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28.01.2009

17:14 Uhr

Soffin entscheidet voraussichtlich am Freitag

Bund bereitet Verstaatlichung der HRE vor

ExklusivDer Kapitalbedarf des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) wird immer dramatischer. Deshalb soll am Freitag der Lenkungsausschuss des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) die Voraussetzungen für eine Mehrheitsübernahme der HRE durch den Staat schaffen.

Im Herbst war die irische Staatsfinanzierungstochter Depfa in einen Liquiditätsengpass geraten und hatte die ganze HRE-Gruppe an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Foto: ap Quelle: ap

Im Herbst war die irische Staatsfinanzierungstochter Depfa in einen Liquiditätsengpass geraten und hatte die ganze HRE-Gruppe an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Foto: ap

FRANKFURT. Bisher sieht das Soffin-Gesetz nur eine Staatsbeteiligung von maximal 33 Prozent vor. Doch im Fall der HRE ist das nicht genug. Die Bank, die bereits 92 Mrd. Euro an Hilfen bekommen hat, benötigt nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen bis zu zehn Mrd. Euro an zusätzlichem Eigenkapital. Dies dürfte dem Institut zumindest teilweise über eine Kapitalerhöhung zufließen. Die neuen Aktien würde der Staat kaufen, der im Extremfall dann mit einem Schlag rund 96 Prozent an der Bank halten würde.

Eine Beteiligung in dieser Höhe muss aber zuvor rechtliche Hürden nehmen. Entscheidet sich der Soffin am Freitag dafür, kann das Kabinett nächste Woche die Gesetzesänderungen beschließen. In der zweiten Februarwoche müsste noch der Bundestag zustimmen. Erst dann ist es auch rechtlich möglich, dass der Bund der HRE das notwendige Kapital überweist.

Auch im Umfeld der Hypo Real Estate geht man davon aus, dass bald Fakten geschaffen werden. "Die Entscheidungsfindung in der Politik verdichtet sich immer mehr", hieß es in Finanzkreisen. Die Bank brauche eine schnelle Entscheidung. Sie sei derzeit wie gelähmt. "Es geht jetzt darum, diese Hängepartie zu beenden." Die HRE benötige Planungssicherheit. Offiziell wollten sich weder beim Soffin, bei der HRE noch in den zuständigen Ministerien die Beteiligten zu dem Verfahren äußern. Auch vom bisherigen Großaktionär, der Beteiligungsgesellschaft JC Flowers, gab es keine Stellungnahme.

Flowers hält derzeit knapp 25 Prozent an der Bank. Es sei absolut unwahrscheinlich, dass sich Flowers an der Rettung der HRE noch beteiligen könne, sagten mit der Situation Vertraute dem Handelsblatt. Der Investor habe sich bei Aufsichtsratssitzungen der Bank immer für ein Eingreifen des Staates ausgesprochen.

Tatsächlich fehlt es auch an Alternativen: Eine Kapitalerhöhung am Markt lässt sich mangels Nachfrage nach neuen HRE-Aktien nicht umsetzen. Und Flowers dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern Probleme haben, von seinen Geldgebern die Mittel für die Beteiligung an einer Kapitalspritze zu bekommen. "Man findet keinen Investor, der da momentan noch Geld reinsteckt - außer dem Staat", heißt es. Kommt es zu der Kapitalerhöhung, ohne dass sich Flowers daran beteiligt, steht der Finanzinvestor praktisch vor einem Totalverlust. Er hatte seine Anteile im vergangenen Jahr noch für 1,1 Mrd. Euro erworben.

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