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07.03.2006

18:15 Uhr

Serie: Die ältesten Banken der Welt

Die Macht in Siena

VonKatharina Kort

Sie hätte Christoph Columbus finanzieren können. So alt ist die toskanische Bank Monte dei Paschi di Siena – sie wurde 1472 gegründet. Sie hat noch nie Verluste gemacht und ihre Selbstständigkeit bewahrt. Ein Handelsblatt-Porträt der ältesten Bank der Welt.

Wenn Sie das mittelalterliche Gebäude der ältesten Bank der Welt genauer unter die Lupe nehmen wollen, klicken Sie auf das Pluszeichen!

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SIENA. In ihren Anfangsjahren finanzierte Monte dei Paschi als Leihanstalt vor allem die Schaf-Weiden der toskanischen Maremma-Ebene, die damals zur Republik Siena gehörten; „Paschi“ ist ein altes italienisches Wort für „Weiden“. Anfangs hieß die Bank aber noch „Monte di Pietà“ und verstand sich als karitative Veranstaltung: In der Gründungsurkunde vom 4. März 1472 steht, dass das Institut den schwächsten Klassen der Bevölkerung helfen soll.

Noch immer thront das majestätische Gebäude, die Burg Rocca Salimbeni, mit ihren verzierten Bogenfenstern im Herzen der mittelalterlichen Stadt Siena. Und noch immer hat die älteste noch existierende Bank ihre Selbstständigkeit bewahrt, wenn sie auch heute an der Börse in Mailand notiert ist.

Hier in Siena, der Stadt inmitten der zypressengesäumten Hügel der Toskana, ist die Monte dei Paschi noch heute die Hausmacht. Es gebe keine Familie, die nicht mindestens einen Verwandten bei der Traditionsbank habe, wird in der Stadt gescherzt.

Den Höhepunkt der Macht erreichte die Bank im 17. Jahrhundert, als sie zur Judikative ermächtigt wurde: Sie musste nicht einmal mehr vor Gericht ziehen, sondern durfte in Fällen, die die Bank betrafen, selbst die Rolle des Richters übernehmen. Sogar ein Todesurteil hat Monte dei Paschi in eigener Sache erlassen: gegen den Kassierer Armenio Melari, der sich großzügig selbst bedient hat. Nachdem er die Bank nicht von seinen guten Gründen für den Raub überzeugen konnten - „Ich habe elf Kinder, sieben davon Mädchen!“ – flüchtete er in ein Kloster und genoss damit Asyl. In Siena hatte man eine einfache Erklärung für das Fehlverhalten: Der Kassierer war ein Florentiner, geboren in der verhassten Nachbarstadt.

Im 17. Jahrhundert bauten die geschäftstüchtigen Sienesen ihr Geschäft aus. In den Archiven findet sich zum Beispiel ein Wechsel vom 4. November 1650, den die Bank für einen Geschäftsreisenden ausgestellt hat, der auf dem Weg nach Novi-Ligure war – damals mehrere Tagesreisen entfernt – und kein Bargeld mitnehmen wollte. Bei den Handelsreisenden kam der Bank die geografische Lage der Stadt zu Gute. Denn wer früher von Rom nach Norden – etwa nach Frankreich – wollte, musste stets durch Siena reisen. Vielleicht ist das mit ein Grund für den Erfolg der Bank mit den drei Hügeln von Siena im Wappen, die in ihrer langen Geschichte noch nie einen Verlust geschrieben hat.

Wenn die Kunden ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten, kassierte die Bank die Sicherheiten in Form von Unternehmensbeteiligungen und Weingütern ein. Und so stieg die Wirtschaftsmacht der Monte dei Paschi weiter. Bei der Einigung Italiens im Jahr 1861 war die Bank daher eines der größten und solidesten Kreditinstitute des Landes.

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