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27.06.2013

14:38 Uhr

Schnelle Umsetzung

Deutsche Banken begrüßen neue Haftungsregeln

Wer bei seiner Bank mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, würde in künftig im Fall der Fälle an der Rettung des Geldhauses beteiligt. Die Banken freut das. Sie drängen auf eine rasche Umsetzung der neuen Regeln.

Eine Ein-Euro-Münze: Steuerzahler sollen durch die neuen Regelungen erst später an einer Bankenrettung beteiligt werden. dpa

Eine Ein-Euro-Münze: Steuerzahler sollen durch die neuen Regelungen erst später an einer Bankenrettung beteiligt werden.

FrankfurtDie deutschen Geldhäuser haben die Grundsatzeinigung auf strengere Spielregeln zur Rettung maroder Großbanken in Europa begrüßt. Nach Ansicht des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) darf die EU nun aber keine Zeit verlieren. „Die Trilogverhandlungen sollten jetzt zügig abgeschlossen werden, so dass möglichst zeitgleich mit dem Start der Europäischen Bankenaufsicht ein grenzüberschreitendes Sanierungs- und Abwicklungsregime EU-weit eingeführt werden kann“, erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Donnerstag. Außerdem sollten Gläubiger von vornherein wissen, „unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Verbindlichkeiten sie nach den Anteilseignern einen Abwicklungsbeitrag leisten müssen“. Auch der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) äußerte sich in einer ersten Stellungnahme positiv: „Es ist erfreulich, dass eine Einigung erzielt wurde und die Steuerzahler erst als letzte Möglichkeit in Anspruch genommen werden sollen.“

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Die EU-Finanzminister hatten sich in der Nacht auf neue Haftungsregeln verständigt: Marode systemrelevante Großbanken in Europa werden künftig in erster Linie auf Kosten ihrer Eigner und Gläubiger (Bail-in) und nicht mehr länger nur vom Steuerzahler gerettet. Als erstes müssen Aktionäre, Bankanleihebesitzer und Kunden mit Guthaben über 100.000 Euro Opfer bringen. Der Staat oder der Euro-Rettungsfonds ESM sollen erst ab einem bestimmten Schwellenwert Löcher in Bankbilanzen stopfen – eine Lehre aus der Finanzkrise, als einige Mitgliedstaaten wie Irland wegen umfangreicher Hilfen für den Finanzsektor fast pleite gingen. Kleinere Banken sollen künftig einfacher geschlossen werden können.

Die Mitgliedstaaten müssen über das Gesetz zur Bankenabwicklung jetzt noch mit dem Europäischen Parlament verhandeln. Eine Einigung wird bis Jahresende erwartet.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

27.06.2013, 14:59 Uhr

Wieder so ein Freifahrschein für die Zocker unter den Bankmanager. Kein Wunder, dass das die Deutschen Institute begeistert. Sie kennen die Einalgen ihrer Kunden und können sich nun ganz genau ausrechnen, wie viel sie verzocken können. Sie wissen ja nun, dass die Sparer dafür haften müssen. Und es werden zuerst die Sparer sein, die haften, dann kommen erst die Aktionäre.

Nichts gelernt aus der Krise, aber auch nicht mal ansatzweise.

Mazi

27.06.2013, 15:13 Uhr

Das ist korrekt. Es ist jedoch zu bedenken, dass der Sparer im Gegensatz zum Aktionär keinerlei Mitspracherechte hat und auch keinen Dividendenanspruch am erzielten Gewinn. Ihm werden bei der derzeitigen Geschäftspolitik der EZB gerade einmal 0,25 % p.a. - und das nicht einmal garantiert - angeboten.

Die Vorgehensweise ist geradezu die Steilvorlage dazu, die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalunterlegungen gänzlich abzuschaffen. Wie kann man eine derartige Regelung auch nur Andenken, während Vorstände und Aufsichtsräte allein ermächtigt sind, die Banken und letztlich die Sparer von innen auszurauben?

Ein Ergebnis typischer Lobbyarbeit. Dafür fehlen die Herrschaften vor ein internationales Gericht gestellt.

Account gelöscht!

27.06.2013, 15:36 Uhr

Die Lunte am sozialen Pulverfass brennt schon und es wird nicht mehr lange dauern, wird sie explodieren.

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