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08.02.2012

07:04 Uhr

Sparkassen-Präsident Haasis

„Der Abbau des Schuldenbergs dauert“

VonFrank Matthias Drost, Thomas Bauer

Heinrich Haasis ist Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Im Interview spricht der 67-Jährige über Spekulanten als Nutznießer und Leitplanken für die liberalisierte Finanzindustrie.

Heinrich Haasis: „Mehr Eigenkapital ist sicher nicht falsch.“ dpa

Heinrich Haasis: „Mehr Eigenkapital ist sicher nicht falsch.“

Handelsblatt: Wie beurteilen Sie die Ergebnisse der Finanzmarktregulierung seit Ausbruch der Krise?

Heinrich Haasis: In der Tat ist manches von dem, was die größten Industrie- und Entwicklungsstaaten G20 in Pittsburgh 2009 beschlossen haben, auf der Strecke geblieben. Die USA und Großbritannien haben sich von den damaligen Zielen, dass kein Produkt

Was ist auf der Strecke geblieben?

Es gibt keinerlei Regulierung des Schattenbankensystems. Die Hedge-Fonds sind weiter unreguliert. Wo das hinführt, sieht man gerade wieder in Griechenland: Diejenigen, die insbesondere in letzter Zeit spekulativ investiert haben, könnten am Ende die Nutznießer sein. Dagegen wird das reale Bankgeschäft, das die Finanzmarktkrise nicht ausgelöst hat, immer stärker belastet. Die Stichworte sind mehr Eigenkapital, die Bankenabgabe oder auch die jetzt diskutierte Börsensteuer.

Was die Stabilität ja auf jeden Fall erhöhen wird.

Mehr Eigenkapital ist sicher nicht falsch, aber dass jetzt auch das risikoarme Mittelstandsgeschäft mit höheren Eigenkapitalanforderungen belastet werden soll, erschließt sich uns nicht.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind also die Verlierer der Finanzmarktkrise?

Grundsätzlich natürlich nicht. Unser Geschäftsmodell ist eindrucksvoll bestätigt worden. Noch mehr Menschen als vor der Krise vertrauen uns. Aber wenn Sie Ihre Frage nur auf die Regulierung beziehen, dann ist da sicherlich etwas dran. Es ist wie so oft: Die, die man packen kann, die werden auch als Erste gegriffen. Das bilanzwirksame Geschäft ist nun mal leichter erfassbar als jenes, das außerhalb stattfindet, also beispielsweise im Derivatebereich.

Dann ist die größte Finanzgruppe Deutschlands mit ihren Argumenten offensichtlich nicht durchgedrungen.

Das stimmt so nicht. Wir stoßen bei Bundesregierung und Parlament durchaus auf Verständnis für unsere Positionen. Aber Deutschland steht bei diesen Fragen oft allein gegen den angelsächsischen Einfluss. Hier erwarten wir weiteren Einsatz der Bundesregierung, um Schaden von der Realwirtschaft und der Stabilität des Finanzplatzes abzuhalten.

Die zehn größten Sparkassen in Deutschland

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.

Nassauische Sparkasse

2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.

Kommentare (5)

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azaziel

08.02.2012, 08:26 Uhr

Vollstaendige Glaeubigerhaftung waere ein wirksamer Mechanismus, wo die unsichtbare Hand des Marktes fuer eine Selbstregulierung gesorgt haette. Die Politik faehrt aber fort dies zu verhindern. Der Grund liegt auf der Hand. Wenn es zu staatlichen Insolvenzen kommt, versiegt die bisher ergiebige Quelle der Staatsfinanzierung durch Banken. Durch steigende Zinsen wird es selbst ohne frisches Geld enger.

