Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2016

17:22 Uhr

Sparkassen müssen sparen

In Bayern wird das Filialnetz ausgedünnt

VonKerstin Leitel

Der Kostendruck in der Bankbranche erreicht die bayerischen Sparkassen. Kunden und Mitarbeiter müssen sich darauf einstellen, dass etwa 200 Filialen wegfallen. Dies sei auch eine Folge veränderten Kundenverhaltens.

„Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle“, hat der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer festgestellt. dpa

Blick auf München und die Frauenkirche

„Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle“, hat der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer festgestellt.

MünchenBayerische Sparkassenkunden werden in Zukunft womöglich häufiger vor „Filiale geschlossen“-Schildern stehen. In diesem Jahr dürften acht bis zehn Prozent der derzeit 2.245 Geschäftsstellen wegfallen, meint Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern. Das wäre deutlich mehr als im vergangenen Jahr, als die Zahl der Geschäftsstellen nur um knapp vier Prozent gesunken war.

„Unser Filialnetz stammt aus einer Zeit, in der unsere Kunden auch für Überweisungen die Filiale aufgesucht oder ihr Bargeld an der Kasse abgeholt haben“, verteidigte sich der ehemalige Oberbürgermeister von Kempten auf der Jahrespresskonferenz gegen Kritik an derartigen Schritten. Doch der durchschnittliche Bankkunde gehe mittlerweile nur noch einmal pro Jahr in die Bank – und 108-mal online.

Andere Banken haben Netzers Worten zufolge früher abgebaut: In den zwanzig Jahren von 1995 bis 2015 habe die deutsche Kreditwirtschaft die Zahl ihrer Filialen halbiert – in Bayern sei die Zahl der Sparkassen dagegen nur um ein Viertel gesunken. Man müsse aber dem anderen Verhalten der Kunden Rechnung tragen und wegen der niedrigen Zinsen sparen. Man müsse auch genau hinschauen, wenn es heißt, eine Filiale werde geschlossen. Häufig werde sie nur umgebaut oder mit einer anderen zusammengelegt. Derzeit befinden sich in Bayern zudem sieben Sparkassen in Fusionsverhandlungen.

Die größten Sparkassen Deutschlands (Stand: 2014)

Platz 10: Sparkasse Bremen

Bilanzsumme: 11 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.537

Platz 9: Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam

Bilanzsumme: 11,1 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.683 (Stand: 2014)

Platz 8: Stadtsparkasse Düsseldorf

Bilanzsumme: 11,5 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 2.268. Vor zwei Jahren belegte das Institut noch den siebten Rang.

Platz 7: Ostsächsische Sparkasse Dresden

Bilanzsumme: 12 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.799. Die Bank macht im Vergleich zum Jahr 2012 zwei Plätze gut.

Platz 6: Sparkasse Hannover

Bilanzsumme: 13,9 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 2.255

Platz 5: Stadtsparkasse München

Bilanzsumme: 16,5 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 3.003

Platz 4: Frankfurter Sparkasse

Bilanzsumme: 17,7 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.797

Platz 3: Kreissparkasse Köln

Bilanzsumme: 23,2 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 4.512

Platz 2: Sparkasse KölnBonn

Bilanzsumme: 29,6 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 4.536

Platz 1: Hamburger Sparkasse (Haspa)

Bilanzsumme: 42,4 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 5.358

Quelle

Quelle: Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Auch im Verbund der Sparkassengruppe gebe es noch „deutliche Potenziale zur Effizienzsteigerung“, ist Netzer überzeugt: „Schließlich dürfen wir nicht übersehen, dass wir uns deutschlandweit im Verbund noch immer sieben Landesbanken, neun Landesbausparkassen und elf öffentliche Versicherer leisten.“ Zur Erfüllung ihrer Aufgaben sei diese Struktur eigentlich nicht notwendig. Da werde man in der Sparkassen-Finanzgruppe keinen finden, der dem groß widerspreche. Bei den einzelnen Eigentümern in den einzelnen Ländern gebe es zwar unterschiedliche Interessen. „Wir glauben aber, dass wir an dieses Thema ran sollten“, betonte Netzer. Mittlerweile ist seiner Beobachtung nach auch die Gesprächsbereitschaft gestiegen.

Sparkassen: Rebellion in Rot

Sparkassen

Premium Rebellion in Rot

Die Angst vor der Krise lässt die Sparkassen zusammenrücken. Etliche Bankchefs denken laut über Fusionen im eigenen Lager nach. Vorbild sind die Genossenschaftsbanken. Noch zögert die Verbandsspitze.

Kritik, dass der Spitzenverband DSGV unter der Führung von Präsident Georg Fahrenschon sich nicht ausreichend für eine Vereinfachung der Strukturen ausspreche, wies Netzer zurück. „Der DSGV ist nirgendwo Eigentümer. Und es gibt eine Grundregel beim Schafkopf: Es kann nur mitspielen, wer Karten in der Hand hat und am Tisch sitzt.“ In Bayern fühle man sich von DSGV und Fahrenschon „sehr gut“ vertreten und werde den ehemaligen Finanzminister Bayerns bei dessen bevorstehender erneuter Kandidatur für die DSGV-Spitze unterstützen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×