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10.04.2013

20:16 Uhr

Schweizer Großunternehmen

Aktionäre der Bär Bank stimmen gegen Managergehälter

Das gab es noch nicht: In der Schweiz haben sich die Aktionäre der Bär Bank gegen die hohen Löhne ihrer Manager gewandt. Fast zwei Drittel lehnen den Vergütungsbericht ab. Doch das Votum ist nicht bindend.

ast zwei Drittel der Eigentümer von Julius Bär stimmten am Mittwoch auf der Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht der Privatbank. Reuters

ast zwei Drittel der Eigentümer von Julius Bär stimmten am Mittwoch auf der Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht der Privatbank.

ZürichIn der Schweiz haben sich erstmals Aktionäre eines Großunternehmens gegen die hohen Löhne der Top-Manager ausgesprochen. Fast zwei Drittel der Eigentümer von Julius Bär stimmten am Mittwoch auf der Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht der Privatbank. Unmittelbare Folgen hat das nicht: Das Votum ist nicht bindend, die Manager haben die Millionen bereits in der Tasche. Top-Verdiener ist Konzernchef Boris Collardi. Mit einer Gesamtvergütung von 6,68 Millionen Franken war Collardi 2012 die Nummer elf auf der Liste der am besten bezahlten Schweizer Unternehmenslenker.

In den vergangenen Jahren wurden hohe Boni für Schweizer Manager auf Aktionärsversammlungen immer wieder heiß diskutiert. Bisher blieb es aber bei Warnschüssen wie auf der UBS -Generalversammlung vor einem Jahr. Damals stimmten mehr als ein Drittel der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht, der auch eine Antrittszahlung von vier Millionen Franken für Präsident Axel Weber einschloss.

Die Schlappe für das Bär-Managements ist Ausdruck des wachsenden Widerstandes selbst internationaler Großanleger gegen zu großzügige Management-Entlohnungen. Mit einem Anteil von zehn Prozent ist die Bostoner MFS Investment Management der größte Aktionär der Schweizer Traditionsbank. Auch die übrigen sechs Investoren mit einem Anteil von mindestens drei Prozent stammen aus den USA.

Ausschlaggebend für die deutlich Ablehnung dürfte die Empfehlung des einflussreichen US-Aktionärsberater ISS gewesen sein. ISS empfahl die Ablehnung des Vergütungsberichts, weil die Boni nicht begrenzt sind und Vergütungen in Aktien weniger als drei Jahre gesperrt sind. ISS störte sich zudem ebenso wie die Schweizer Aktionärsgruppe Actares an der Sonderprämie von 800.000 Franken, die Collardi für die noch laufende Integration des von Merrill Lynch übernommenen Vermögensverwaltungsgeschäfts zugesprochen wurde. Üblicherweise werden solche Prämien Experten zufolge nämlich nicht einfach ausgezahlt, sondern an den zukünftigen Erfolg der Übernahme geknüpft. Mit Ethos sprach sich eine weitere prominente Schweizer Aktionärsgruppe gegen den Bär-Vergütungsbericht aus.

Das Aufsichtsgremium von Bär will aus der Schlappe Lehren ziehen: "Der Verwaltungsrat wird geeignete Maßnahmen treffen, um an der nächsten Generalversammlung ein positives Abstimmungsergebnis zu ermöglichen", erklärte das Traditionsinstitut nach der Abstimmung.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Im nächsten oder spätestens übernächsten Jahr haben die Schweizer Unternehmen bei den Manager-Vergütungen aber ohnehin deutlich weniger Spielraum. Im März stimmten gut zwei Drittel der Schweizer Wähler für die sogenannte "Abzocker-Initiative". Künftig müssen die Aktionäre börsennotierter Unternehmen jedes Jahr bindend über die Vergütung von Verwaltungsräten und Geschäftsführung abstimmen. Antritts- und Abgangszahlungen werden verboten. Bisher wurden die Managerlöhne von den Verwaltungsräten festgelegt. Dass die "Abzocker-Initiative" eine so große Mehrheit fand, war nicht zuletzt der Kontroverse um eine Abgangszahlung für den scheidenden Novartis-Präsidenten Daniel Vasella zuzuschreiben. Dass Vasella 72 Millionen Franken erhalten sollte, hatte in der Öffentlichkeit einen Aufschrei ausgelöst - Vasella verzichtete schließlich auf das Geld.

Von

rtr

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