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21.05.2015

16:21 Uhr

Sparkassen droht Spaltung

„Die Zeichen stehen auf Sturm“

Es droht ein historischer Bruch: Die 70 westfälischen Sparkassen könnten den gemeinsamen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken verlassen. Knackpunkt ist die Rettung maroder Landesbanken.

Seit mehr als 40 Jahren sind Sparkassen und Landesbanken in einem Haftungsverbund organisiert. Damit könnte nun Schluss sein. dpa

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Seit mehr als 40 Jahren sind Sparkassen und Landesbanken in einem Haftungsverbund organisiert. Damit könnte nun Schluss sein.

FrankfurtDie Sparkassen-Finanzgruppe droht wegen des Streits über den Umbau ihres Einlagensicherungssystems auseinanderzubrechen. Die 70 westfälischen Sparkassen könnten den gemeinsamen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken nach vier Jahrzehnten verlassen, falls es für sie keine Ausnahmereglung bei Bankenrettungen gibt. Da die meisten anderen Institute dazu nicht bereit sind, müssten die Westfalen den DSGV-Haftungsverbund verlassen und zum Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) wechseln. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, sagte ein Sparkassen-Insider.

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) kommt am Donnerstagnachmittag in Frankfurt zusammen. Sie hatte bereits vor einem Monat eine Grundsatzeinigung erzielt, muss nun auf Druck der Finanzaufsicht BaFin aber noch mal nachbessern. Bei der Entscheidung über Landesbanken-Rettungen soll im DSGV wie bisher eine Mehrheit von 75 Prozent nötig sein – und nicht wie von den Westfalen gefordert Einstimmigkeit. Die meisten Sparkassen-Funktionäre rechnen damit, dass die Änderung bis auf eine Gegenstimme aus Westfalen angenommen wird.

Der westfälische Sparkassen-Präsident Rolf Gerlach argumentiert, seine Sparkassen hätten bereits bei der Abwicklung der WestLB tief in die Tasche gegriffen – und müssten deshalb bei künftigen Rettungen geschont werden. Seine Sparkassen wollen bei Landesbanken-Rettungen Insidern zufolge deshalb künftig maximal 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Falls mehr Geld notwendig sei, müsse die Verbandsversammlung in Münster dafür mit einer Dreiviertel-Mehrheit grünes Licht geben. Einen entsprechenden Beschluss hat die Verbandsversammlung des westfälischen Sparkassen-Verbandes getroffen.

Wenn die Westfalen dabei bleiben, führt Sparkassen-Kreisen zufolge kaum eine Weg an ihrem Ausscheiden aus dem Haftungsverbund vorbei. „Der Beschluss der Westfalen ist mit der Rahmensatzung, die auf der DSGV-Mitgliederversammlung beschlossen werden soll, nicht vereinbar“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der DSGV und der westfälische Sparkassenverband wollten sich dazu nicht äußern.

Falls die westfälischen Sparkassen nicht im neuen DSGV-Haftungsverbund vertreten sind, werden sie von der Aufsicht aller Voraussicht nach der Einlagensicherung des VÖB zugewiesen. Beim VÖB wäre man darüber Insidern zufolge nicht erfreut, schließlich würde es die Struktur der VÖB-Einlagensicherung komplett auf den Kopf stellen. Dort sind bisher lediglich 19 Institute vertreten, darunter diverse Förderbanken, die KfW -Tochter Ipex und die BayernLB-Tochter DKB. „Der Verwaltungsaufwand würde deutlich steigen, wenn da 70 einlagenstarke Sparkassen dazukommen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person Reuters.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Alle Banken müssen ihre Einlagensicherungssysteme umbauen, um bis Juli neue EU-Richtlinien zu erfüllen. Sparkassen und Landesbanken ringen schon lange um eine Lösung. Sie müssen bis 2024 rund drei Milliarden Euro in ihren Haftungstopf nachschießen, davon gut zwei Milliarden in bar.

Von

rtr

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