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22.09.2011

15:33 Uhr

„Schritt in die Realität“

Privatbanken wollen Einlagensicherung reduzieren

Die Privatbanken planen eine deutliche Reduzierung der Sicherungshöhe ihrer freiwilligen Einlagensicherung: Kunden soll im Fall einer Insolvenz ihres Instituts künftig ein geringerer Betrag ersetzt werden als bisher.

Wer sein Geld dann doch lieber zur Bank trägt, muss bald wohl mit geringeren Garantien leben. dpa

Wer sein Geld dann doch lieber zur Bank trägt, muss bald wohl mit geringeren Garantien leben.

Frankfurt/BerlinDieser Schritt sei nötig, um den Einlagensicherungsfonds für künftige Aufgaben zu rüsten und Kunden „auch weiterhin glaubhaft den besten Schutz für ihre Spareinlagen zu bieten“, wie der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Die Mindestsicherungsgrenze soll bis 2025 in drei Schritten von derzeit 1,5 Millionen auf dann 437.000 Euro pro Kunde fallen, teilte der BdB mit. „Wir wollen das Haftungsversprechen der privaten Banken realistischer machen“, begründete Hans-Joachim Massenberg von der BdB-Hauptgeschäftsführung den Schritt. „Wir haben auch nach der Reform das weltweit mit Abstand höchste Schutzniveau für Kunden.“

Nach den Plänen des BdB soll die Sicherungsgrenze der Sparbeträge schrittweise von derzeit 30 Prozent auf 8,75 Prozent bis 2025 gesenkt werden. Das heißt, jeder Gläubiger einer Privatbank ist dann maximal mit 8,75 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals seiner Bank abgesichert. Die höchste garantierte Summe fällt damit von derzeit 1,5 Millionen Euro auf 437.500 Euro.

Bankenverband: Schutz ist nach wie vor ausreichend

Damit liege der Schutz zum Ende der Reform des Fonds aber immer noch mindestens viermal höher als die heute gesetzlich garantierten 100.000 Euro, hieß es. Mit diesem Schutzniveau seien weiterhin auch hohe Einlagen, etwa aus Hausverkäufen oder der Auszahlung einer Lebensversicherung, in der Regel komplett geschützt. Über die Reform soll die Delegiertenversammlung des BdB am 17. Oktober entscheiden, da mehrere Satzungsänderungen nötig sind.

Bankenexperte Wolfgang Gerke begrüßte die geplante Senkung der Garantien. „Das ist absolut sinnvoll“, sagte der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. „Das bisherige Versprechen hätte im Ernstfall ohnehin nur mit Hilfe des Steuerzahlers erfüllt werden können. Deshalb ist das ein Schritt in die Realität.“ Gerke kritisierte allerdings den Zeitpunkt der Ankündigung. „Der ist unglücklich gewählt, denn wir haben im Moment genügend negative Nachrichten im Markt. Das hätte man besser in ruhigeren Zeiten kundgetan.“ Gerke zufolge sind die Spareinlagen auch danach noch sicherer als in den meisten anderen Ländern. „Der Sparer muss sich im Moment keine Sorgen machen“, sagte der Experte.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BdB, Massenberg zeigte sich zuversichtlich, dass das reformierte Einlagensicherungssystem der privaten Banken auch künftig im Vergleich zur Institutssicherung der Sparkassen und Volksbanken wettbewerbsfähig bleibt. Er räumte aber ein, dass es dazu intensive Gespräche unter den BdB-Mitgliedern gegeben habe. Da die Finanzverbünde kein Institut pleite gehen lassen, sind die Einlagen jeweils komplett geschützt. Da könnte es jetzt zu Umschichtungen zugunsten Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommen.

Kritisch verfolgt der BdB das aggressive Werben einiger Mitgliedsbanken um Kundeneinlagen - auch mit dem Hinweis auf eine auskömmliche Absicherung der Spareinlagen. Das soll sich ändern. Banken, die über Kundeneinlagen verfügen, die das 20fache ihres haftenden Eigenkapitals übersteigen, sollen auf ihre Beiträge zur Einlagensicherung künftig einen zehnprozentigen Aufschlag zahlen. Auch diese Maßnahme soll von der Delegiertenkonferenz am 17. Oktober abgesegnet werden.

Der Einlagensicherungsfonds schützt Kundenguthaben bei den privaten Banken in Deutschland im Fall einer Insolvenz. Er übernimmt die Einlagenteile des Bankkunden, die über der aktuell gültigen gesetzlichen Grenze von 100.000 Euro liegen. Dieser Betrag wird von der Entschädigungseinrichtung aller deutschen Banken abgedeckt.

Kommentare (14)

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steve

22.09.2011, 14:10 Uhr

Der Anfang vom Ende. Wie sicher sind denn die Lebensversicherungen, darin sind ja die Kredite/ Anleihen der Institute, die geraden den Bach runter gehen, enthalten. Schade, dass die Zeit nicht genutzt wird um anzufangen ein neues Wirtschaftssystem zu etablieren. Das jetztige ist anders als in den meisten Medien zu lesen, lange schon dem Untergang geweiht. Das liegt am Zins, der sukzessive dafür sorgt, dass die Verschuldung ansteigen muss. Klingt am Anfang nicht so schlimm aber der Zinseszins seit der letzten Währungsreform.... Genaue Zahlen stehen im Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssytem vom Autoren Stefan Groß

verkehrteWelt

22.09.2011, 14:11 Uhr

Die Wut über die Herabsetzung ist ebenso lustig wie von Mathematik Defiziten geprägt. Hat tatsächlich jemand geglaubt das eine Großbank im Falle einer Pleite in der Lage wäre solche Summen zu zahlen? Das ich nicht lache...der Einlagensicherungsfonds der Banken kam nach der Lehman Pleite ins Wanken und dabei handelte es sich um einen einstelligen Milliardenbetrag in Deutschland. Einiger dieser Kunden warten noch heute auf ihr Geld.Keine Bank könnte im Falle des Falles die Garantien leisten -auch wenn sie nochmal halbiert werden- und der Staat welcher sagt "die Einlagen sind sicher" ebenfalls nicht.
By-the-way wer sollte ein Interesse am Systemkollaps haben? Zahlen Sie Ihre Brötchen beim Bäcker dann mit einem Goldbarren? Oder beissen Sie ein Stück davon ab?

Spielcasino

22.09.2011, 14:13 Uhr

lesen Sie mal das Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem. Darin steht genau drinn, dass das bisherige System nicht funktionieren kann. Aber er schreibt auch manigfaltige Lösungen.... Krass ist auch, dass er den Umverteilungsmechanismus von Arm nach Reich beschreibt. Beste Buch was ich je gelesen habe und das mit dickem Abstand!!!

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