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24.10.2012

18:19 Uhr

Skandalbuch

Ein Händler von Goldman Sachs packt aus

VonNils Rüdel

Enthüllungen, Entgleisungen, Skandale - das Buch vom ehemaligen Goldman Sachs-Händler Greg Smith wurde mit Spannung erwartet. Das Ergebnis ist enttäuschend. Warum man es trotzdem lesen sollte.

Der ehemalige Goldman Sachs-Händler Greg Smith. Reuters

Der ehemalige Goldman Sachs-Händler Greg Smith.

Samstagabends, wenn die Banker Party machen, ist die Londoner Zentrale von Goldman Sachs wie ausgestorben. Greg Smith wusste das, also ging er noch einmal ins Büro, ein allerletztes Mal. Dort packte er ein paar Sachen zusammen und setzte sich am Sonntag ins Flugzeug nach New York. In der Erwartung, dass sehr bald jeder in der Finanzwelt seinen Namen kennen sollte.

Tags darauf erschien in der „New York Times“ Smiths spektakuläre Abrechnung mit seinem Arbeitgeber. Unter der Überschrift „Warum ich Goldman Sachs verlasse“ beklagte er, die legendäre Investmentbank habe sich in einen Ort voller gieriger Zocker verwandelt. Mitarbeiter würden ihre eigenen Kunden über den Tisch ziehen und sie auch noch als „Muppets“ verhöhnen, als Deppen. Die Wall Street hatte ihren Skandal.

Das war im März. Sieben Monate später ist Smith zurück in den Schlagzeilen: Diese Woche ist in den USA sein Buch erschienen. Darin erzählt der gebürtige Südafrikaner, wie er im Jahr 2000 als glücklicher Praktikant bei Goldman anfing, schnell Karriere machte – und schließlich an jenem Abend in London desillusioniert seine Sachen packte. Die Bank, schreibt Smith, habe sich unter Firmenchef Lloyd Blankfein in einen Hedgefonds verwandelt, der „eher sich selbst im Sinn hat als seine Kunden“.

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„Warum ich Goldman Sachs verlassen habe“, so der englische Titel, ist nun im Grunde die Langversion des Gastbeitrags von damals. Das versprochene Enthüllungsbuch jedoch, das neue Skandale aufdeckt oder beweist, dass Mitarbeiter systematisch Kunden abzocken, hat Smith nicht geliefert. Wenn Goldman dieser Tage mitteilt, man sei nach der Lektüre des Buches „erleichtert“, hat Smith etwas falsch gemacht.

Kommentare (6)

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whisky

24.10.2012, 18:47 Uhr

Es soll Bankberater geben, die ihre Kunden so beraten, daß es für die Kunden eine vernüngtige Anlage ist.
Dann gibt es Bankberater, die die Kunden so beraten, daß für die Bank die höchstmögliche Provision herausspringt.
Raten Sie mal, wer bessere Karrierechancen hat.

Pequod

24.10.2012, 18:49 Uhr

Es genügt doch das heute von Mario Draghi verkün-
dete ''unconditonal surrender'' der deutschen
Finanzen vor unserern Abgeordneten, was auch noch
mit Beifall aufgenommen wurde!

DasBanksterUnwesen

24.10.2012, 19:30 Uhr

Mir hat man mal gesagt: "Ein überzeugter Bankster, würde seine Großmutter für 50 Pfeinng die Treppe runterschubbsen ohne mit der Wimper zu zucken".
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Jetzt während nach oder in der Fianzkrise (die Blickwinkel sind da recht differenziert) frage ich mich ernsthaft, ob es der Banker nicht auch für 1 Cent getan hätte...
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Ich glaube Versicherungsvertreter und Autohändler sind viel viel harmloser wie die "Bankster"...
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Die Insolvenzquoten durch die Banken angeschoben, offenbaren das ganze Ausmaß der Tragödie neben den herabgesetzten Kontokorrents und Dispos, für die einen die Banken in den 80er und 90igern sogar noch den PoPo rasiert hätten... dass man ihn ja einräumen lässt und auch großzügig nutzt...
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Ja, so kann sich das Blatt wenden. Ist jetzt die Politik schuld oder machen es die Banken nachdem die Rettungsschirme aufgespannt wurden der Politik und dem Volk zu Trotz?

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