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06.05.2017

09:24 Uhr

Sparkasse

Wie ein Ex-Unternehmer gegen seine Bank kämpft

VonMark Fehr
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Nach der Insolvenz seiner Batteriefirma prozessiert Klaus Stratmann gegen die Hausbank – bisher erfolglos. Doch der Vorwurf überhöhter Zinsabrechnungen ist ein Problem, das auch andere Bankkunden kennen.

Unternehmer Klaus Stratmann (li.) mit Lebensgefährtin Ursula und seinem Rechtsanwalt. WDR

Prozess

Unternehmer Klaus Stratmann (li.) mit Lebensgefährtin Ursula und seinem Rechtsanwalt.

DüsseldorfKlaus Stratmann lässt sich nicht anmerken, dass er viel einstecken musste im Leben. Sein Haar ist weiß, ebenso wie der gepflegte Schnurrbart. Die straffe Haltung im dunklen Blazer wird ergänzt vom entschlossenen Blick durch die Brille mit dem klassischen dünnen Rand – den Dienstrang des Oberleutnants der Reserve kauft man dem 77-Jährigen ohne Mühe ab.

Doch der schneidige Auftritt kann schnell darüber hinwegtäuschen, dass Stratmann so einige körperliche und seelische Blessuren mit sich herumschleppt, seit der Vater ihn als Jugendlichen mit einem Nagelbrett malträtierte, seit er sich während der Bundeswehrzeit ein bleibendes Knalltrauma und eine schwere Knieverletzung zuzog und seit sein Unternehmen, dass er mit Mitte 50 aufgebaut und jahrelang erfolgreich geleitet hat, Insolvenz anmelden musste.

Getäuscht fühlt sich der ehemalige Unternehmer von seiner Hausbank, einer kommunalen Sparkasse, von denen es knapp 400 in Deutschland gibt. Die Bank habe ihn mit überhöhten Zinsen in die Enge getrieben und mündliche Versprechen wichtiger Finanzierungszusagen gebrochen.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Aus Sicht der Sparkasse basiert die von Stratmann behauptete Forderung allerdings auf zahlreichen weder nachvollziehbaren noch nachprüfbaren Unterstellungen, etwa angeblichen Zinsmanipulationen durch Mitarbeiter der Bank, sittenwidrigen Sollzinsen sowie rechtswidrigen Zinsanpassungen und Wertstellungen auf seinen Konten. In keinem der zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, in denen Kunde Stratmann stets unterlag, habe das von ihm beauftragte Gutachten Einfluss auf die Beweislage und die Urteile gehabt.

Trotz des von ihm beauftragten Gutachtens, das den Zinsschwindel nachweisen soll, unterlag Stratmann tatsächlich vor Gericht. Unterkriegen kann ihn das aber nicht. Und seine Geschichte ist es wert, gehört zu werden.

Stratmanns Firma ist inzwischen insolvent, obwohl das Geschäftsmodell lange funktioniert hat und ihm jahrein jahraus die Zinszahlungen auf die Kreditlinien der Sparkasse ermöglichte. Er belieferte Großabnehmer mit Autobatterien, etwa den Wohnwagenhersteller Hymer. Auch die Sparte für Autozubehör der französischen Supermarktkette Carrefour gehörte zu den Kunden.

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Stratmann ist überzeugt, dass die Bank Schuld trägt am Niedergang seiner Firma. Für Außenstehende ist es unmöglich, das zu beurteilen. Die Insolvenz könnte auch mit den Schicksalsschlägen zu erklären sein, wie sie eigentlich jeden tüchtigen Unternehmer treffen können.

Stratmann hat seinen Kampf gegen die Bank allein geführt. Ganz allein? Nein, seine neue Lebenspartnerin Ursula unterstützt ihn, seit die beiden sich kennengelernt haben – nicht nur emotional, sondern auch ganz handfest mit Geld für die hohen Gerichts- und Anwaltskosten.

Selbstlose Aufopferung wie die seiner Lebensgefährtin hat der krisengeprüfte Stratmann selten erfahren. Er ist ein Mensch, dem das Leben nicht auf halbem Weg entgegengekommen ist. Vieles musste er sich erkämpfen: Die Lehre beim mittlerweile untergegangenen Bergbaukonzern in seiner Geburtsstadt Bochum. Den Job als Einkaufschef bei einer Sparte des bekannten Batterieherstellers Varta in Hannover. Den Dienstrang des Reserveleutnants bei der Bundeswehr. Und schließlich die Gründung des eigenen Unternehmens, das lange gut lief, dann aber unter anderem an einer fehlenden Nachfolgelösung scheiterte.

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