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10.12.2013

14:03 Uhr

Schiffsfinanzierung

Teure und riskante Kähne

In Schifffahrtsunternehmen zu investieren, ist riskant – die Ratingagentur Moody's gibt es den Schiffsfinanzierern schwarz auf weiß und sagt hohe Verluste voraus. Auch Banken wie die Nord LB könnten Probleme bekommen.

Mitgegangen, mitgefangen: Wer in die Schifffahrt investiert, geht auch mit unter, wenn die Branche weiter in der Krise versinkt. dpa

Mitgegangen, mitgefangen: Wer in die Schifffahrt investiert, geht auch mit unter, wenn die Branche weiter in der Krise versinkt.

FrankfurtDen größten deutschen Schiffsbanken drohen angesichts der schweren Krise in der Branche hohe Verluste. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die acht größten deutschen Schiffsfinanzierer in den nächsten Jahren Kreditausfälle in Höhe von 16 Milliarden Euro erleiden werden. Dies entspreche rund 16 Prozent des Schifffahrtsportfolios von HSH Nordbank, NordLB, Commerzbank, DZ Bank, KfW, Deka, Helaba und HypoVereinsbank, erklärte Moody's in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Die Schifffahrt steckt wegen Überkapazitäten, gestiegener Treibstoffkosten und des mauen Welthandels seit gut fünf Jahren in der Krise. Moody's rechnet damit, dass die Flaute „noch mehrere Jahre“ anhalten wird. Das werde die Ergebnisse der acht untersuchten Banken 2013 und 2014 belasten, sagte Moody's voraus.

„Wir erwarten, dass einige Banken, die unverhältnismäßig stark in der Schifffahrt aktiv sind, Verluste erleiden werden, die ihr Kapitalpolster belasten“, erklärte Moody's. Am stärksten leiden unter einer anhaltenden Krise in der Schifffahrt würden nach Ansicht der Agentur die DZ-Bank-Tochter DVB Bank, die HSH Nordbank, die KfW Ipex-Bank, die Nord LB sowie die Nord LB-Tochter Bremer Landesbank.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Die deutschen Banken gehören weltweit zu den wichtigsten Kreditgebern der Schifffahrt. Die acht größten deutschen Schiffsfinanzierer hatten Ende 2012 laut Moody's 105 Milliarden Euro an die schwächelnde Branche verliehen.

Angesichts der andauernden Krise und der anstehenden Bilanzprüfung durch die Europäische Zentralbank (EZB) geht die Agentur davon aus, dass die Banken auch 2014 viel Geld für mögliche Kreditausfälle in der Schifffahrt zurücklegen müssen. Bisher haben die Banken nach Schätzungen von Moody's im Schnitt nur für 30 Prozent der „problematischen Schiffskredite“ Rückstellungen gebildet. „Aus unserer Sicht ist es wahrscheinlich, dass das nicht ausreichen wird.“

Die Analysten der Investmentbank JP Morgan sehen allerdings mittlerweile erste Hoffnungszeichen, da sich die Frachtraten und die Werte der Schiffe teilweise verbesserten. Sie gehen deshalb davon aus, dass der Abbau des Schiffsportfolios für die Commerzbank weniger zäh verlaufen könnte als bisher befürchtet. JP Morgan hob das Kursziel für Deutschlands zweitgrößte Bank deshalb um 16 Prozent auf 10,26 Euro an. Commerzbank-Aktien kletterten daraufhin um gut drei Prozent auf 11,07 Euro und waren damit mit Abstand größter Gewinner im Dax.

Von

rtr

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