesen.

Dessen ungeachtet beherrschten verschiedne Gerüchte die Stimmung an den Märkten. Zunächst sorgte ein Bericht der „Mail on Sunday“ für Unruhe, wonach sich die SocGen in einer schwierigen Lage befindet und womöglich sogar am Abgrund steht. Laut der SocGen-Internetseite hat sich das Blatt für diese Berichterstattung entschuldigt. Eine SocGen-Sprecherin sagte lediglich: „Die Societe Generale weist alle Marktgerüchte kategorisch zurück.“

Auch Analysten konnten die Talfahrt der Anteilsscheine der französischen Geldhäuser kaum erklären. Neben den anderen Banken fielen auch die Papiere der Credit Agricole. Sie gaben mehr als elf Prozent nach. Im Sog der Frankreich-Sorgen gab der Dow an der Wall Street deutlich nach, die Aktien italienischer Banken bauten ihre Verluste aus. Die größte Privatkundenbank Italiens, Intesa Sanpaolo, ging mit Verlusten von 13,7 Prozent aus dem Handel. Unicredit fielen um mehr als neun Prozent.

Wie die Politik die Schuldenkrise lösen will

Stabilitätsunion

Als jüngste Idee hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler eine „Stabilitätsunion“ vorgeschlagen. Ein Stabilitätsrat in der Euro-Zone soll im Krisenfall entscheiden, wie einem Land geholfen werden kann, auch mit Geld aus dem
EU-Strukturhilfetopf. Zudem soll es automatische Sanktionsmechanismen gegen Euro-Staaten geben, die ihre Verpflichtungen nicht einhalten. Der Vorteil: Mit dem Vorschlag signalisiert Deutschland, dass es zu einer engeren
Zusammenarbeit bereit ist. Der Nachteil: Etliche Euroländer-Regierungen wie Frankreich haben automatische Sanktionen für Defizitsünder bereits abgelehnt, so dass mitten in der Krise neuer Streit im Club der 17 Euro-Staaten droht.

EFSF-Aufstockung

Sowohl EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso als auch Frankreichs Finanzminister Francois Baroin haben eine erneute Aufstockung des gerade erst aufgestockten vorläufigen Euro-Rettungsfonds EFSF durch die Eurostaaten über die vereinbarten 440 Milliarden Euro hinaus ins Gespräch gebracht. Damit soll notfalls auch Staaten wie Spanien oder Italien geholfen werden können. Der Vorteil: Auch viele Akteure an den Finanzmärkten fordern eine größtmögliche Flexibilität des Euro-Rettungsschirms, damit sich Besitzer von Staatsanleihen der beiden Länder sicher sein können, dass sie ihr Geld zurückerhalten, und die Risikozuschläge wieder sinken. Der
Nachteil: Die nötige Zustimmung der nationalen Parlamente zu der bisher beschlossenen Aufstockung des EFSF im Herbst würde bei einer weiteren Ausweitung massiv erschwert, weil die anderen Euro-Staaten damit immer mehr Risiken im Falle einer Staatspleite auf sich häufen. Die Bundesregierung hat die Vorschläge deshalb umgehend abgelehnt.

Gold-Verkäufe

Etliche Bundestagsabgeordnete haben gefordert, dass die angeschlagenen Euro-Staaten ihre Goldreserven verkaufen sollen, um damit ihren Schuldenstand zu verringern. Der Vorteil: Euro-Staaten könnten angesichts des
hohen Goldpreises erhebliche Einnahmen erzielen und die Akzeptanz der Geber-Ländern für weitere Hilfen erhöhen. Der Nachteil: Die meisten Staaten haben die Entscheidung über Goldverkäufe den unabhängigen Notenbanken übertragen, die sich gegen eine politische Bevormundung wehren. Experten warnen zudem, dass das Grundproblem, nämlich die Vertrauenskrise, durch den Verkauf der Goldvorräte nicht beseitigt wird - sondern ein solcher Schritt wie eine Panikmaßnahme wirkt.

Umsetzung der EU-Beschlüsse, Nationale Reformen

Grundhaltung der Bundesregierung war bisher, Ruhe zu bewahren und erst einmal die Beschlüsse des Euro-Sondergipfels vom 21. Juli bis Ende September umzusetzen. Sonst stünde nicht einmal die bisher vereinbarte Aufstockung des EFSF auf 440 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Vertrauen der Investoren könnten angeschlagene Euro-Staaten ohnehin nur durch nationale Reformen wie Schuldenabbau und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Der Vorteil: Dies entwertet nicht die bisherigen, noch gar nicht umgesetzten EU-Beschlüsse. Der Nachteil: Vielen Akteuren reicht die bloße Umsetzung der bisherigen Beschlüsse nicht mehr aus, um die Unruhe an den Finanzmärkten einzudämmen.

Kommentare (11)

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gdopamin

10.08.2011, 20:51 Uhr

„Eine SocGen-Sprecherin sagte lediglich: „Die Societe Generale weist alle Marktgerüchte kategorisch zurück.“

Yeaph. Lehman war auch kerngesund. Alles böswillige Gerüchte. LOL.

Eigentlich ist es egal wer zuerst abnippelt und die anderen mitreißt. Aber ich finde Societe Generale klingt irgendwie besser als Unicredit oder BoA, irgendwie eleganter.

Französisch halt.:-))

Account gelöscht!

10.08.2011, 22:13 Uhr

man wittert fast schon Verschwörungen...es wird Zeit dass die Politik:

1.) sofort solide Haushalte ohne weitere Neuschulden vorlegt. Dazu auch Steuern für Wohlhabende erhöht.
2.) Die Finanzmärkte ENDLICH und gründlich reguliert um den schädlichen Wildwuchs zu beenden.
3.) Ein Infrastukturinvestitionsprogramm für ganz Europa beschließt
3.)

atinak

10.08.2011, 22:22 Uhr

Na fein, da werden Gerüchte gestreut, und schon springen alle wie die Lemminge von den Felsen. Habe gehört, dass die Radikalislamisten eine neue Strategie entwickelt haben, den Westen in die Knie zu zwingen:
1. Gerüchte über Systeminstabilitäten streuen, damit alle durchdrechen und von den Felsen springen.
2. Mit kleinen, unlimitierten Verkaufspositionen neue Abwärtsspiralen auslösen.
3. Mord und Totschlag in den Städten.
Und was macht Rot-Grün? Rot-Grün verlangt nicht etwa eine Konsolidierung der Haushalte, sondern spielt das Lied vom Eurobond, ruft zu Lohnkämpfen und zu noch höheren Sozialabgaben und zur weiteren Aufnahme von Sozialflüchtlichen auf, damit Deutschland endgültig im Schuldenstrudel und Chaos versinkt.

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