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16.05.2013

10:15 Uhr

Sorgen um Ungarn-Tochter

BayernLB macht dank Firmengeschäft Gewinn

Die gute Wirtschaftsentwicklung in Süddeutschland hat das Firmen- und Privatkundengeschäft der BayernLB angetrieben. Damit konnte die Landesbank Altlasten kompensieren und im ersten Quartal einen Gewinn einfahren.

Die BayernLB ist gut in das Jahr 2013 gestartet. dpa

Die BayernLB ist gut in das Jahr 2013 gestartet.

FrankfurtDie Bayerische Landesbank hat dank stabiler Geschäfte mit Firmen- und Privatkunden den Vorsteuergewinn zu Jahresanfang auf 156 Millionen Euro gesteigert. "Das Kerngeschäft der neuen BayernLB entwickelt sich weiter erfreulich, so dass Altlasten aus dem Nicht-Kerngeschäft bei weitem überkompensiert werden können", sagte BayernLB-Chef Gerd Häusler am Donnerstag. Das Münchner Geldhaus, das in der Finanzkrise vom Staat gerettet wurde, sei auf einem guten Weg, eine normale Bank zu werden. Im laufenden Jahr geht Deutschlands zweitgrößte Landesbank weiter von einem positiven Ergebnis aus.

Sorgen bereitet der BayernLB allerdings nach wie vor ihre ungarische Tochter MKB, deren Vorsteuerverlust sich im ersten Quartal um gut ein Drittel auf 61 Millionen Euro ausweitete. Hauptgrund dafür ist Bankenabgabe von 46 Millionen Euro, die das Institut in dem osteuropäischen Land berappen muss. Auch die Ertragslage sei wegen des schwierigen konjunkturellen und politischen Umfelds in Ungarn unverändert schwierig.

Die Chronologie des Hypo Alpe Adria-/BayernLB-Dramas

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Ein wochenlanger Poker zwischen Österreich und Bayern geht zu Ende: Die HGAA geht an Österreich zurück und soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

4. Januar 2010

Der Freistaat hofft auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

13. Oktober 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt. Das Gericht zweifelt an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag.

19. Juni 2012

BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Die BayernLB wirft allen acht ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der HGAA vor.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legt Berufung ein.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst auf einen Prozess.

14. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

19. Dezember 2012

Ministerpräsident Seehofer fordert die HGAA zur Rückzahlung der Kredite auf.

20. Dezember 2012

Eine fällige Zinszahlung von zwei Millionen Euro an die BayernLB wird nicht überwiesen.

Rund läuft es dagegen im Firmenkundengeschäft, in dem die BayernLB ähnlich wie die Stuttgarter LBBW von der guten Wirtschaftsentwicklung in Süddeutschland profitiert. Bei der BayernLB blieb die Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle im ersten Quartal mit 58 Millionen Euro weiter auf einem niedrigen Niveau. Zudem profitierte die Bank davon, dass es anders als im Vorjahresquartal keine großen negativen Sondereffekte gab. Damals hatte die BayernLB wegen Belastungen durch Absicherungsgeschäfte lediglich einen Vorsteuergewinn von 54 Millionen Euro eingefahren.

Die BayernLB muss nach ihrer staatlichen Rettung auf Druck der EU schrumpfen, Beteiligungen verkaufen und bis 2019 insgesamt fünf Milliarden Euro an das Land Bayern zurückzahlen, das Mehrheitseigner der Bank ist. Angesichts der soliden Kapitalausstattung hat die Bank kürzlich weitere 279 Millionen an den Freistaat überwiesen, womit sich die Rückzahlungen mittlerweile auf 1,1 Milliarden Euro summieren. Die harte Kernkapitalquote lag Ende März unverändert bei 11,6 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Politik-alimentiert-BayernLB

16.05.2013, 10:40 Uhr

Eine vom Steuerzahler alimentierte bayerische Landesbank, die 5 Milliarden Euro gestundet bekommt, natürlich auf Kosten des Steuerzahlers. Ein Verdienst der bayerischen CSU?

Was Söder vor kurzem als Erfolg verkaufen wollte, ist in Wirklichkeit ein Milliardengrab.

Betriebswirtschaftlich sind Politiker, die Ämter im Losverfahren erhalten mit Sicherheit keine Multitalente, sondern einfach auf ganzer Linie überfordert. Söder macht da keine Ausnahme. Einfachste Fragen in Talkshows zu beantworten, erweist sich oftmals als unübebrückbare Hürde für ihn und zeigt jedesmal, wie unsicher er sich auf dem politischen Bankett bewegt. Seine Spezialität ist eher davon gekennzeichnet, hervorzuheben, was der politische Gegner bereits erreicht hat.

Wenn man allerdings nichts erreicht hat, muss man ja irgendwie versuchen dies zu kaschieren. Wir kennen diese Menschen aus unserem Berufsumfeld zur Genüge. Von AMIGO-Politikern muss man sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen!

"Herr Söder, wann wird die vollständige Bilanz der Bayerischen Landesbank offen gelegt? Es geht hier um die Pulverisierung großer Milliardenbeträge, die der Steuerzahler bezahlen muss."

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