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30.10.2011

19:17 Uhr

Schattenbanken

Chinas illegaler Kapitalmarkt

VonFinn Mayer-Kuckuk

In China boomt der Markt für illegale Kredite. Schuld sind auch die Geschäftsbanken, weil sie kaum noch Kredite an Unternehmen vergeben. Für manche Ökonomen haben die Schattenbanker durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Yuan-Banknoten: In China sind vor allem kleine Unternehmen auf den schwarzen Kapitalmarkt angewiesen. Reuters

Yuan-Banknoten: In China sind vor allem kleine Unternehmen auf den schwarzen Kapitalmarkt angewiesen.

PekingEs war kein angenehmer Besuch für den chinesischen Premier Wen Jiabao. In der südostchinesischen Industriestadt Wenzhou teilten ihm Vertreter des Mittelstands mit, dass Banken kaum noch Firmenkredite vergeben. Daher müssten sich immer mehr Unternehmer bei illegalen Geldverleihern Kapital besorgen. Inzwischen habe es sogar schon Selbstmorde von Unternehmern gegeben, weil sie die Wucherzinsen nicht mehr zahlen konnten.

Kaum zurück in Peking, handelte der Regierungschef. "Die Regierung wird effektive Maßnahmen ergreifen, um die illegale Kreditvergabe einzudämmen", ließ der Premier mitteilen.

In China boomt der Markt für illegale Kredite. Seit dem vergangenen Jahr ist sein Volumen nach Schätzung von Experten um rund die Hälfte angeschwollen. Das Geldhaus Nomura schätzt, dass umgerechnet bereits mehr als 1000 Milliarden Euro in den chinesischen Schattendarlehen stecken - rund ein Fünftel des gesamten Kreditsektors des Landes. "Die Gefahr eines Platzens des Schattenkredit-Booms nimmt zu", schreiben die Nomura-Analysten. Aufgrund des hohen Volumens der Geschäfte droht vom schwarzen Kapitalmarkt nun so etwas wie ein Systemrisiko.

Das Kapital wird den Unternehmen fehlen

Ein Teil des Geldes fließt in die Finanzierung von Immobiliengeschäften und bläht eine Spekulationsblase weiter auf. Wenn die Hauspreise sinken, sehen die Anleger ihr Geld nicht wieder. Damit dürfte auch die Neuvergabe am Schwarzmarkt zusammenbrechen. Und ob legal oder illegal, das Kapital wird den Firmen fehlen.

Die Regierung beobachtet die Lage daher sehr genau. Die Zentralbank der besonders stark betroffenen Provinz Zhejiang schickt jeden Monat Ermittler aus, die sich über Zinsspanne und Volumen der illegalen Kredite erkundigen - die Regierung will zumindest einen Anhaltspunkt haben, was am Markt der Schattenkredite passiert.

Doch während die Finanzpolitiker über Ausmaß und Risiken rätseln, ist das Geschäft der Untergrund-Banker vor Ort eher bodenständig. Sie sammeln von Privatleuten Kapital ein und verleihen es an Firmen weiter. Die meisten, die Schwarzmarkt-Kredite aufnehmen, wollen damit in Wachstumsgeschäfte investieren. Oder das geborgte Geld soll Unternehmen helfen, eine Durststrecke zu überstehen.

Kommentare (4)

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ratlos

30.10.2011, 20:59 Uhr

irgendwie komisch -welche Mainstreampresse berichtet Heute nicht über dieses Thema - und zufällig alle ab ca. 15:00 Uhr.Im Kopp-Verlag wurde schon vor über drei Wochen sehr präzise darüber geschrieben.......!!!

TonyKatz

30.10.2011, 23:06 Uhr

Interessanter Artikel einige Punkte möchte ich hervorheben:
Ehrenkodex: es ist in der Tat in China eine jahrtausendealte Tradition, daß man unter Verwandten und guten Bekannen sich für unsere Verhältnisse hohe Summe OHNE VERTRAG ausleiht und diese selbstverständlich auch zurückzahlt. Das was die Banken mit Schufa und Creditreform und mit Bilanzanalyse machen geschieht in China - wie unter gestandenen alten deutschen Kaufleuten selbstverständlich - einfach von Mensch zu Mensch mit Ehrenwort. Banken stören da nur (oder schlimmer noch berauben den Markt Geld durch Entzug der Zinsen).
Der chinesische Erfolgt ist neben dem Fleiß und dem ungebremsten Kopier- (gutes Nachmachen) Willen auch ein Erfolg der Regierung nämlich STAATSkredite (Staat = Volk + Korruption) zu vergeben. Sprich: nicht der Investor saugt jede Menge Gewinne und Zinsen aus dem Unternehmen, sondern der Staat (das Volk) erhält die Dividende zurück. Natürlich werden Spekulationsblasen auch in China Platzen, aber im Gegensatz zum (durch die geldschöpfenden Banken unterwanderten) Westen, hat China die höchsten Währungsreserven und sehr geringe Schulden. Wenn eine Blase platzt, dann verlieren halt die die zu spät investiert haben eine Menge Geld (dafür haben wir eigentlich Marktwirtschaft), aber im (systemkaputten) Westen, gibt es keine Marktwirtschaft im Finanzsektor mehr, da die Doktrine des "too big to fail" und erschmieren wir (die Bank- und Finanzindustrie) uns den nächsten "Rettungsfonds". Von daher: liebe Europäer und liebe deutsche: produziert vernünftige langlebige Güter und die Konsumenten werden gerne Made in Europe/Germany kaufen oder importiert weiterhin alle möglichen (noch!) minderwertigen Bauteile aus Fernost und wundert euch nicht, warum sich die Konsumenten z.B. nach besseren (weniger anfälligeren und Werktstatthungrigen) Mercedes Autos/Transporter sehnen. Vertiefung in chinesischen alternativen Währungssystem: http://www.initiative.cc/Artikel/2011_07_23_Fei_Lun.htm

TonyKatz

30.10.2011, 23:11 Uhr

Das glaubt immer noch kaum ein Mensch, aber die großen NACH-RICHTEN Kanäle (also Fernsehen, Zeitungen, bekannte Internet-Medien) sind u.a. durch die Presseagentur-Vormeldungen und hausinterne Aufpaßer eng ins Korsett des "herrschenden Systems" eingebunden. Wenn ein Journalist seine Arbeit ernstnimmt, also insbesondere neutrale Berichte schreiben und gute Fragen stellen, dann hat er ein Problem: er ist unerwünscht bei den Kapitaleignern, so passiert mit Christof Hörstel oder Gerhard Wischnewski oder Oliver Janich...

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