Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2004

11:40 Uhr

Skandal um den italienischen Lebensmittelriesen

UBS-Büro von Parmalat-Ermittlern durchsucht

Der Fall Parmalat hält die Finanzwelt weiter in Atem. Heute wurden im Zusammenhang mit dem Skandal die Mailänder Geschäftsräume des Schweizer Finanzkonzerns UBS von der Finanzpolizei durchsucht.

HB MAILAND. Ein UBS-Sprecher in Zürich erklärte am Freitagmittag, UBS bestätige, dass italienische Ermittlungsbeamte wie erwartet die UBS-Büros in Mailand im Zusammenhang mit den Parmalat-Ermittlungen aufgesucht hätten. „Wir kooperieren voll (mit den Behörden),“ erklärte er weiter. Weitere Erläuterungen wollte er nicht geben.

Mit den Untersuchungen bei UBS erhöht sich die Zahl der Institutionen, bei denen die italienischen Untersuchungsbehörden vorstellig geworden sind, auf zehn. Darunter befinden sich ausländische Adressen wie Bank of America, Morgan Stanley, Deutsche Bank und die zu Citigroup gehörende Eureka.

Beim italienischen Lebensmittelriesen Parmalat war im Dezember ein milliardenschwerer Bilanzskandal aufgedeckt worden. In den Bilanzen klaffen Löcher, die sich nach Angaben des italienischen Industrieministers Antonio Marzano auf 14,5 Mrd. € summieren.

Die Behörden interessiert unter anderem, wie viel Banken vom desolaten Zustand des Konzerns wussten. Zudem geht es um die Frage einer milliardenschweren Anleihe-Emission. Anfang Januar erklärte UBS, sie habe im Juli 2003 Parmalat-Anleihen im Wert von 420 Mill. € gekauft. Diese Anleihen seien aber nicht bei Anlegern platziert worden. Das mit für UBS verbundene Risiko sei im Markt abgesichert worden. UBS habe kein materielles Kreditrisiko gegenüber dem italienischen Konzern.

Von dem in Frage stehenden Betrag sind neueren Prüfberichten zufolge 130 Mill. € direkt an die Firma geflossen. 290 Mill. € seien dazu benutzt worden, Parmalat-verbundene Anleihen zu kaufen, die von Banco Totta emittiert worden waren. Der Banco Totta ist die portugiesische Tochter der spanischen Grossbank Santander Central Hispano.

Mitte Januar hiess es bei Londoner Quellen, UBS habe in den neunziger Jahren dem früheren Parmalat-Chef, Calisto Tanzi, einen persönlichen Kredit von 103 Mill. € gegeben. Der Kredit sei, so hiess es damals in den mit dem Sachverhalt vertrauten Kreisen weiter, 1996 an die Gesellschaft La Coloniale vergeben und 1999 voll zurückgezahlt worden. Bei La Coloniale handle es sich um eine Gesellschaft im Besitz der Tanzi-Familie. Der Kredit sei im gleichen Jahr gesprochen worden, in dem UBS eine Anleihe über 103 Mill. € für Parmalat übernommen habe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×