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21.10.2015

11:25 Uhr

Sparda Bank Münster

Fristlose Kündigung nach 17 Jahren an der Spitze

VonElisabeth Atzler

Private Feiern und Reisen auf Kosten der Firma? Ein solches Verhalten kommt selten gut an. Der langjährige Chef der Sparda-Bank Münster musste deswegen jetzt gehen – fristlos. Was genau passierte.

Zu sehr Lebemann? Nach 17 Jahren muss der Chef der Münsteraner Sparda-Bank gehen. Pressebild

Enrico Kahl

Zu sehr Lebemann? Nach 17 Jahren muss der Chef der Münsteraner Sparda-Bank gehen.

FrankfurtSo etwas kommt bei einer Genossenschaftsbank selten vor: Knall auf Fall trennt sich die Sparda-Bank Münster von ihrem langjährigen Chef Enrico Kahl – und das mit dem deftigen Vorwürfen. Und direkt nach dem Bekanntwerden der Affäre nimmt die Staatsanwaltschaft Münster Ermittlungen auf.

Zu Wochenbeginn wartete die westfälische Sparda-Bank mit einer Mittelung auf, die es in sich hatte. Sie hat Kahl fristlos gekündigt. Immerhin 17 Jahre lang stand der 57-Jährige bis dahin an der Spitze des Geldhauses. Dem vorausgegangen waren Untersuchungen innerhalb der Bank. Nach Erkenntnissen der internen Revision der Bank habe über einen längeren Zeitraum hinweg private Kosten, etwa für private Feiern und Reisen am verlängerten Wochenende, „als betriebliche Aufwendungen verschleiert“. Der Schaden bewege sich nach vorläufigen Schätzungen im unteren sechsstelligen Bereich.

Man kann nicht gerade behaupten, dass solche Fälle bei Genossenschaftsbanken häufiger vorkommen. Allerdings war erst im Sommer ein Skandal bei der Volksbank Halle ans Licht gekommen. Dem dort lange amtierte Vorstandschef Manfred Kübler wurden ebenfalls fristlos gekündigt.

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Die Volksbank selbst nannte den „dringenden“ Verdacht, dass Kübler die Bank „veranlasst hat, erhebliche Aufwendungen für seine private Lebensführung zu übernehmen“. Zudem soll er von dem Geldhaus Kredite in Höhe von 1,3 Millionen Euro ohne ausreichende Sicherheiten erhalten haben. Auch in Halle nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Dabei scheint die Affäre in Halle eine weitaus größere Dimension als die Vorwürfe in Münster zu haben. Dennoch geht es um mehr als eine Lokalposse. Beide Fälle werfen die Frage auf, wie gut Genossenschaftsbanken kontrolliert werden. Auch wenn die Sparda-Bank jetzt aktiv geworden ist – Kahl führte die Bank immerhin fast zwei Jahrzehnte lang.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Wie es bei dem Geldhaus weitergeht, wird die Vertreterversammlung, eine Art Hauptversammlung, am 13. November entscheiden. Dann ist eine außerordentliche Vertreterversammlung einberufen, der Aufsichtsrat will informieren. „Wir bedauern diesen Vorfall sehr“, sagt Aufsichtsratschef Hans-Georg Klecker. „Wir werden alles tun, um für eine schnelle und vollständige Aufklärung zu sorgen.“ Das Kontrollgremium und der Vorstand wollen die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen zudem „vollumfänglich unterstützen“.

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