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03.04.2014

11:56 Uhr

Siegerin der Landesbanken

Helaba profitiert von West-LB-Übernahme

Die West LB hatte nach dem Kollaps der Finanzmärkte große Probleme, deshalb wurde sie 2012 zerschlagen. Ein Profiteur ist die Hessische Landesbank, im Jahr 2013 wuchs ihr Geschäft dank neuer Kunden enorm an.

Imposant zeigt sich nicht nur die Fassade der HelaBa in Frankfurt – die Hessen sind nach der Übernahme von West LB-Teilen auch finanziell Spitze unter den Landesbanken. dpa

Imposant zeigt sich nicht nur die Fassade der HelaBa in Frankfurt – die Hessen sind nach der Übernahme von West LB-Teilen auch finanziell Spitze unter den Landesbanken.

FrankfurtFür die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zahlt sich die Übernahme von Teilen der zerschlagenen West LB zunehmend aus. Die Helaba baute ihren Gewinn im vergangenen Jahr um elf Prozent 354 Millionen Euro aus und fuhr damit 2013 den höchsten Überschuss aller Landesbanken ein. Zudem hat die Bank seit 2011 einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag als zusätzlichen Risikopuffer zurückgelegt. Die Kernkapitalquote stieg im vergangenen Jahr um 1,6 Prozentpunkte auf 12,8 Prozent. Das Frankfurter Geldhaus fühle sich damit für den Gesundheitscheck der europäischen Aufsichtsbehörden „gut vorbereitet und gut aufgestellt“, erklärte die Helaba am Donnerstag.

Die Bank profitierte im vergangenen Jahr von ihrem gewachsenen Einflussbereich – die Helaba ist nach der Übernahme von Teilen der West LB 2012 als Zentralbank für rund 40 Prozent aller Sparkassen in Deutschland zuständig. Zudem gewann sie im Zahlungsverkehr große Kunden in Nordrhein-Westfalen und übernahm die florierende Zertifikate-Plattform der Düsseldorfer Bank. Zudem verlieh der Helaba – wie den Konkurrenten Aareal Bank und Pfandbriefbank – das brummende Geschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung Rückenwind.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba kann damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Belastet wurde das Ergebnis dagegen durch eine höhere Risikovorsorge im Kreditgeschäft sowie gestiegene Verwaltungsaufwendungen. Das Handelsergebnis lag mit 339 Millionen Euro zwar über den Planungen der Helaba, fiel jedoch deutlich geringer aus als 2012, als die Märkte stark von der Entspannung der Euro-Schuldenkrise profitierten. Der Vorsteuergewinn fiel somit auf 510 Millionen Euro und lag damit zwei Millionen Euro unter dem Rekordniveau des Vorjahres.

Das erste Quartal 2014 sei insgesamt gut gelaufen, sagte Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner. Er erwartet im laufenden Jahr stabile Erträge, das Konzernergebnis werde aber unter dem Niveau von 2013 liegen. Dies liege an den steigenden Belastungen durch die Umsetzung regulatorischer Anforderungen sowie an den niedrigen Zinsen. Zudem rechnet Brenner damit, dass der Rückenwind an den Kapitalmärkten 2014 weiter nachlassen wird.

Von

rtr

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