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06.02.2014

11:22 Uhr

Spanische Immobilien

Commerzbank wird faule Kredite los

Mit offenbar geringen Verlust hat die Commerzbank Papiere an Investoren verkauft. Die Kredite für Immobilien in Spanien bringen 700 Millionen Euro ein. Das entlastet die Bilanz.

Umbauten an einer Filiale in Frankfurt: Die Commerzbank wird faule Kredite los, das entlastet die Bilanz des Geldinstituts. dpa

Umbauten an einer Filiale in Frankfurt: Die Commerzbank wird faule Kredite los, das entlastet die Bilanz des Geldinstituts.

FrankfurtDie Commerzbank hat einen weiteren Teil ihrer faulen Immobilienkredite im Ausland an den Mann gebracht. Problemkredite im Volumen von rund 710 Millionen Euro, die die frühere Eurohypo (heute Hypothekenbank Frankfurt) für spanische Gewerbeimmobilien vergeben hatte, seien mit einem geringen Verlust an internationale Investoren verkauft worden, teilte die Commerzbank am Donnerstag mit. Die Bilanz werden dadurch um Risiken (RWA) von 600 Millionen Euro entlastet. Der nicht näher bezifferte kleine Buchverlust werde noch im vierten Quartal 2013 verbucht. Hedgefonds sind derzeit begierig darauf, solche Portfolien mit Wertabschlägen aufzukaufen, weil sie sich davon schnelle Gewinne versprechen.

Nach dem Verkauf hat die Commerzbank noch rund eine Milliarden Euro an faulen Krediten für Immobilien in Spanien in den Büchern. Vor einem Jahr waren es noch doppelt so viel. "Wir werden unseren Abbauauftrag konsequent fortsetzen und uns bei entsprechenden Marktopportunitäten auch weiterhin auf Transaktionen konzentrieren, die unseren hohen Anforderungen gerecht werden", sagte der für den Abbau der Immobilienkredite zuständige Bereichsvorstand Sascha Klaus.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Am Wochenende war in Finanzkreisen bekannt geworden, dass die Commerzbank die Investmentbank Lazard beauftragt hat, ein mehr als vier Milliarden Euro schweres Kreditpaket an den Mann zu bringen. Es handele sich um das gesamte Portfolio an Immobilienfinanzierungen der Eurohypo in Spanien. Die am Donnerstag verkauften faulen Kredite seien aber nicht Teil dieses Vorhabens, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Im Sommer hatte die Commerzbank die Reste der Eurohypo in Großbritannien an die US-Großbank Wells Fargo und den Finanzinvestor Lone Star verkauft, insgesamt fünf Milliarden Euro an gewerblichen Immobilienkrediten. Während Wells Fargo die gut laufenden Kredite übernommen hatte, gingen die faulen Finanzierungen an den Investor. Es war eine der größten Transaktionen, die der europäische Immobiliensektor seit der Finanzkrise gesehen hat.

Die Commerzbank steigt seit eineinhalb Jahren komplett aus der kapitalzehrenden gewerblichen Immobilienfinanzierung aus, die Eurohypo wird seither abgewickelt. In der konzerneigenen "Bad Bank" lagern Staatsanleihen und großvolumige Immobilienkredite, teils mit sehr langen Laufzeiten. Sie können entweder bis zur Fälligkeit gehalten oder bilanzschonend verkauft werden.

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Von

rtr

Kommentare (2)

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HajoderNorddeutsche

06.02.2014, 18:49 Uhr

Das ist unverantwortlich, das zeugt von Unfähigkeit in der Kreditbearbeitung!
Man mag sich nicht vorstellen, was die Kreditnehmer, die einst mit Vertrauen auf Bankkaufleute trafen und heute in die volle Falle zum Geldverbrennen ausgliefert wurden.
Das steht den Banken nicht zu. Das ist schweres Vergehen hinsichtlich Vertrausensmißbrauch und verstößt gegen die guten Sitten und die Moral!

BernhardH

07.02.2014, 10:23 Uhr

Soso, nicht lukrativ genug. Vielleicht sollten sich die Herren Bankmanager mal diese Umsatzstatistken ansehen: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/4510/umfrage/umsatzentwicklung-deutsche-moebelindustrie/
Dann würde vielleicht an umdenken stattfinden.

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