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10.04.2006

10:57 Uhr

Schweizer Banken wollen expandieren

Wettlauf in den Nahen Osten

VonOliver Stock

Unter den Schweizer Banken ist ein regelrechter Kampf um die besten Plätze im Nahen und Mittleren Osten entbrannt. Vor allem die UBS und Credit Suisse liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber auch die Bank Julius Bär mischt genauso mit wie die Bank Sarasin.

ZÜRICH. Besonders auffällig sind die Aktivitäten der Credit Suisse: Im Mai 2005 erhielt die Bank die Lizenz für Dubai, im November hatte sie Erfolg mit ihrem Antrag auf Börsenzulassung in Saudi-Arabien. Anfang März dieses Jahres teilte sie mit, jetzt auch eine Lizenz in den Händen zu erhalten, um in Katar eine Tochtergesellschaft aufzubauen. Vor drei Wochen schließlich wurde eine Credit-Suisse-Tochtergesellschaft im Libanon von den dortigen Behörden registriert. Beeindruckend ist auch die Liste der Konkurrenz: Die UBS unterhält Büros in Abu Dhabi, Bahrain, Dubai, Beirut und Kairo. Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich die Zahl ihrer Mitarbeiter im gesamten Nahen Osten auf 65 mehr als verdoppelt. Rund vier Mrd. Euro verwaltete die UBS zum Jahreswechsel von Kunden, die aus der Region „Nahost und Afrika“ stammen.

Mit ihrer Filiale in Dubai verfolge die kleinere Konkurrenz vom Bankhaus Bär die „Verankerung der Marke Bär in der Region“. Dort fokussiert man sich laut Tomas Meier, Chef der Abteilung Mittlerer Osten bei Julius Bär, auf eine sehr anspruchsvolle Klientel mit Vermögen um die zehn Mill. Dollar.

Die Gründe für das Engagement der Schweizer sind vielfältig: So dementiert zum Beispiel keine der befragten Banken, dass sich die politische Situation derzeit zu Gunsten der neutralen Eidgenossen entwickelt. US-Geldinstitute haben ein Problem, im Nahen und Mittleren Osten Fuß zu fassen, so lange die US-Regierung an den zahlreichen Konflikten dort beteiligt ist. Den Schweizern, die sich vor allem auf die Vermögensverwaltung spezialisieren, kommt diese Schwäche der US-Konkurrenz in einer Region zu Gute, in der sie mit 1,3 Bill. US-Dollar Privatvermögen und einem Wachstum von fünf Prozent im Jahr rechnen können.

Auf der anderen Seite werden sie mit offenen Armen empfangen, so lange in der wegen des hohen Ölpreises prosperierenden Region gleich drei Finanzzentren um die Führungsrolle buhlen. Bahrain mit seinem Financial Harbour (BFH), das Dubai International Financial Centre (DIFC) sowie das Qatar Financial Centre (QFC) heißen jeden seriösen Finanzdienstleistungs-Anbieter willkommen. In dem im Bau befindlichen BFH will die Regierung vom Jahr 2008 an Finanzdienstleistungen „unter einem Dach“ anbieten. Der BFH untersteht der Bahrain Monetary Agency und ist so in die bestehende Finanzmarktordnung integriert. Hier unterscheidet sich Bahrain von seinen benachbarten Konkurrenten, dem Emirat Dubai und dem Scheichtum Qatar. Letztere haben mit ihren Onshore-Finanzplätzen DIFC bzw. QFC ein neues Umfeld mit internationalen Regulierungsstandards geschaffen, analog zur britischen Financial Services Authority (FSA). Alle drei wollen Strukturen schaffen, um das Geld im Land zu halten, auch wenn der Ölpreis mal wieder sinken sollte.

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