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01.02.2016

12:36 Uhr

Schweizer Privatbank

Julius Bär plant Negativ-Zinsen für Euro-Konten

Wegen teurer Strafen in den USA schmilzt der Gewinn im Jahr 2015. Nun will Julius Bär die Kosten auf Einlagen bei der EZB teilweise an seine Kunden weitergeben. Analysten sind skeptisch.

Ein teures US-Steuerverfahren vermiest der Schweizer Privatbank die Bilanz. Reuters

Julius Bär

Ein teures US-Steuerverfahren vermiest der Schweizer Privatbank die Bilanz.

ZürichDie Schweizer Privatbank Julius Bär plant, Negativ-Zinsen für auf Euro lautende Sichteinlagen einzuführen. Das erklärte Finanzchef Dieter A. Enkelmann in Zürich bei der Ergebnispräsentation der Bank. „Wir erwägen das und würden dies wohl zuerst bei institutionellen Kunden einführen und dann in einem zweiten Schritt bei Privatkunden“, so Enkelmann.

Die Bank reagiert damit auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Banken müssen auf bei der EZB geparkte Gelder einen Strafzins von derzeit 0,3 Prozent zahlen. „Viele Banken erwägen daher, Negativzinsen einzuführen“, sagte Enkelmann am Rande der Präsentation. Derzeit hätten Kunden rund zwölf Milliarden Euro als Sichtguthaben auf Konten der Bank liegen.

Interessanterweise verlangt Julius Bär nach eigenen Angaben keine Negativ-Zinsen auf Guthaben von Privatkunden in Schweizer Franken – und das, obwohl der Strafzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit minus 0,75 Prozent viel höher ist.

Das erklärte Enkelmann damit, dass es Freibeträge bei der SNB gibt, ab der der Strafzins greift. Dieser liegt beim Zwanzigfachen der Mindestreserve. Dabei handelt es sich um den Betrag, den Banken mindestens von den Giroguthaben ihrer Kunden bei der Notenbank halten müssen. Dank des Freibetrages seien die Kosten für Negativzinsen verkraftbar, so Enkelmann.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Julius Bärs Jahresgewinn wurde von einer teuren Strafzahlung in einem Steuerstreit mit den USA belastet. Die US-Buße betrug 547 Millionen Dollar. Der Nettogewinn fiel deshalb um zwei Drittel und betrug noch 122,5 Millionen Franken. Der operative Gewinn stieg dagegen um 5,8 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis war vor allem von einer Ausdehnung des Kreditgeschäfts getrieben.

Mit der Gewissheit über das Strafausmaß stellt Bär den Aktionären nun steigende Dividenden in Aussicht: Sie sollen künftig 40 Prozent des bereinigten Konzerngewinns bekommen. „Sofern nicht wichtige Umstände dagegensprechen, sollte die ordentliche Dividende pro Aktie mindestens dem entsprechenden Betrag des Vorjahres entsprechen“, erklärte die Bank. Zudem wolle Bär „falls gerechtfertigt“ Sonderdividenden oder einen Aktienrückkauf ins Auge fassen. Für das vergangene Jahr plant Bär eine um 10 Rappen höhere Dividende von 1,10 Franken.

Der Zuwachs an Kundengeldern war erneut durch Zukäufe gestützt. Insgesamt flossen 12 Milliarden Franken neuer Kundengelder zu Julius Bär, das entspricht einer Wachstumsrate von rund vier Prozent und lag damit im Zielbereich von vier bis sechs Prozent.

7,4 Milliarden Franken dieser Neugelder stammen indes aus Zukäufen wie dem Schweizer Geschäft der Bank Leumi. Ohne Zukäufe errechnet sich eine Wachstumsrate von 1,6 Prozent – deutlich unterhalb des Zielbandes. Angesichts der weiter laufenden Nachdeklarierung von früheren Schwarzgeldern und entsprechenden Abflüssen für Steuernachzahlungen zeigte sich Bank-Chef Boris Collardi aber mit dem Wachstum zufrieden.

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