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10.02.2012

18:27 Uhr

Spaniens Sorgenkind

Bankia-Chef Rato demonstriert Stärke

Rodrigo Rato, Präsident des spanischen Kreditgiganten Bankia, musste sich in Madrid bei der Bilanz-PK eindringlichen Fragen über die Stabilität seines Instituts stellen - kein leichter Termin für den Ex-IWF-Chef.

Bankia-Chef Rodrigo Rato auf der Bilanzpressekonferenz in Madrid. AFP

Bankia-Chef Rodrigo Rato auf der Bilanzpressekonferenz in Madrid.

MadridDer Präsident des spanischen Kreditgiganten Bankia, Rodrigo Rato, musste sich bei der Bilanzpressekonferenz eindringlichen Fragen über die Stabilität der Bank stellen. „Bankia ist eine systemrelevante Bank, kein Systemrisiko“, insistierte der Ex-Wirtschaftsminister und spätere IWF-Chef. Energisch trat er Gerüchten entgegen, die nach Bilanzsumme drittgrößte Bank Spaniens werde nur mit weiteren Milliardenschweren Kapitalhilfen oder mit Hilfe einer rettenden Übernahme die neuen Auflagen der Regierung für den Finanzsektor erfüllen können. Sowohl Bankia als auch sein Mutterhaus Banco Financiero y de Ahorro, kurz BFA, würden “alle geforderten Sanierungsanstrengungen ohne Hilfe erfüllen”, versicherte Rato.

Doch leicht wird es nicht. Das letzte Woche verabschiedete Gesetz zur Finanzmarktreform sieht vor, dass der gesamte Sektor seine Rückstellungen für problematische Immobilienaktiva um vermutlich etwas mehr als 50 Milliarden Euro erhöht. BFA, die aus einer Fusion von sieben Sparkassen hervorgegangen ist und dann das Bankgeschäft in die mittlerweile börsennotierte Tochter Bankia ausgegliedert hat, ist der Hauptleidtragende der neuen Regeln, denn die beiden haben zusammen gemäß den Zahlen vom letzten Jahr ausstehende Kredite an den kriselnden Immobiliensektor in Höhe von knapp 42 Milliarden Euro, wovon 36 Prozent problematisch sind, das sind weitaus mehr als bei den übrigen spanischen Banken.

In den heute präsentierten Ergebnissen für 2011 hatte die Gruppe keine aktualisierten Angaben über ihre Immobilienkredite gemacht. Doch verbessert haben dürfte sich die Lage kaum, ist doch die Kreditausfallrate bei Darlehen an Bauträger bei allen anderen Banken gestiegen. Beziffert hat Bankia-Chef Rato immerhin die Immobilien, welche die von ihm geführte Bank von notleidenden Bauträgern oder Hypothekenkreditnehmern übernommen hat: Bankia saß Ende 2011 auf Immobilien im Wert von sechs Milliarden Euro, rund 1,2 Milliarden mehr als im Vorjahr. Die Ausfallrate des gesamten Kreditportfolios stieg 2011 auf 7,63 Prozent, deutlich mehr als der Durchschnitt des Sektors. Ohne Einbeziehung des Immobiliensektors lag die Rate der faulen Kredite nur bei 4,7 Prozent.

Die Ratingagentur Moody’s hatte schon letzte Woche die Bonität von Bankia auf Baa3 gesenkt, das ist nur wenig besser als der Junk-Status und deutlich schlechter als die anderen drei Großbanken des Landes Santander, BBVA und Caixabank. „Die deutliche Verschlechterung der Konjunkturaussichten wird es für spanische Banken noch schwerer machen, Einnahmen und Kapital zu generieren, was die Kreditqualität weiter verschlechtern dürfte“, so begründeten die Analysten von Moody’s die Herabstufung. Die neuen gesetzlichen Auflagen für Rückstellungen verstärkten den Druck auf die Banken zusätzlich.

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