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22.02.2012

20:41 Uhr

Skandal um Libor-Zinssatz

Ex-Citigroup-Händler im Fokus der Ermittlungen

Viele Finanzprodukte orientieren sich am Interbankenzins Libor. Über Jahre hinweg soll dieser von Banken zu ihren Gunsten mal nach oben, mal nach unten manipuliert worden sein. Ein Händler steht im Fokus der Ermittlung.

Blick ins Londoner Bankenviertel. Der Libor wurde von Instituten mal nach oben, mal nach unten manipuliert. Reuters

Blick ins Londoner Bankenviertel. Der Libor wurde von Instituten mal nach oben, mal nach unten manipuliert.

LondonDer Skandal um die Manipulation eines der wichtigsten Referenzzinssätze am globalen Finanzmarkt hat eine neue Dimension erreicht. Eine Gruppe von Banken soll über Jahre hinweg systematisch versucht haben, die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) systematisch zum Vorteil der eigenen Händler zu manipulieren.

Der Libor ist ein täglich vom britischen Bankenverband BBA errechneter Zins, an dem sich Geldhäuser weltweit orientieren, wenn sie sich gegenseitig Kredit gewähren. Seit 1986 befragt der Verband die am Finanzplatz London ansässigen Banken, zu welchem Zins sie sich zuletzt untereinander Geld geliehen haben. Der daraus errechnete Libor-Satz ist nicht nur der wichtigste Indikator für die Liquiditätslage am Interbankenmarkt, und damit eines der entscheidenden Krisenbarometer der Finanzbranche, er dient auch als Referenz für Zehntausende von Finanzprodukten im Wert von Hunderten von Billionen Euro.

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Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stehen mittlerweile die Schweizer Großbank UBS und der amerikanische Finanzriese Citigroup im Mittelpunkt der Ermittlungen. Beide Geldhäuser sollen mit den Finanzaufsehern in Japan, Kanada den USA und Großbritannien kooperieren und sie als Kronzeugen mit Informationen über den Skandal versorgen.

Reuters zufolge konzentriert sich die Untersuchungen auf einen einzelnen Händler, der von 2006 bis 2009 für die UBS und von 2009 bis 2010 für die Citigroup arbeitete. Dieser Händler soll mit Kollegen bei anderen Instituten ein illegales Kartell für das Fixing des Libor-Satzes für den japanischen Yen aufgebaut haben. Vor kurzem bei einem kanadischen Gericht eingereichte Unterlagen zufolge sollen die verdächtigen Banken zwischen 2007 und 2010 „künstlich überhöhte oder zu niedrig angesetzte“ Yen-Liborsätze gemeldet haben, mit dem Ziel höhere Gewinne mit den eigenen Handelspositionen zu erzielen.

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Die Bank of America, die Citigroup, Barclays, UBS und die WestLB stehen im Fokus der Ermittlungen wegen angeblicher Libor-Zinssatz-Manipulationen. Sichere Beweise für eine Manipulation dürften aber kaum zu finden sein.

Dabei sollen sich die Händler in den einzelnen Instituten zunächst abgestimmt haben, ob ein höherer oder niedrigerer Liborsatz vorteilhaft für sie wäre. Dann sollen sie versucht haben, die für die Meldung der Libor-Sätze Verantwortlichen in ihren Banken davon zu überzeugen, entsprechend manipulierte Werte zu übermitteln.

Kommentare (3)

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Realo

22.02.2012, 22:30 Uhr

"Der Markt regelt alles" so die Sprücheklopper seit Jahren, um staatlichen Regulierungen zu verhindern, diesen Sumpf auszutrocknen. Dies ist sicher nicht die letzte Meldung, wer diese "Märkte" oder besser "Bazar-Makers" sind. Die Boni-Maker sind anscheinend noch nicht tief genug gesunken um zu merken, dass sie sich die Äste selber absägt, auf denen sie sitzt!

Ohnmacht

22.02.2012, 23:02 Uhr

Diese Verbrecherbande betrügt nicht nur seine Kunden, sondern auch seine Kollegen!

Wenn man die RAF wirklich mal bräuchte, sind sie leider nicht da!

Mazi

22.02.2012, 23:14 Uhr

Bezeichnend ist doch eines: da gibt es einen so "wichtigen" Maßstab, den Libor, und niemand überprüft ihn.

Wer mag da noch glauben, dass es Behörden gibt, die Banken beaufsichtigten bzw. beaufsichtigen.

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