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20.10.2015

10:39 Uhr

Sechs Milliarden Dollar falsch überwiesen

Deutsche-Bank-Irrtum zu Ihren Gunsten

VonKatharina Slodczyk

Ein milliardenschwerer Vertipper? Die Deutsche Bank hat versehentlich sechs Milliarden Dollar auf das Konto eines Hedgefonds überwiesen. Die Schuld bekommt ein „recht neuer Kollege“. Auch andere Banken machen Fehler.

Keine Warnlampen gingen bei der Sechs-Milliarden-Überweisung an – ein Problem für das Risikomanagement der Bank? dpa

Deutsche Bank

Keine Warnlampen gingen bei der Sechs-Milliarden-Überweisung an – ein Problem für das Risikomanagement der Bank?

LondonEine falsche Eingabe im Computer, ein Vertipper – es kommt immer wieder mal in der Finanzbranche vor, was Fachleute das „Fat-Finger-Problem“ nennen. Doch in dieser Größenordnung, wie es im Juni offenbar bei der Deutschen Bank passierte, ist es wohl eher selten: Sechs Milliarden Dollar (umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro) hat ein Mitarbeiter im Londoner Devisenhandel auf das Konto eines US-Hedgefonds überwiesen, wie es aus Finanzkreisen verlautete, die damit einen Bericht der „Financial Times“ bestätigten.

Es sei ein recht neuer Kollege gewesen, dem der Fehler passierte. Sein Chef sei in dieser Zeit im Urlaub gewesen, heißt es weiter aus Kreisen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Die Bank hat das Geld zwar wiederbekommen, doch es bleiben einige offene Fragen – allen voran: Wie konnte es dazu kommen, wo doch eigentlich in solchen Fällen das Vier-Augen-Prinzip gelten soll?

Der Deutsche-Bank-Vorstand

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.

Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.

John Cryan

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Quintin Price

Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.

Christian Sewing

Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

Jeff Urwin

Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Der Vorfall wirft ein ungünstiges Licht auf die Kontrollsysteme des Geldhauses und darauf, wie streng sie eingehalten werden. Das Problem verlängert zudem die Liste der Baustellen für den neuen Co-Chef der Bank John Cryan, der seit Juli gemeinsam mit Jürgen Fitschen an der Spitze steht. Ab Mai nächsten Jahres wird Cryan die alleinige Führung übernehmen.

Erst am Sonntag hat er einen radikalen Umbau der Bank in die Wege geleitet. Geschäftsbereiche werden anders zugeschnitten, Führungsposten neu besetzt. Cryan will das Institut, das mit schrumpfenden Gewinnen kämpft und mit teuren Altlasten, aus der Krise führen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

20.10.2015, 11:38 Uhr

Der Grundfehler liegt daran, dass ein " Junior-Trader " überhaupt nicht die Kompetenz hat bzw. habend dürfte, eine derartige Transaktion durchzuführen. Aber grundsätzlich sind 10-stellige Geschäftsabschlüsse im FX nichts ungewöhnliches.

Account gelöscht!

20.10.2015, 11:49 Uhr

Der Grundfehler liegt darin/an, dass ein " Junior-Trader " überhaupt nicht die Kompetenz hat bzw. haben dürfte, eine derartige Transaktion durchzuführen. Aber grundsätzlich sind 10-stellige Geschäftsabschlüsse im FX nichts ungewöhnliches. Da geht es im Prinzip erst ab 9-stellig richtig los, um die 4 stelle nach dem Komma ertragreich zu handeln.

Herr Heinz Keizer

20.10.2015, 12:02 Uhr

Sind doch nur "Peanuts".

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