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30.08.2013

15:50 Uhr

Schifffahrtskrise

HSH bereitet Eigner auf weiteres Verlustjahr vor

Die HSH Nordbank macht einen Rückzieher: Auch 2014 wird das Finanzinstitut keine schwarzen Zahlen schreiben. Die Krise der Schifffahrt trifft die angeschlagene Landesbank so hart wie kein anderes deutsches Geldhaus.

Der Container Terminal Altenwerder am Hamburger Hafen. Die anhaltende Schifffahrtskrise macht der HSH Nordbank schwer zu schaffen. dpa

Der Container Terminal Altenwerder am Hamburger Hafen. Die anhaltende Schifffahrtskrise macht der HSH Nordbank schwer zu schaffen.

HamburgNeue Hiobsbotschaften aus Hamburg: Die HSH Nordbank rechnet wegen der Dauerkrise in der Schifffahrt und hoher Kosten für die Staatsgarantien vorerst nicht mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Zudem stellt sich das staatliche gestützte Institut darauf ein, dass sich bei den anstehenden Stresstests im kommenden Jahr weitere Löcher in der Bilanz auftun. Die Schifffahrtskrise, die das Geldhaus seit Jahren auf Trab hält, wird sich nach Einschätzung von Bankchef Constantin von Oesterreich frühestens 2015 entspannen.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters machte von Oesterreich am Freitag deutlich, dass das Ziel eines Gewinns im Jahr 2014 nur sehr schwer zu erreichen sein wird. Allein die Gebühren, die das Institut für den staatlichen Rettungsschirm an die beiden Haupteigner Hamburg und Schleswig-Holstein überweist, beliefen sich im kommenden Jahr auf 520 Millionen Euro, sagte von Oesterreich. "Eine solche Summe muss erst mal verdient werden." Hinzu komme, dass die Risikovorsorge in der Schifffahrt auch im kommenden Jahr hoch bleiben werde. "Auf der Basis wird es sehr anspruchsvoll, im nächsten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben", erklärte der Bankchef.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Bislang war das kriselnde Institut davon ausgegangen, dass die Kreditvorsorge im nächsten Jahr sinkt und damit der Weg frei wird, um im Gesamtjahr Gewinne zu schreiben. Inzwischen zeichnet sich nach Einschätzung der Bank jedoch ab, dass sich die Schifffahrtsbranche auch im nächsten Jahr nicht erholen dürfte. "Es gibt nichts Positives über die Schifffahrt zu sagen. Auch wenn es hin und wieder Lichtblicke am Horizont gibt, so sind sie doch immer wieder schnell verschwunden", sagte von Oesterreich. Zudem schlagen zusätzliche Prämien für die wieder von sieben auf zehn Milliarden Euro aufgestockte Staatsgarantie zu Buche. Für das laufende Jahr werden dafür einschließlich Sonderzahlungen bereits 410 Millionen Euro veranschlagt. Seit April 2009 hat die sogenannte Zweitverlustgarantie die Bank drei Milliarden Euro an Prämien gekostet. Bei der Präsentation der Halbjahresbilanz ging von Oesterreich mit keinem Wort auf die korrigierte Prognose ein und wurde auch nicht von Journalisten danach gefragt.

Kommentare (1)

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30.08.2013, 14:34 Uhr

Die HSH ist eine untote Zombiebank, die nur noch mit Steuergeldern über Wasser gehalten wird.

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