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03.01.2013

19:41 Uhr

Schweizer Bankhaus

Wegelin bekennt sich in US-Steuerfall schuldig

Vor knapp einem Jahr hatten die US-Behörden das älteste Schweizer Bankhaus verklagt. Nun gibt die Bank Wegelin zu, Kundengelder in Milliardenhöhe am Fiskus vorbeigeschleust zu haben.

Das Bankhaus Wegelin & Co. in St. Gallen. dapd

Das Bankhaus Wegelin & Co. in St. Gallen.

New YorkDie in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagte Schweizer Traditionsbank Wegelin hat sich vor Gericht schuldig bekannt. In einer Anhörung vor Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan gab die Bank am Donnerstag zu, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, mindestens 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen. Ein Sprecher der Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Die US-Behörden hatten die älteste Schweizer Bank vor knapp einem Jahr verklagt. Die 1741 gegründete Privatbank hatte aus Furcht vor einer existenzbedrohenden Strafe den Großteil ihres Geschäfts an die Raiffeisen Bank verkauft.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Wegelin erklärte sich nun bereit, insgesamt 74 Millionen Dollar (56 Millionen Euro) an Strafe, Wiedergutmachung und Gewinnabschöpfung zu zahlen. Es sei das erste Mal, dass eine ausländische Bank wegen eines derartigen Steuervergehens in den USA belangt würde, erklärte die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan. Die Übereinkunft muss aber noch von einem Richter abgesegnet werden. Ein Termin ist für den 4. März angesetzt.

Neben Wegelin haben die Amerikaner weitere rund zehn Schweizer Banken im Visier, darunter Credit Suisse und Julius Bär sowie die Kantonalbanken von Zürich und Basel. Die Aktionen gegen Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS.

Dieses Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab. Andere Schweizer Banken, darunter auch Wegelin, übernahmen dann von UBS amerikanische Kunden.

Kommentare (7)

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03.01.2013, 19:48 Uhr

Es scheint daß die Schweitzer Banken vor der USA kuschen. Beim deutschen Staat spielen sie ja den großen Mann und haben kein Unrechtsbewußtsein. Wir sollten aus Deutschland bzw. die ganze EU im Rücken den Eidgenossen zeigen was Recht und Ordnung ist.

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03.01.2013, 20:23 Uhr

@wahrheit29

Herr Dr. Hummler hat als Gechäftsführer der Bank Wegelin die Amis ganz schön an der Nase herumgeführt. Das war einfach genial. Als die USA die Bank verklagten, hat er allen Kunden geraten die Depots & Konten bei Wegelin zu schliessen und bei der Notenstein www.notenstein.ch wieder zu eröffnen. Damit war die Wegelin Bank nur noch eine leere Hülle ohne Kunden und operatives Geschäft. Jetzt führen die USA eine Klage gegen einen Papiertiger und deshalb fällt die Strafe relativ gering aus, damit sie überhaupt noch etwas kriegen. Eigenlich wollten die USA ja die Kundendaten, die haben sie aber immer noch nicht. *hihi. Jetzt zahlt die Wegeling die Strafe und danach werden die Kunden sicherlich wieder von der Notenstein zurück zur Wegelin gebracht. Damit hätte die älteste Privatbank der Schweiz auch diese Attacke der wildgewordenen Amerikaner überstanden. Einfach genial! So muss man mit den US Behörden umspringen. Ich hoffe nur, das Sankt Gallen jetzt nicht noch bombardiert wird.

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03.01.2013, 20:32 Uhr

@wahrheit29

Es gibt ein ganz einfaches Mittel der Bundesrepublik Deutschland die Steuerflucht zu bekämpfen. Dieses Mittel heisst "Steuersenkungen". Aber das kapiert ihr aus der Zone ja nicht. Steuer- und Kapitalflucht aus einem unersättlichen (Sozial)staat, der die Steuergelder aus dem Fenster wirft anstatt zu sparen, ist ein Akt der Notwehr und aktiver Widerstand gegen die EU Diktatur.

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