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02.09.2013

14:41 Uhr

So, 14.09.2008, 14:58

Tauziehen am Rande des Abgrunds: Lehman-Krisengipfel an Wall Street

Ausnahmezustand an der Wall Street: In dem sonst ab Freitagnachmittag ausgestorbenen Zentrum der Finanzwelt brodelte es an diesem Wochenende wie kaum je zuvor.

Wall Street in New York: Dramatische Stunden mit dem Versuch, Lehman zu retten. dpa

Wall Street in New York: Dramatische Stunden mit dem Versuch, Lehman zu retten.

So, 14.09.2008, 14:58Ausnahmezustand an der Wall Street: In dem sonst ab Freitagnachmittag ausgestorbenen Zentrum der Finanzwelt brodelte es an diesem Wochenende wie kaum je zuvor. Die selbst unter gestandenen Top-Managern panische Angst vor einem Zusammenbruch der Traditions-Investmentbank Lehman Brothers sorgte für einen Aufmarsch von Bankchefs, Spitzenpolitikern und Notenbankvertretern. Ihre Sorge: Unabsehbare Schäden für die Finanzmärkte. Ihr gemeinsames Ziel in der Not: Eine Auffanglösung für Lehman Brothers - welcher Art auch immer.

US-Finanzminister Henry Paulson höchst persönlich wollte die Branche beim fast rund um die Uhr währenden Krisengipfel in der New Yorker Notenbank auf eine konzertierte Rettung einschwören. Gleich zu Beginn am Freitagabend machte er jedoch klar, dass die Banken ihre Probleme diesmal selbst lösen und nicht mit Steuergeldern rechnen sollten. Die Institute riefen dagegen nach Staatshilfen wegen der kaum kalkulierbaren Risiken in den Büchern des vor 158 Jahren von deutschen Auswanderern gegründeten Finanzhauses. Die meisten wollen oder können angesichts ihrer eigenen Milliardenverluste keine weiteren Lasten schultern.

Sechs Monate zuvor hatte die US-Notenbank beim Zwangsverkauf der gescheiterten Investmentbank Bear Stearns noch enorme Finanzgarantien gegeben. Und erst vor einer Woche sicherte sie zur Rettung der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae sogar bis zu 200 Milliarden Dollar zu. Diesmal aber wäre eine Weigerung der Regierung richtig, sagte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner am Sonntag. «Sonst ist die Disziplin völlig dahin.»

So, 14.09.2008, 18:54

Barclays angeblich führender Bewerber um Lehman Brothers

Im dramatischen Ringen um die Zukunft der US-Investmentbank Lehman Brothers entwickelt sich die britische Barclays Bank laut Medienberichten zum wahrscheinlicheren Käufer.

Historisches Vorbild einer konzertierten Aktion der Branche ist die so spektakuläre wie kostspielige Rettung des Hedge-Fonds Long Term Capital vor zehn Jahren. Eine Bankengruppe schoss aus Angst vor noch schlimmeren Folgen Milliarden zu - allerdings begleitete die Notenbank den Schritt mit einer Zinssenkung.

Am Wochenende erschwerte das Tauziehen zwischen Banken und Finanzminister die Rettungsbemühungen massiv, während die Uhr nicht nur für Lehman unerbittlich tickte: Ohne wenigstens irgendein Ergebnis drohe am Montag an den Märkten ein «Blutbad», prophezeite ein Insider aus dem Umfeld des Krisengipfels den Medien.

Mögliche nächste Opfer angesichts bereits massiver Kursstürze: Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch, der führende US-Versicherer AIG sowie die größte Sparkasse des Landes Washington Mutual. Ihnen allen steht laut Experten eine heiße und womöglich entscheidende Woche bevor. AIG will laut Berichten am Montag neue Kapitalmaßnahmen präsentieren und so die Investoren beruhigen. Mit Zittern erwarten die Anleger zudem die im Laufe der Woche anstehenden Quartalszahlen der zwei führenden Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.

«Die Krise wird sicher weitergehen», sagte Banken-Experte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance am Sonntag. Besonders der Vertrauensverlust wachse immer weiter, betonte auch Weidensteiner. Dies werde auch neue Folgen für Deutschland haben. «Schon bisher fiel etwa die Hälfte der Abschreibungen durch die Kreditkrise in Europa an.» Weltweit waren es über 500 Milliarden Dollar.

Wie bei allen früheren Finanzschocks gibt es aber auch diesmal Krisengewinner: Spekulanten setzten gerade zuletzt massiv auf den Absturz von Lehman und anderer Finanzwerte an der Börse. «Sie haben große Profite rausgezogen», so Faust. Die Lehman-Aktie stürzte allein vergangene Woche um fast 80 Prozent ab. Der seit gut 14 Jahren amtierende Lehman-Chef Richard Fuld, der seine ganze Karriere bei der Bank verbrachte, wirft den Börsen-Haien die Zerstörung seines Lebenswerks vor: Mit ihren Kurswetten hätten sie Lehman erst an den Abgrund getrieben.

Von

dpa

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