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11.07.2011

15:13 Uhr

Schuldenberg

Italien schuldet deutschen Banken 116 Milliarden Euro

Die Finanzmärkte richten den Blick zunehmend auf den italienischen Schuldenberg. Wenn das Land in ernste Schwierigkeiten gerät, haben auch die deutschen Banken ein Problem.

Sorge um Italien

Der nächste Krisenkandidat

Sorge um Italien: Der nächste Krisenkandidat: Sorge um Italien wächst

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DüsseldorfItalien zählt zu den größten Schuldnern der deutschen Finanzinstitute im Euro-Raum. Diese hatten Ende März dieses Jahres insgesamt gut 116 Milliarden Euro nach Italien verliehen, wie aus aktuellen Zahlen der Bundesbank hervorgeht. Davon entfallen rund 36 Milliarden Euro auf den italienischen Staat, dessen Finanzkraft inzwischen infrage gestellt wird.

Die deutschen Kreditinstitute sind demnach in nur vier Ländern noch stärker engagiert als in Italien: in Frankreich (145,6 Milliarden Euro), Luxemburg (120,9 Milliarden), den Niederlanden (117,7 Milliarden) und dem ebenfalls hochverschuldeten Spanien (125,2 Milliarden). Zum Vergleich: Gegenüber dem vom Zahlungsausfall bedrohten Griechenland hatten die deutschen Banken im März noch Forderungen von rund 17 Milliarden Euro. Die von der Förderbank KfW zugesagten Hilfskredite über rund acht Milliarden Euro sind dabei nicht mitgerechnet.

In Italien gehen die meisten Verbindlichkeiten auf die dortigen Unternehmen zurück: Demnach hatten italienische Betriebe knapp 43,3 Milliarden Euro Schulden bei deutschen Banken. An italienische Banken hatten die Kreditinstitute 37 Milliarden Euro verliehen. Der Staat stand mit 35,9 Milliarden Euro bei deutschen Banken in der Schuld.

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Am stärksten in dem Land engagiert sind die Commerzbank mit 9,4 Milliarden und die Deutsche Bank mit acht Milliarden Euro. Beide Institute weisen aber nicht aus, welcher Teil der Forderungen gegenüber der Regierung besteht. Stark betroffen von Zahlungsproblemen Roms wären auch die Bad Banks der Hypo Real Estate und der WestLB.

Die deutschen Institute fahren aber laut Bundesbank bereits seit Monaten ihr Engagement in Italien zurück. Vor einem Jahr hatten demnach noch Forderungen in Höhe von 134 Milliarden Euro ausgestanden, Anfang 2009 seien es sogar noch über 150 Milliarden Euro gewesen.

In der Euro-Zone wachsen derzeit die Befürchtungen, dass auch Italien in eine Schuldenkrise hineingeraten könnte. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen hatten in der vergangenen Woche Höchststände erreicht. Zudem waren Bankaktien an der Mailänder Börse abgestürzt.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Curley

11.07.2011, 17:08 Uhr

Das Handelsblatt schreibt, wenn Italien in Schwierigkeiten kommt hätten deutsche Banken ein Problem. Ist wirklich zum Totlachen !!!!! Die werden gar kein Problem haben. Die korrupten Poltiker werden die Verluste der Banken wieder auf den Steuerzahler abwälzen und die Banken dann um Rat fragen, wie man sich denn am besten in der Krise verhalten soll.

Unfähigkeit, Unverantwortlichkeit in einem toll bezahlten Job in der Bunderregierung oder im EU-Parlament oder in deren Germien. Und dann den Teufel (die Banken) fragen, wie man am denn am besten ein Fluchtweg aus der Hölle findet !!!

Die Politiker werden dafür verantortlich sein, wenn in dem einen oder Land in Europa bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Von wegen vereintes Europa. Die Politiker zerstören den europäischen Gedanken. Einige wenige profitieren. Toll bezahlte EU-Politiker und die Kommissare dort, Banken, Großunternehmen und Reiche.

Ondoron

11.07.2011, 17:19 Uhr

Tja, liebes HB, langsam wird es wohl mal Zeit, bei Prof. Hankel nachzulesen, wie es wohl weitergeht. Der hat ja schon vor über 10 Jahren das Drehbuch vorgelegt...
Die Eurostaaten leben weiter schön über ihre Verhältnisse, und die Geberländer werden zahlen. Allerdings nur so lange, bis sie selbst zusammenbrechen unter der Last. Wenn die Eurobonds kommen, dann ist es spätestens 2016 so weit; dann ist Deutschland endlich bankrott! Endlich ist dann die politische "EUlite" in einer Weise diskreditiert, dass dieses unsagbar naive sozialistische Projekt eingestampft werden muss. Der Preis ist extrem hoch: Die EU wird darüber kollabieren, und alle Staaten brauchen eine Währungsreform.
Für Deutschland bedeutet das, dass der gesamte Wohlstand, der in den letzten 60 Jahren aufgebaut wurde, verloren ist. Verloren im Angesicht des Durchziehens eines "politischen Projekts", koste es, was es wolle! Den perfiden deutschen Politikern ist kein Preis zu hoch! Die deutschen Bürger lassen sich weiterhin grünen Sand in die Augen streuen, dass wir auf den Weg in die "Vereinigten Staaten Europas" seien und dafür zu zahlen hätten. Dabei kann sich Deutschland das noch nicht mal leisten! Da sind die deutschen Politiker genauso blöd wie die Nazis, die dachten, die Welt beherrschen zu können. Hochmut und völlige Selbstüberschätzung kommen vor dem Fall.
Schon jetzt ist absehbar, dass jeder für sich selbst sorgen muss. Die deutschen Politiker sind einfach nur unglaublich naiv - wenn es nicht beleidigend wäre, so müsste ich viel deutlicher werden. Nie hätte ich gedacht, solche Zeiten zu erleben - in Friedenszeiten!

Account gelöscht!

11.07.2011, 17:44 Uhr

Das ist doch alles kein Problem. Bloß nicht aufregen. Draghi wirds schon richten. In weiser Voraussicht hat man ihn doch zum EZB Präsidenten gemacht. Als Italiener wird er wohl seine Landsleute nicht im Stich lassen. Er wird einfach die ganzen Papiere kaufen, natürlich in erster Linie von den italienischen Banken - Trichet hat es ihm ja vorgemacht - und dann im Keller der EZB verschwinden lassen. Und wer an der Uni nicht aufgepaßt hat, den erinnere ich: Monetarisierung der Schulden. Die Amis machen das seit Jahren und die Briten machen auch schon lange nach. Nun auch der Euro Raum. Rettet Euer Geld, solange es noch etwas wert ist.

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