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21.03.2017

19:46 Uhr

Sparkassen

Furcht vor Liquiditätsschwemme durch Kommunen

VonElisabeth Atzler

Sparkassen droht ein Ansturm von Städten und Gemeinden, die überschüssige Mittel parken wollen. Womöglich reicht ein Minuszins von 0,4 Prozent dann nicht mehr, fürchtet der Chef einer großen Sparkasse.

Die Kommunen sind Träger der Sparkassen und deren Kunden. Sie dürften künftig noch mehr frische Mittel zu den Sparkassen tragen. dpa

Sparkassen

Die Kommunen sind Träger der Sparkassen und deren Kunden. Sie dürften künftig noch mehr frische Mittel zu den Sparkassen tragen.

Köln Eigentlich sind Kundeneinlagen ein hohes Gut für die Banken. Doch derzeit gibt es zu viel davon, und der größte Teil ist auch noch täglich fällig. Spareinlagen sind für die Geldhäuser wenig attraktiv, weil die Kreditnachfrage mau ist und weil einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Diesen Strafzins reichen viele große Kreditinstitute an bestimmte Kunden weiter: Sie berechnen Firmenkunden mit hohen Einlagen, Profianlegern, aber auch Kommunen ihrerseits einen Minuszins von 0,4 Prozent. Im Fall von Städten und Gemeinden könnte sich die Situation für Sparkassen und Volksbanken noch verschärfen – sie dürften noch mehr Mittel von Kommunen auf sich ziehen, weil die Einlagensicherung der privaten Banken ab Oktober nicht mehr wie bisher auch für frische Gelder von Kommunen und anderen Großanlegern gilt.

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Die zweitgrößte Sparkasse in Deutschland gibt den EZB-Negativzins an Vermögende mit einem liquiden Millionenvermögen weiter. Es ist die erste Sparkasse, von der so ein Schritt bekannt wird. Andere Banken waren Vorreiter.

Kommunen würden noch intensiver nach Anlagemöglichkeiten suchen, erwartet Alexander Wüerst, Chef der Kreissparkasse Köln, die zu den fünf größten Sparkassen zählt. Wie groß die Bewegung sei werde, vermöge er aber noch nicht abzuschätzen. Im schlimmsten Fall allerdings könnte die Sparkasse den Minuszins noch weiter ins Negative schieben: „Wenn wir mit Liquidität geflutet werden, werden 0,4 Prozent dauerhaft nicht reichen“, sagte Wüerst.

Die Kreissparkasse Köln berechnet Kommunen, Firmen und Profianlegern mit kurzfristigen Einlagen von mehr zwei Millionen Euro bereits einen Negativzins – ähnlich gehen zahlreiche andere Geldhäuser auch vor. Die Sparkassen sind für Kommunen meist die erste Adresse. Schließlich sind sie auch Träger somit Quasi-Eigentümer der Sparkassen.

Aber auch Genossenschaftsbanken rechnen mit mehr Einlagen von Kommunen. Der Schritt der privaten Banken entspreche schon „fast Abwehrkonditionen“, sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, kürzlich. „Natürlich kann ich die Kämmerer verstehen, die sagen: ‚Ich kann nur da anlegen, wo Einlagen auch gesichert sind.‘“ Die Genossenschaftsbanken würden keinen Kunden wegschicken.

Hintergrund ist, dass die deutschen Privatbanken bauen ihre Einlagensicherung umbauen. Sie fahren den Schutz für Profi-Investoren und die öffentliche Hand zurück. Bis zu einem Betrag von 100.000 Euro gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Bisher sichern die Privatbanken – abhängig von ihrer Bilanzsumme – darüber hinaus deutlich höhere Beträge ab. In den vergangenen Jahren kam das die Verbandsmitglieder teuer zu stehen, allen voran die Deutsche Bank und die Commerzbank. Bei der Pleite der kanadischen Maple Bank vor einem Jahr zahlte die Einlagensicherung des BdB 2,7 Milliarden Euro, bei der deutschen Tochter von Lehman Brothers gut sechs Milliarden Euro.

Kommentare (4)

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Herr Holger Narrog

22.03.2017, 08:19 Uhr

Soweit mir bekannt sind die meisten Kommunen in Deutschland mehr, oder minder hoch verschuldet. Somit profitieren diese staatlichen Körperschaften grundsätzlich vom Negativzinsumfeld. Erstrebenswert wäre es wenn die Kommunen ihren Liquiditätsbedarf und die Liquiditätsüberschüsse so planen und verwalten, dass die Liquiditätsüberschüsse niedrig bleiben.

Viel herausfordernder sehe ich die Situation für die Privatpersonen in Deutschland die durch die Geldschöpfung der EZB (zur Entschuldung des italienischen Staates zu Lasten der Deutschen Sparer) um ihre Altersvorsorge gebracht werden und dann ggf. den Kommunen zur Last fallen.

Schön wäre es wenn die Deutschen Bundestagsabgeordneten des Politiksystems nicht mehr Beifall klatschen wenn Herr Draghi erläutert wie er die Deutschen Sparer enteignet.

Rainer von Horn

22.03.2017, 09:10 Uhr

Kommunen und Überschüsse? Der 1. April ist doch erst in gut einer Woche... :-D

Die meisten Kommunen haben bzw. bekommen ganz andere Probleme, wie gestern in der "Welt" zu lesen:

Zitat:
"Der CSU-Politiker warnte vor den Folgen eines starken Familiennachzugs: „Das Bundesinnenministerium hat Prognosen bestätigt, dass pro Syrer etwa 0,9 bis 1,2 Familienangehörige nachziehen werden. Angesichts der mittlerweile rund 500.000 Syrer muss sich die Gesellschaft mittelfristig auf die Integration einer halben Million weiterer Syrer durch den Familiennachzug einstellen“, sagte Singhammer."

Quelle:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article163020419/Viele-Staedte-schaffen-kaum-Einheimische-zu-versorgen.html

Da also noch viele, viele Menschen auf der Welt brennend darauf warten, an uns verschenkt zu werden, sollte das "Problem" mit den Überschüssen manchner Kommunen "Gott sei Dank!" bald der Vergangenheit angehören.
;)

Arjuna Shiva

22.03.2017, 09:37 Uhr

"Spareinlagen sind für die Geldhäuser wenig attraktiv, weil die Kreditnachfrage mau ist."

Da hat wohl die Lückenpresse wieder mal zugeschlagen. Die Kreditnachfrage ist sicher nicht so hoch, wie in einer Wirtschaft in der es viele organische Wachstumspotentiale gibt, die zu finanzieren sind (das Problem der Sättigung wird ja in der Mainstream-Ökonomie gfelissentlich ignoriert, weil sie von ihrem quatitativen Wachstumsdogma nicht lassen kann).

Viel entscheidender für die niedrigen Zinsen ist aber die EZB, die gedrucktes Geld verschenkt und somit die Nachfrage nach Spareinlagen künstlich nach unten manipuliert.

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