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17.01.2011

14:26 Uhr

Sonderboni

Central jagt neue Privatpatienten

VonThomas Schmitt

ExklusivDie Generali-Tochter Central verspricht ihren Vermittlern Sonderboni für neue Kunden. Die kriegen die Vermittler aber nur, wenn sie bei der gestzlichen und privaten Konkurrenz aggressiv abwerben. Doch die Sonderaktionen stellen die Unabhängigkeit der Vermittler in Frage.

Die Gerali-Tochter Central wirbt aggressiv um neue Kunden. Pressebild

Die Gerali-Tochter Central wirbt aggressiv um neue Kunden.

FRANKFURT. Die privaten Krankenversicherer gehen auch in diesem Jahr mit umstrittenen Sonderboni auf Kundenjagd bei der gesetzlichen und privaten Konkurrenz. Das jüngste Beispiel liefere die Generali-Tochter Central, ein Partner des Finanzvertriebs DVAG, kritisieren Versicherungsmakler, die durch solche Aktionen die Unabhängigkeit der Beratung bedroht sehen.

Der Krankenversicherer Central lobt in der "Sonderbonusausschreibung 2011" von Januar bis Ende Juni einen Sonderbonus von zwei Monatsbeiträgen "zusätzlich zur normalen Abschlussvergütung" aus, wenn die Vermittler in dieser Zeit einen neuen Kunden für bestimmte Pauschalleistungstarife bringen.

Central gehörte in den vergangenen Jahren im Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) zu den Unternehmen, die am stärksten gewachsen sind. Dies geht in der PKV nur, wenn Vermittler bei privaten Konkurrenten und Krankenkassen aggressiv Kunden abwerben. Größter Anreiz für Vermittler sind dabei die Vergütungen, deren Spannbreite gewaltig ist: Das Einkommen der Berater bemisst sich an dem ersten Monatsbeitrag des Kunden, also meist 200 bis 500 Euro, manche Versicherer zahlen hier zwölf Monatsbeiträge oder mehr, also zwischen 2 500 und mehr als 5 000 Euro pro Neukunde.

Versicherungsberater sehen die Unabhängigkeit des Vermittlers durch derartige Sonderaktionen in Frage gestellt - wegen des Risikos, dass der Berater zu wenig auf den Bedarf des Kunden schaue. Auch politisch sind Sonderboni in der PKV geächtet. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner warnt, die Entscheidung für eine private Krankenversicherung dürfe sich nicht an sachfremden Gründen orientierten, wie etwa erhöhten Verkaufsanreizen

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Selbst der Branchenverband GDV warnt im neuen Branchenkodex: "Bei Vereinbarungen über Zusatzvergütungen ist die Unabhängigkeit des Versicherungsmaklers so zu beachten, dass das Kundeninteresse nicht beeinträchtigt wird", heißt es. Auch die Mutter der Central, die Generali Deutschland, hat diesen Kodex unterschrieben.

Bereits im vergangenen Jahr hatten eine Reihe von Krankenversicherern Sonderboni für Vermittler ausgelobt, um ihr Geschäft anzukurbeln. Dazu zählten Axa, Arag und Hallesche. Stefan Albers vom Bundesverband der Versicherungsberater weiß: "Man kann das schlechteste Produkt über hohe Provisionen wieder marktgängig machen." Zusatz-Provisionen zahle der Kunde letztlich mit seinen Beiträgen, warnt Versicherungsberater Holger Hinze. Eigentlich müsse darüber vorab informiert werden. Doch er glaubt nicht, dass dies immer geschieht.

Kommentare (1)

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Musashi

27.04.2011, 15:44 Uhr

Tja, an wen die das wohl zahlen? Ich als Vermittler der Central habe davon bis her nichts gesehen!!

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