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18.09.2013

15:30 Uhr

Schrumpfkur

Deutsche Bank macht Fortschritte beim Abbau der Bilanzsumme

Die Deutsche Bank kann ihre Bilanzsumme senken, insbesondere durch das Auflösen von Derivate-Positionen. Die Trennung von der BHF Bank entwickelt sich indes zur Hängepartie – Schuld ist die Finanzaufsicht.

Die Deutsche Bank hat nach eigener Einschätzung Spielraum, ihre Bilanzsumme um bis zu 250 Milliarden Euro zurückzufahren. Reuters

Die Deutsche Bank hat nach eigener Einschätzung Spielraum, ihre Bilanzsumme um bis zu 250 Milliarden Euro zurückzufahren.

FrankfurtDie Deutsche Bank kommt bei der von den Regulierern verordneten Schrumpfkur voran. „Wir machen da gute Fortschritte“, sagte Finanzchef Stefan Krause am Mittwoch am Rande einer Branchenkonferenz in Frankfurt. Er deutete zudem an, dass auf die Bank durch den Abbau der Bilanzsumme im dritten Quartal keine hohen Belastungen zukommen werden. Das sei auch in den darauffolgenden Monaten nicht zu erwarten, schließlich pflücke das Institut zuerst die „niedrig hängenden Früchte“, sagte Krause. „Es ist natürlich am Anfang des Prozesses einfacher. Wir kommen da gut voran.“

Deutschlands größtes Geldhaus hat einen deutlichen Abbau seiner Bilanzsumme angekündigt, um die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) zu verbessern. Diese Kennzahl, die nach dem Willen der Aufsichtsbehörden künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Die Deutsche Bank hat nach eigener Einschätzung Spielraum, ihre Bilanzsumme um bis zu 250 Milliarden Euro zurückzufahren – das sind 16 Prozent der Bilanzsumme.

Am einfachsten sei der Abbau des riesigen Bestands an Derivaten, sagte Krause. „Wir lösen jetzt erst mal Derivate-Positionen auf, die zwischen Banken entstanden sind, um sich abzusichern.“ Zu einem späteren Zeitpunkt könne die Bank dann auch das Derivate-Geschäft mit Kunden einschränken, mit denen sie in anderen Bereichen nicht zusammenarbeitet. „Das wird zu einer Fokussierung der Banken auf Kernkunden führen.“

Zudem will die Deutsche Bank künftig nicht mehr mit einem so großen Liquiditätspuffer arbeiten wie in der Vergangenheit. Das Geldhaus habe zeitweise bis zu 240 Milliarden Euro an Liquidität gehabt und damit deutlich mehr als nötig, sagte Krause. „Natürlich ist das ein Bereich, in dem sie jetzt noch mal hinschauen, ob sie sich das in dem neuen Regime leisten können.“ Drastisch senken lasse sich die Summe an schnell verwertbaren Sicherheiten aber nicht, schließlich müsse die Bank auch bestimmte Liquiditätsquoten einhalten.

Insgesamt werde der Bilanzsummenabbau von Banken dazu führen, dass sich Unternehmen künftig stärker über den Kapitalmarkt finanzieren, sagte Krause voraus. Dazu seien Investmentbanken wichtig. „Man kann nicht gleichzeitig Investmentbanken eliminieren und Bilanzen kürzen. Irgendwo muss sich die Wirtschaft ja am Ende refinanzieren.“ Da sich deutsche Unternehmen stärker auf Kredite setzen als amerikanische, dürfe eine einfache Verschuldungsquote für Banken („simple leverage“) in Europa nicht genauso schnell und hoch eingeführt werden wie in Amerika, forderte Krause. „Der gleiche Anspruch an die Leverage Ratio in Europa ist kurzfristig ohne Schaden an der Volkswirtschaft nicht umzusetzen.“

Weiter gedulden muss sich die Deutsche Bank bei der geplanten Trennung von der BHF Bank. Der Verkauf der Tochter an den Finanzinvestor RHJ International hat sich zur Hängepartie entwickelt, weil die Finanzaufsicht BaFin weitere Unterlagen von den Co-Investoren, namentlich Blackrock, angefordert hat. Derzeit gebe es keine Neuigkeiten in dem Verkaufsprozess, sagte Krause. „Wir warten da auf die Entscheidung vom Amt.“

Von

rtr

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