Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2012

15:00 Uhr

Schmiergeld-Prozess

Mehr als zehn Jahre Haft für Gribkowsky gefordert

Die Staatsanwaltschaft hat für den Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky zehneinhalb Jahre Haft wegen Bestechlichkeit gefordert. Bei einem Geheimdeal mit Formel-1-Chef Ecclestone soll er Millionen veruntreut haben.

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky im Sitzungssaal im Landgericht München. dpa

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky im Sitzungssaal im Landgericht München.

MünchenDem früheren Risikochef der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, droht eine lange Haftstrafe. Oberstaatsanwalt Christoph Rodler beantragte am Landgericht München, den 54-Jährigen wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu zehneinhalb Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Verteidigung verzichtete auf eine konkrete Forderung. Richter Peter Noll hatte dem Ex-Banker bereits eine Strafe von knapp acht bis zu neun Jahren in Aussicht gestellt. Das Urteil dürfte noch am Mittwoch fallen.

Oberstaatsanwalt Rodler erklärte, Gribkowsky habe sich 2006 beim umstrittenen Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank, die ihr aus der Konkursmasse des Medienunternehmers Leo Kirch zugefallen waren, an den britischen Investor CVC bestechen lassen. Das Geld sei von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone gekommen.

Schmiergeld-Vorwürfe: Ecclestone droht nach Gribkowsky-Urteil schnelle Anklage

Schmiergeld-Vorwürfe

Ecclestone droht schnelle Anklage

Bernie Ecclestone soll Gerhard Gribkowsky Millionen Schmiergeld gezahlt haben.

Der Ex-Banker habe lange geschwiegen und erst am 45. Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt. "Es kam spät, aber es kam immerhin noch." Auch in seinen letzten Worten entschuldigte sich Gribkowsky: "Heute würde ich gerne die Zeit zurückdrehen." Er müsse nun mit den Konsequenzen leben. "Am Ende des Tages habe ich 'Ja' gesagt."

Nach Gribkowskys Geständnis: Formel-1-Chef Ecclestone fühlt sich völlig frei

Nach Gribkowskys Geständnis

Formel-1-Chef Ecclestone fühlt sich völlig frei

„Einen Riesenberg Geld“ habe er von Bernie Ecclestone kassiert, sagt Gerhard Gribkowsky. Genauer: 50 Millionen Dollar. Doch vom Schmiergeld-Geständnis des Ex-BayernLB-Managers fühlt sich der Formel-1-Chef nicht belastet.

Gribkowsky hatte in dem seit acht Monaten andauernden Verfahren eingeräumt, nach einer Geheimabsprache mit Ecclestone den Verkauf an CVC in Deutschlands zweitgrößter Landesbank durchgeboxt zu haben - ohne den Unternehmenswert der Beteiligung näher zu prüfen oder alternative Offerten einzuholen.

Dadurch sei der BayernLB ein Untreue-Schaden in Höhe von 66 Millionen Dollar entstanden, rechnete Rodler vor. Ecclestone, dem CVC als neuer Eigentümer genehm war, habe Gribkowsky eine Zahlung von 45 Millionen Dollar zugesagt. "Insgesamt sind 43,9 Millionen Dollar an den Angeklagten geflossen." Aus diesen Bestechungsgeldern seien die nötigen Steuern in Höhe von knapp 15 Millionen Euro hinterzogen worden.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Privatier

27.06.2012, 13:22 Uhr

Will nicht schönreden was Gribkowsky verbrochen hat, aber dafür über 10 Jahre Haft?
Er hat nicht tausende von Kleinanlegern ruiniert.
Wenn man bedenkt, dass U-Bahnschläger die Menschen tot prügeln oder zum lebenslangen Krüppel machen, nur für ein paar Jahre in den in den Knast wandern oder sogar Bewährung kriegen, da muss man schon nach der Verhältnismäßigkeit fragen!
Ein Mensch zählt heutzutage nichts. Es geht immer nur ums Geld.

erqwerqwerqwer

27.06.2012, 13:58 Uhr

also in deutschland passt irgentwie so manches nicht mehr das ist doch nicht verhältnismäßig wenn man wegen so was 10 jahre bekommt bzw wie bei kino to ich glaube 15 jahre und wegen schwerer körperverletzung usw mit 3 jähren rum kommt

WasIstGerecht

27.06.2012, 13:59 Uhr

In Amerika gibt es lebenslänglich für so etwas,
stellen Sie sich vor, er betrügt einen Facharbeiter um einen Betrag, den dieser in seinem Leben ersparen kann.
Dann hat er diesem Menschen die Lebenszeit mehrerer Jahrzehnte gestohlen. Dafür darf er gerne jahrzehntelang einsitzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×