Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2012

19:15 Uhr

Schweiz

Commerzbank lugt über die Alpen

In der Krise straffen Banken ihr Geschäft und ziehen sich aus Auslandsmärkten zurück. Die Commerzbank will zumindest in der Schweiz angreifen - in einem anderen Geschäftsbereich als die Konkurrenten.

Jenseits der Alpen will die Commerzbank neue Firmenkunden gewinnen. dapd

Jenseits der Alpen will die Commerzbank neue Firmenkunden gewinnen.

Die meisten anderen Auslandsbanken sind in der Schweiz im Private Banking aktiv, kümmern sich also um vermögende Privatkunden. Dieses Geschäft hat die Commerzbank vor gut zwei Jahren verkauft. Statt dessen will das deutsche Geldhaus nun im Firmenkundengeschäft in der Schweiz punkten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde auf rund fünfzig fast verdoppelt. Die Zahl der Firmenkunden soll um 150 auf 550 steigen, kündigte Martin Keller an, der das Schweizer Geschäft leitet. Dabei will sich die Commerzbank deutsche Firmenkunden in die Schweiz begleiten und umgekehrt Schweizer Konzernen bei Geschäften in Deutschland helfen - auch mit Krediten, wie Commerzbank-Vorstand Markus Beumer betonte.

„60 Prozent unseres Ergebnisses kommt aus dem Mittelstandsgeschäft. Wir wären schön blöd, das Geschäft zurück zu fahren, das Gewinne abwirft“, erklärte er in Zürich.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Derzeit kämpft die zweitgrößte deutsche Bank damit, die Eigenkapitalforderungen der Europäischen Bankenaufsicht EBA zu erfüllen. Laut EBA klafft bei der Commerzbank ein Loch von 5,3 Milliarden Euro. Vergangene Woche hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing den Plan vorgestellt, wie die Lücke ohne Kapitalerhöhung und neue Staatshilfen gefüllt werden soll. Unter anderem will die Bank Risiken abbauen, wie gewerbliche Immobilienkredite oder Schiffsfinanzierungen und Gewinne einbehalten. Laut Bank-Vorstand Beumer drohe deswegen keine Kreditklemme, Kredite würden aber deutlich teurer werden.

Er räumte ein, dass Kunden mit Blick auf die Kapitalausstattung der Commerzbank Fragen stellen würden. Kunden habe die Bank deswegen aber nicht verloren. „Es ist eher ein Verkaufsargument geworden, dass wir als systemrelevante Bank eingestuft werden“, sagte Beumer.

Von den deutschen Banken ist die Deutsche Bank mit Abstand das aktivste Institut in der Schweiz. Nach eigenen Angaben verfügt sie über rund 1000 Mitarbeiter und bietet die gesamte Palette an: Private Banking, Asset Management für Institutionelle Kunden wie Pensionskassen, Firmenkundengeschäft und Investmentbanking. Als einzige Landesbank ist noch die LBBW in der Schweiz vertreten.

Von

ali

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×