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21.08.2015

14:09 Uhr

Schweizer Datenskandal

Ein Maulwurf in der Falle

In der Schweiz macht ein Spionage-Thriller an diesem Freitag Schlagzeilen. Laut Medienberichten hat ein ehemaliger UBS-Sicherheitsmann und Agent Daten anderer Banken verkauft. Einige Spuren führen auch nach Deutschland.

Ein Ex-UBS Sicherheitsmann soll sensible Daten nach Deutschland verkauft haben. Imago

Maulwurf

Ein Ex-UBS Sicherheitsmann soll sensible Daten nach Deutschland verkauft haben.

ZürichDie Story, die heute die Schweizer Medien aufmischt, hat alles, was es für einen guten Spionage-Thriller braucht: Einen Ex-Sicherheitsmann einer Großbank und Ex-Geheimdienstler mit Zugang zu empfindlichen Daten, dubiose Auftraggeber aus dem Ausland, zweifelhafte Informationen – und zu guter Letzt eine Strafanzeige, die es in sich hat. Was ist da los in der Eidgenossenschaft?

Alles dreht sich um Peter K., der bis 2010 in der UBS-Sicherheitsabteilung gearbeitet hat – und damit die Geheimnisse von Banken kannte. Zuvor war der Schweizer 16 Jahre lang Fahnder bei der Zürcher Polizei als Spezialist für organisierte Kriminalität. Laut den Berichten habe Peter K. auch für den Schweizer Geheimdienst NDB als Informant gearbeitet.

Dieser Peter K. soll nun, wie der Schweizer „Tages-Anzeiger“ und das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ am Freitag berichten, einem deutschen Journalisten, der früher für den Bundesnachrichten-Dienst (BND) tätig war, im vergangenen September gegen Geld die Liste von 7.000 Kunden der russischen Gazprom-Bank besorgt haben.

Später habe der Daten-Spion dem Journalisten auch die Kunden-Daten des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning angeboten – für 140.000 Euro. Die dann gelieferten Kontoauszüge stellten sich allerdings als gefälscht heraus. Daher soll Hanning Strafanzeige gestellt haben.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Laut den Zeitungsberichten wurde Peter K. bei einem Treffen mit einem Mittelsmann am 2. Februar im Zürcher Hotel Savoy Baur en Ville verhaftet. Auf die Spur gebracht hatte die Ermittler die UBS. Laut den Informationen hat die Schweizer Großbank am 12. Januar Strafanzeige gestellt und ein umfangreiches Dossier beigefügt. Die UBS wollte den Fall auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Fakten präsentieren sich bislang noch wirr, nicht alle Zusammenhänge sind klar. Warum etwa soll ein deutscher Journalist Interesse an Kundendaten der russischen Gazprom-Bank haben? Und auch die Art und Weise, wie die Ermittler auf die Spur des Daten-Diebs gekommen sein sollen, klingt schillernd.

Kommentare (2)

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Herr Renatus Isenberg

21.08.2015, 13:11 Uhr

Natürlich gibt es immer Geheimnis Verrat aufgrund von Gier. In den wenigsten Fällen ist bei Geheimnisverrat Idealismus im Spiel, einen Staat oder eine Organisation zu schützen, wie auch bei den Steuer CDs geschehen , die an Deutschland verkauft wurden.
Für den Staat und für Unternehmen ist die ewige Frage: wie sicher, wie zuverlässig ist ein Mitarbeiter, ein Bewerber für eine wichtige Position. Heute sagte man im Deutschlandfunk in einer Diskussionsrunde, dass der traditionelle Familienstatus - also verheiratet mit Kindern - für wichtige Positionen überhaupt nicht mehr zählt. Das ist sicher ein Grund, warum Unzuverlässigkeit nicht mehr im Vorfeld einer Auswahl für Kandidaten zu einem gewissen Grad ausgelotet werden kann..

Ein Mann in einer wichtigen Position wird sich hüten, einen Familienskandal loszutreten. Mit einer Familie ist der Freundes- und Kollegenkreis grösser und abhängiger, da die Ehefrau eine feste Grösse in der Verankerung in der Gesellschaft spielt. Es ist eine Illusion zu glauben, dass eine Ehe unfreier macht als beliebige Beziehungen. Eine traditionelle Famile ist mehr förderlich für eine berufliche Anerkennung, und damit auch für einen Arbeitgeber von sensiblen Einsätzen eine zusätzliche (wenn auch nicht 100%) Sicherheit.

Herr Manfred Zimmer

21.08.2015, 13:36 Uhr

Wenn nach diesem Artikel eines klar wird, dann dies:

Die Hehler sind vor Gier so blind, dass ihnen alles zugeschrieben werden kann.

Wer ist in der Vergangenheit als Hehler aufgetreten?
Eins, zwei, drei - wissen Sie's? Ich auch!

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