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13.02.2013

11:56 Uhr

Société Générale

Das nächste Sparprogramm einer Großbank

Die französische Großbank Société Générale hat in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 mehr Verlust gemacht als erwartet worden war. In den kommenden drei Jahren sollen daher die Kosten gesenkt werden.

Der Eingang der Société Générale in La Defense nahe Paris. dpa

Der Eingang der Société Générale in La Defense nahe Paris.

ParisDie französische Großbank Societe Generale tut es ihren internationalen Konkurrenten gleich und schnürt ihren Gürtel noch enger. In den kommenden drei Jahren sollen die Kosten deutlich sinken, wie Vorstandschef Frederic Oudea am Mittwoch ankündigte. "Unser wichtigstes Ziel ist es, unser Haus effizienter und flexibler zu machen", erklärte er. Die Universalbank aus Privatkundengeschäft und Investmentbanking stehe nicht zur Disposition, doch müsse SocGen an der einen oder anderen Stelle einen Schnitt machen und Bereiche neu ordnen. Details nannte Oudea noch nicht.

Fest steht aber, dass er die Generalüberholung mit einem neuen Finanzchef an seiner Seite angehen wird: Philippe Heim tritt die Nachfolge von Bertrand Badre an, der den Posten nach nur einem Jahr aufgibt und zur Weltbank wechselt.

Stellenabbau im Investment-Banking

Royal Bank of Canada

Die Royal Bank of Canada ist eines der wenigen Geldhäuser, welches das Investment-Banking ausbaut. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von Ende 2011 bis Jahresende 2012 um 0,7 Prozent.

Goldman Sachs

Die US-Großbank Goldman Sachs reduzierte 2012 die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 2,7 Prozent.

JP Morgan

Die Wall-Street-Bank reduziert ihr Investment-Banking um 3,1 Prozent.

Credit Suisse

Die Schweizer Credit Suisse kappt die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 4,3 Prozent.

Morgan Stanley

Die US-Bank Morgan Stanley streicht die Mitarbeiterzahl um 8,5 Prozent zusammen.

Deutsche Bank

Der deutsche Primus streicht das Investment-Banking radikal zusammen: Die Deutsche Bank kappt die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich um 13,3 Prozent.

Quelle: Bloomberg, Ende 2012 im Vergleich zu Ende 2011

SocGen hatte sich zuletzt darauf konzentriert, Risiken in der Bilanz abzubauen und die Kapitaldecke zu stärken. Doch das reicht nicht. Frankreichs zweitgrößtes börsennotiertes Finanzinstitut steht wie die meisten europäischen Geldhäuser vor der Aufgabe, das Geschäftsmodell komplett zu überdenken. Die strengere Regulierung drückt auf die Margen, die Privatkunden sind wegen der Schuldenkrise zutiefst verunsichert und die Investmentbanker müssen mit volatilen Märkten leben. Vielerorts stehen deshalb Stellenstreichungen an: Zuletzt kündigte die britische Großbank Barclays am Dienstag den Abbau von mindestens 3700 Jobs an. Auch bei der Deutschen Bank müssen mehr als 2500 Leute gehen.

Dass es auch bei SocGen nicht rund läuft, zeigten die Zahlen zum vierten Quartal 2012: Das Institut fuhr einen Nettoverlust von 476 Millionen Euro ein - doppelt so viel, wie Analysten befürchtet hatten. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Gewinn von 100 Millionen zu Buche gestanden. Experten taten sich schwer, das Zahlenwerk zu lesen. "Eine unübersichtliche Bilanz mit vielen Sonderposten", schimpfte ein Pariser Händler. SocGen hatte nicht nur die eigenen Verbindlichkeiten neu bewertet, sondern auch Abschreibungen verbucht. Außerdem legte das Institut überraschend 300 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurück, ohne einen konkreten Grund zu nennen. Im Skandal um Zinsmanipulationen gehört SocGen zum Kreis der verdächtigen Banken. Ihnen wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.

Die Unsicherheit verprellte die Anleger: Die SocGen-Aktie verlor in Paris am Vormittag über drei Prozent. Selbst die Dividende konnte die Investoren nicht locken. Nachdem sie 2011 noch leer ausgegangen waren, sollen sie nun für das abgelaufene Jahr 45 Cent pro Anteilsschein bekommen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Kamich

13.02.2013, 15:36 Uhr

Danke für diese umfassende Darstellung ! Ich war
emotional der Meinung - alles halb so "schlimm" , da
Ende letzten Jahres gerade in den USA (dem Zugpferd)
die Banken wieder sehr gut verdient haben !! Ein wenig
habe ich schon den Verdacht, dass der Abbau von Stellen
im Investmentbanking gross an die Glocke gehängt wird,
während der Aufbau des Personals über Monate und Jahre
kaum öffentlich registriert wird. Wer viel verdienen
will (und das dann auch noch steigern will) wird sicher
auch wieder Personal aufbauen ... .

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