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04.01.2006

13:09 Uhr

Schweizer Banken

Und ewig lockt der Osten

VonOliver Stock

Die Schweizer Kreditinstitute fühlen sich in der Heimat nicht mehr wohl, denn das legendäre Bankgeheimnis bröckelt. So ziehen sie aus, um sich neue Wirkstätten zu suchen – da, wo die wirklich Reichen sitzen: in Arabien und Asien.

Mit milliardenschweren Großprojekten macht vor allem Dubai von sich reden. Hier eine künstliche Insel in Palmenform, im Hintergrund das Luxushotel Burj al Arab. Foto: dpa

Mit milliardenschweren Großprojekten macht vor allem Dubai von sich reden. Hier eine künstliche Insel in Palmenform, im Hintergrund das Luxushotel Burj al Arab. Foto: dpa

ZÜRICH. Erhalten die Zürcher die Bewilligung, wollen sie innerhalb der nächsten sechs Monate eine Zweigstelle in Katar eröffnen. Das Qatar Financial Centre ist ein Finanz- und Geschäftszentrum, das die Regierung Katars am 1. Mai des vergangenen Jahres eröffnet hatte. Es soll internationale Finanzdienstleister und global agierende Unternehmen anziehen.

Andere Banken, die gen Osten streben, haben bisher vor allem das nähere Dubai und das fernere Singapur als Finanzplatz mit Zukunft entdeckt. Auch Bahrain, wo die Zahl der registrierten Finanzhäuser innerhalb von fünf Jahren von 290 auf 365 gestiegen ist, spielt eine immer größere Rolle.

An der Spitze der Expansionsbewegung stehen dabei wie immer die Großbanken UBS und Credit Suisse. Ihnen folgen die Zürcher Privatbank Julius Bär, die seit mehr als einem Jahr in Dubai präsent ist und ebenfalls Interesse an Singapur hat, sowie die Baseler Bank Sarasin, die über ein Tochterunternehmen am Golf aktiv ist.

Dabei sind es vor allem zwei Gründe, die die Schweizer Banken locken. Als größte Vermögensverwalter der Welt wollen sie erstens auch dort präsent sein, wo reiche Kunden zu finden sind. Der Ölwohlstand am Persischen Golf entfaltet da hohe Anziehungskräfte. „Wir denken, der Ölpreis wird hoch bleiben, das liefert genug Liquidität für ein weiter wachsendes Anlagegeschäft“, sagt beispielsweise Heinrich Baer, der bei der UBS das mehr als 30 Mrd. Euro große Segment für vermögende Privatkunden im Mittleren und Nahen Osten betreut. Die Credit Suisse hat mit ihrer Banklizenz in Doha ähnliches im Sinn: Im Visier hat die Bank sowohl vermögende Privat- als auch institutionelle Kunden. Sie begründet die Expansion mit dem stetig wachsenden Markt in der Golf-Region.

Der zweite Grund liegt in der Heimat. Die Schweizer Banken müssen sich langfristig nach Alternativen umsehen, falls das Bankgeheimnis im eigenen Land trotz gerade eingeführter Zinsabschlagssteuer weiter unter Druck gerät. UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel drückte es kürzlich im Handelsblatt diplomatisch aus: „Jeder neue regulatorische Schritt verstärkt die Tendenz.“

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