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27.07.2012

09:30 Uhr

Schweizer Bank

Handelsflaute drückt Vontobel-Gewinn

Gemessen an den Analysten-Erwartungen, könnte es dem Schweizer Geldhaus Vontobel schlechter gehen. Besonders im Privatkundenbereich gab es zum Halbjahr ein Wachstum. Dennoch hat es einen Geschäftsbereich hart getroffen.

Vontobel verfügt über Eigenmittel von 600 Millionen Franken. Reuters

Vontobel verfügt über Eigenmittel von 600 Millionen Franken.

ZürichDie Schweizer Bank Vontobel hat andere Schweizer Vermögensverwalter beim Wachstum im ersten Halbjahr 2012 hinter sich gelassen. Das Zürcher Institut konnte 5,3 Milliarden Franken an neuem Geld hereinholen, wie die Bank am Freitag mitteilte. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht dies einer Wachstumsrate von 12,9 Prozent. Julius Bär kam nur auf die Hälfte, EFG International auf ein Viertel davon.

Allerdings stammt das Wachstum bei Vontobel vor allem aus dem institutionellen Geschäft, in dem die beiden Konkurrenten kaum mehr tätig sind. Besonders die Fonds des Starmanagers Rajiv Jain, der mit einer Value-Strategie in unterbewerte Aktien investiert, verzeichneten guten Zuspruch. Schleppend läuft es dagegen im Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Hier soll ein neuer Bereichsleiter Schwung bringen.

Wachstum könnte auch von Zukäufen kommen. Für eine Übernahme stehen Vontobel Eigenmittel von 600 Millionen Franken zur Verfügung. "Bei den aktuellen Preisniveaus im Markt ist mit 600 Millionen sehr viel möglich", sagte Konzernchef Zeno Staub in einer Telefonkonferenz.

"Eine Größenordnung von 20 Milliarden ist für uns problemlos darstellbar", sagte er mit Bezug auf die verwalteten Vermögen, die Vontobel zukaufen könne. "Wir wollen akquirieren auf Seite der Vermögensverwaltung, das heißt Private Banking und/oder Asset Management. Wir haben in beiden Bereichen klare Kriterien definiert und formuliert, was für Objekte oder Partner zu uns passen würden." Vontobel war in Bezug auf Zukäufe bisher kaum je so konkret. Dies legt nahe, dass Akquisitionspläne schon weit fortgeschritten sind.

Der Halbjahresgewinn konnte mit dem guten Wachstum nicht Schritt halten. Unter dem Strich verdiente die Bank im ersten Halbjahr 66,6 Millionen Franken oder 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Wie viele Konkurrenten leidet Vontobel unter der Börsenflaute. Im Investmentbanking sackte der Vorsteuergewinn um 42 Prozent ab.

Ein großer Teil der Erträge erwirtschaftet die Bank mit strukturierten Produkten, wo Vontobel zu den Schweizer Branchenführern gehört. Auch im zweiten Halbjahr dürfte das Marktumfeld Vontobel bremsen. "Wir rechnen mit einem herausfordernden Umfeld in den nächsten Monaten", sagte Bankchef Staub.

An der Börse wurde der Zwischenbericht mit Applaus aufgenommen: Die Vontobel-Aktien schnellten im Eröffnungshandel um gut acht Prozent auf 20 Franken hoch. Analysten hatten mit einem noch deutlich stärkeren Rückgang des Konzerngewinns gerechnet. Auch beim Neugeld lag Vontobel über den Markterwartungen.

Von

rtr

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