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01.02.2013

16:46 Uhr

Schwieriges Jahr

Barclays-Chef Jenkins verzichtet auf Bonus

Antony Jenkins leitet erst seit August die Geschäfte von Barclays. Trotzdem sieht er sich in der Verantwortung für das schwierige Jahr der Großbank – und zieht seine Konsequenzen.

Er ist erst seit August im Amt, arbeitet aber schon fleißig am Imagewechsel seiner Bank: Barclays-Chef Antony Jenkins will auf seinen Bonus für 2012 verzichten. AFP

Er ist erst seit August im Amt, arbeitet aber schon fleißig am Imagewechsel seiner Bank: Barclays-Chef Antony Jenkins will auf seinen Bonus für 2012 verzichten.

LondonBarclays-Chef Antony Jenkins setzt beim ausgerufenen Kulturwandel in der Finanzbranche ein Zeichen und verzichtet auf seinen Bonus für 2012. Es sei ein schwieriges Jahr für Barclays gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der britischen Großbank am Freitag. „Ich denke, es ist richtig, dass ich eine gewisse Verantwortung dafür übernehme.“ Zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro hätte dem Manager ein Bonus von bis zu 3,2 Millionen Euro zugestanden.

Jenkins hatte im August das Ruder von Bob Diamond übernommen, der wegen der Affäre um Zinsmanipulationen seinen Hut nehmen musste. Das Geldhaus musste wegen der Verwicklung in den Skandal rund eine halbe Milliarde Dollar Strafe zahlen. Jenkins, der aus dem Privatkundengeschäft und nicht aus dem Investmentbanking kommt, will das ramponierte Image der Bank nun wieder aufpolieren. Mit seinen markigen Sprüchen gilt er für viele als Vorreiter für einen Kulturwandel, den sich zahlreiche Institute auf die Fahne geschrieben haben.

Mitte Januar hatte Jenkins seinen Mitarbeitern nahegelegt, die Bank zu verlassen, falls sie beim Kulturwandel nicht mitziehen wollen. „Ihr werdet euch bei Barclays nicht wohlfühlen, und, um ehrlich zu sein, wir würden uns nicht wohlfühlen, wenn ihr weiter unsere Kollegen seid.“ Ähnlich äußerte sich am Donnerstag in Frankfurt auch Deutsche-Bank -Co-Chef Jürgen Fitschen. Von einem Bonusverzicht ist beim größten deutschen Geldhaus, gegen das im Zinsskandal ebenfalls ermittelt wird, allerdings bisher nicht die Rede.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Bei der Deutschen Bank schrumpfte der Bonus-Pool für 2012 um zwölf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro – den Löwenanteil davon streichen die Investmentbanker ein. Da auch die Zahl der Mitarbeiter gesunken ist, dürften die meisten Banker unter dem Strich allerdings nicht schlechter wegkommen als im Vorjahr.

Von ihren Boni für 2012 sollen die Mitarbeiter der Deutschen Bank in diesem Jahr maximal ausgezahlt bekommen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person am Freitag zu Reuters. Diese Grenze gelte auch für den Vorstand. Bei diesen und mehr als 1000 weiteren Top-Managern wird zudem die Hälfte der Prämien in Aktien ausgezahlt, womit sich der maximal ausbezahlte Bargeld-Anteil an den Boni auf 150.000 Euro beläuft. Die Mitarbeiter sollten in den nächsten Tagen informiert werden. Die Deutsche Bank wollte sich zur Bonusschranke nicht äußern.

Im Vorjahr lag die Obergrenze für die Auszahlung von Boni bei der Deutschen Bank bei 200.000 Euro. Sie wurde nun auf Anregung einer externen Expertenkommission auf 300.000 Euro angehoben. Das Gremium, das von Ex-BASF -Chef Jürgen Hambrecht geleitet wird, hat empfohlen, die erst in den Folgejahren zu bezahlende Vergütung herunterzufahren, weil das Institut damit hohe finanzielle Belastungen für die kommenden Jahre anhäuft. Die Bank senkte den Anteil der verzögerten Vergütung deshalb gegenüber 2011 von 61 auf 47 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.02.2013, 13:27 Uhr

Barclays-Chef Jenkins verzichtet auf Bonus
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Und die Deutsdche Bank erhöht die Bonuszahlungen auf 300.000€

"Im Vorjahr lag die Obergrenze für die Auszahlung von Boni bei der Deutschen Bank bei 200.000 Euro. Sie wurde nun auf Anregung einer externen Expertenkommission auf 300.000 Euro angehoben."

Und das, obwohl die Deutsche Bank 2012 Verluste geschrieben hat. Aber "Minderleistung" muß sich eben lohnen!

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