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20.09.2011

13:34 Uhr

Schweizer Großbank

Rivalen ködern Star-Banker der UBS

Angesichts des Handelsskandals bei der UBS könnten Boni gering ausfallen oder ganz ausbleiben. Konkurrenten nutzen die Situation, um Fusionsberater und Aktienspezialisten von der Schweizer Großbank abzuwerben.

Schweizer Großbank: Nach dem Handelsskandal dürften einige Firmen ein Auge auf das UBS-Personal geworfen haben. AFP

Schweizer Großbank: Nach dem Handelsskandal dürften einige Firmen ein Auge auf das UBS-Personal geworfen haben.

LondonDer UBS droht ein weiterer Aderlass ihrer besten Investmentbanker. Angesichts des Handelsskandals und der Aussicht auf geringe oder ganz ausbleibende Boni ist die Moral bei der Schweizer Großbank angeschlagen. Konkurrenten und aufstrebende Investmentbanken dürften Brachenexperten zufolge versuchen, Fusionsberater und Aktienspezialisten von der Schweizer Großbank abzuwerben.

„Andere Banken kreisen wie Geier über der UBS“, sagte ein Headhunter. „Der Gewinn ist stark zurückgegangen und dies wird die Boni beeinflussen. Leute werden gehen, daran gibt es keinen Zweifel.“ Zwei Brancheninsider in London sagten zu Reuters, dass ihre Firmen UBS-Banker angehen werden. Die Banken dürften versuchen, sich vor allem mit gut vernetztem UBS-Personal zu verstärken.

UBS-Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter versucht seit dem Ausbruch des Skandals dagegenzuhalten. Er versicherte seinen Mitarbeitern, dass uns „die Kunden mit Unterstützungsbekundungen überschwemmen.“ Der Deutsche forderte seine Leute auf, „hart zu arbeiten und das Momentum aufrecht zu erhalten.“ Alle seien „frustriert und wütend“.

Die UBS-Mitarbeiter dürften bereits in den kommenden Wochen angesprochen werden. Headhuntern zufolge ist aber unwahrscheinlich, dass sie vor Anfang nächsten Jahres wirklich wechseln. Denn die Banken wollen vermeiden, den UBS-Mitarbeitern die Boni zu erstatten, die ihnen ansonsten bei der Schweizer Bank zustünden.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Angesichts von Wirtschaftsabschwung, Finanzkrise und verstärkter Regulierung sind die globalen Banken Schätzungen zufolge gegenwärtig dabei, über 100.000 Stellen abzubauen. Entsprechend sind Neuanstellungen auf breiter Front unwahrscheinlich. Aber die Chance, erfolgreiche UBS-Banker anzulocken, dürften sich viele andere Häuser nicht entgehen lassen. Jüngst - noch vor dem Handelsskandal - hatten mehrere Chefs von Investmentbanken zu Reuters gesagt, dass sie immer Platz für „selektive Neuanstellungen“ hätten.

In den vergangenen Monaten hatten Institute wie Bank of America Merrill Lynch und Citi bereits verschiedene prominente UBS-Mitarbeiter abgeworben. „Andere Banken führten brutale Raubzüge gegen die UBS“, erklärte ein Personalberater. „Obwohl die UBS immer noch eine starke Kultur hat, haben sie ihre Schwäche gespürt.“ So konnte Bank of America Matthew Koder gewinnen, der bei UBS das weltweite Kapitalmarktgeschäft leitete. Die beiden Leiter des Bereichs Firmenübernahmen gingen zu Citi und zur Boutique Moelis. In den USA verlor die UBS über 15 erfahrene Übernahmespezialisten.

Zu den Firmen, die ein Auge auf das UBS-Personal werfen dürften, gehört die japanische Nomura . Mögliche Ziele sind neu ernannte Divisionsleiter wie James Hartop, Nick Reid, Simon Warshaw oder Francois Gouws. Aber es dürfte schwierig werden, langjährige Mitarbeiter wie Warshaw and Gouws zum Abspringen zu bewegen. „Das Investmentbanking der UBS ist nicht zerstört“, sagte ein Headhunter. „Einige der Veteranen haben zwar einen Preis, aber sie fühlen sich der UBS verpflichtet.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.09.2011, 14:59 Uhr

Ja und, wo ist das Problem ??? So etwas nennt man Marktwirtschaft. Fertig aus !!!

Account gelöscht!

20.09.2011, 16:34 Uhr

Problem? Ich würde eher sagen "Problem gelöst"! Für mich ist bis heute noch nicht klar wie man Angestellten, die für die größten Verlusten des Unternehmens überhaupt, Boni zahlen kann ...

Naja manche lernen wohl nur durch Schmerzen ...

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