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12.11.2011

15:30 Uhr

Schuldenkrise

Das Leiden der italienischen Banken

VonLisbeth Budinsky

Die Banken in Italien leiden besonders unter der Krise des Landes. Staatsanleihen und faule Kredite belasten die Rentabilität der Geldhäuser. Und auch die Versicherer hat es erwischt. Es droht ein Dominoeffekt.

Gebäude der Mailänder Börse PR

Gebäude der Mailänder Börse

MailandDie Börse straft die Banken Italiens ab. Nicht weil sie schlecht gewirtschaftet haben, sondern weil sich das Heimatland der Institute in eine horrende Staatsverschuldung hat fallen lassen und die Politik der Regierung Berlusconi konfuser kaum sein könnte. Seit Juli haben die Anteilscheine von Unicredit und Intesa Sanpaolo, Mediobanca, Banca Popolare di Milano und anderen Banken bis zu 50 Prozent an Wert verloren. Die Anleihe-Renditen der Institute stiegen.

Die dadurch höheren Refinanzierungskosten kratzen an der Profitabilität. „Im Grunde genommen weisen italienische Banken eine solide Vermögensstruktur auf und haben auch im laufenden Krisenjahr gute Ergebnisse erzielt“, bricht Professor Stefano Carelli von der Mailänder Elite-Universität Bocconi eine Lanze für die Kreditinstitute. „Mehr als andere Unternehmen leiden die Banken an der Systemkrise des Landes. Würde das System funktionieren, hätten wir auch keine Bankenkrise.“

Derzeit haben Italiens Kreditinstitute Staatspapiere des Landes in Höhe von knapp 150 Milliarden in ihren Bilanzen. Besonders hohe Bestände halten Intesa Sanpaolo und Unicredit mit je 63 beziehungsweise 40 Milliarden Euro. Die Zukunft der Kreditinstitute hängt von der Fähigkeit der neuen Regierung ab, die Staatsschulden effizient abzubauen und damit wieder internationale Glaubwürdigkeit zu erlangen. Dann, so Carelli, werde der Risikoaufschlag zwischen den deutschen Bundesanleihen und den italienischen Staatstiteln, der zu Wochenmitte ein Allzeithoch von 575 Basispunkten Punkte erreichte, rapide sinken. Das würde den Wert der Staatsanleihen im Besitz der Banken erhöhen und die Refinanzierung der Banken preiswerter werden lassen. Gelingt dies jedoch nicht, wird es richtig ungemütlich: Im kommenden Jahr muss der Staat 300 Milliarden Euro refinanzieren. Hundert Milliarden Euro fallen bereits im ersten Quartal 2012 an.

Dabei sah es in den vergangenen Jahren eigentlich recht gut aus für die Banken in Italien. Die Krise um bonitätsschwache US-Immobilienkredite und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten sie relativ gut überstanden. Infolge ihrer allgemein konservativen Anlagepolitik, ihrer Fokussierung auf das Privatkundengeschäft anstatt auf das Investment-Banking sahen sie sich in den vergangenen Jahren nur zum Teil gezwungen, Staatshilfen anzunehmen. Weder die beiden Branchenführer, Unicredit und Intesa Sanpaolo, noch ein Großteil der Volksbanken hatten die nach dem Finanzminister benannte staatliche Hilfe, die Tremonti Bonds, in Anspruch genommen. Einzig die genossenschaftlich organisierte Monte die Paschi di Siena, Europas ältestes Kreditinstitut, die kleinere Mailänder Volksbank Banca Popolare di Milano und die UBI nahmen Staatshilfe in Anspruch. Nun haben sie Schwierigkeiten diese zurückzuzahlen.

Kommentare (9)

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Pequod

12.11.2011, 15:46 Uhr

Nur keine Panik!!
Schließlich haben auch die ital. Banken alle den Streß-
test bestanden und wenn alle Stricke reißen sollten
sitzt immer noch Mario Draghi in der EZB, der die Eisen,
auf Kosten der deutschen Steuerzahler, aus dem Feuer
reißen wird!!!

lowabras

12.11.2011, 16:21 Uhr

Ja, und? Wissen wir das nicht alle schon?

Account gelöscht!

12.11.2011, 16:36 Uhr

Na @lowabras kann ja wohl nicht oft genug gesagt werden, für jede Million Euro einmal mindestens die wir besser hätten für Bildung, Gesundheit und Renten usw stattdessen in Deutschland hätten ausgeben sollen.

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