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17.01.2011

14:37 Uhr

Spanische Großbank

Santander droht ein Führungsvakuum

VonAnne Grüttner

Eine der größten Banken Europas steuert auf ein dramatisches Problem zu. Nach einem Medienbericht hat der Oberste Gerichtshof Spaniens dem Chef der Banco Santander, Alfredo Saenz, verboten, künftig als Banker zu arbeiten. Er ist wegen Falschaussage verurteilt worden.

Muss sich angeblich bald einen neuen Job suchen: Alfredo Saenz. Reuters

Muss sich angeblich bald einen neuen Job suchen: Alfredo Saenz.

MADRID. Die spanische Banco Santander muss sich auf ein Führungsvakuum einstellen. Alfredo Sáenz, CEO und damit die Nummer zwei der größten Bank der Euro-Zone, wird nach Informationen der spanischen Zeitung „El Mundo“ vom Obersten Gericht zu einem sofortigen Berufsverbot, acht Monaten Gefängnis auf Bewährung und einer Strafzahlung verurteilt. Eine entsprechende Entscheidung sei im Dezember gefallen.

Ein Sprecher des Obersten Gerichts wollte die Nachricht weder bestätigen noch entkräften, weil noch kein Urteil vorliege. Das Urteil werde in einigen Tagen veröffentlicht, hieß es. In Spanien ist es nicht unüblich, dass vertrauliche Informationen aus den Gerichtssälen vorzeitig an die Presse gelangen. Vonseiten Santanders hieß es lediglich, der Bank lägen bisher keinerlei Informationen über die Entscheidung des Gerichts vor.

Der 68 Jahre alte Sáenz war Ende 2009 von dem Provinzgericht von Barcelona zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung legten damals Berufung beim Obersten Gerichtshof ein. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 1994, als Santander die von der Zentralbank gerettete Bank Banesto übernommen hatte. Sáenz wurde an die Spitze von Banesto gesetzt. Den Vorwürfen zufolge soll Banesto bei einem Kredit über umgerechnet 3,8 Millionen Euro an die Unternehmensgruppe Harry Walker mit falschen Vorwürfen versucht haben, drei Aktionäre der Gruppe zur Rückzahlung zu zwingen. Die drei Unternehmer mussten für kurze Zeit ins Gefängnis, bis ihre Unschuld bewiesen wurde. Sáenz soll von den falschen Anklagen gegen die säumigen Schuldner gewusst und diese gebilligt haben.

Die Börse reagierte gestern verhalten. Der Kurs von Santander gab zwischenzeitlich um knapp zwei Prozent nach, ähnlich wie der Rest der Banken. Sáenz' Position sei nicht so gewichtig, weil Santander große Macht auf die Verantwortlichen der einzelnen Geschäftsbereiche übertragen habe, sagte Alberto Roldán vom Brokerhaus Inverseguros. Als mögliche Nachfolgerin von Sáenz, der vermutlich ohnehin bald in den Ruhestand gegangen wäre, wird unter anderem Ana Patricia Botín gehandelt, Tochter von Santander-Präsident Emilio Botín.

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