Die Krise wird durch Verhinderung marktwirtschaftlicher Anpassung verschaerft. Da gibt es die sanften Druckmittel, zu denen zaehlt, dass grosse Kapitalsammelstellen, wie Versicherungen, angehalten sind, in „muendelsichere“ Staatsanleihen zu investieren. Zu den groeberen Methoden gehoert das kuenstliche Verbilligen der Zinsen durch die Zentralbanken. Und wenn das nicht richtig funktionieren will, weil sich private Investoren der Staatsfinanzierung bei niedrigeren Zinsen verweigern, greift man zu noch groberen Mitteln. Man finanziert die oeffentlichen Haushalte indem die Zentralbank staatliche Anleihen kauft.

Eine wenig hilfreiche Marktregulierung stellen auch alle moeglichen Bankabgaben und Steuern dar. Effiziente Banken werden belastet um Mittel anzuhaeufen, die ineffizienten Banken retten zu koennen. Leider fallen auch intelligente Beobachter auf diese Scheinlogik herein, dass der Bankensektor schliesslich fuer die Risiken bezahlen muesse, die er verursache.

Herr Haasis beweint, dass die Sparkassen auch zur Kasse gebeten werden, aber irgenwie scheint ihm der Blick fuers Ganze zu fehlen, sonst wuerde er nicht in den sozialistischen Jargon von den Leitplanken fuer falsch verstandenen Liberalismus verfallen.

GeKo

08.02.2012, 09:23 Uhr

Unser dreigliedriges deutsches Bankensysthem hat sich hervorragend bewährt - muß daher gegen das angelsächsische Systhem verteidigt werden. Bei uns stehen die öffentlich rechtlichen Sparkassen, die prvatwirtschaftlichen Genossenschaftsbanken den "angelsächsischen" Aktienbanken gegenüber - sie haben stabile Gruppensicherungssystheme im Verbund von sich aus aufgebaut und würden durch eine europäische "Zwangsregulierung" in ihrer für unsere gesamte Wirtschaft so wichtigen Marktfunktion deutlich beeinträchtigt. Die Ära der Landesbanken geht allerdings zu Ende - sie sollten sich genau wie die Zentralinstitue der genossenschaftlichen Finanzinstitute auf ihre Dienstleistungsfunktionen für den Sparkassenverbund beschränken.

puk

08.02.2012, 09:39 Uhr

Wer als Banker immer noch behauptet, die Finanzkrise wurde durch eine Staatsschuldenkrise abgelöst, sagt bewusst die Unwahrheit. Er tradiert den gelungenen Versuch der Finanzlobby, die Politiker für etwas allein verantwortlich zu machen, was gemeinsam, allerdings auf Druck der Finanzwirtschaft, mit der Deregulierung des Kapitalmarktes verursacht wurde. Die sogenannten strukturierten Finanzprodukte, sind eine Erfindung der Finanzwirtschaft im Schulderschluss mit den Ratingagenturen. Die Verschuldung der Staaten ist gar nicht das Problem, sondern eine Folge der Finanzkrise. Auch Herr Hassis weiß, dass 2008 die Schulden der Staaten deshalb explodierten, weil sogenannte systemrelavante Institute gerettet werden mussten. Allein die Deutsche Bank hat von den deutschen und amerikanischen Steuerzahlern 30 Milliarden kassiert. Hinzu kamen Landesbanken, Commerzbank, HRE und IKB, die mit weit über 100 Milliarden gerettet wurden. Hinzu kommt eine Verschuldung des Staates durch Steuererleichterungen für Unternehmen und Reiche in Höhe von 500 Milliarden. Und das alles bei Kürzung der Renten und Sozialleistungen und der Einführung eines Niedriglohnsektors durch die Agenda 2010 und Hartz IV. Wenn heute dann diejenigen, die am meisten davon profitiert haben, den Menschen erzählen wollen, der Staat hätte über seine Verhältnisse gelebt, betreibt in geradezu unverschämter Weise Volksverdummung. Vor den Abbau des Schuldenbergs gehört die Implementierung einer nachhaltigen Wirtschafts- Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Das, was dazu bis heute von unseren sogenannten Eliten geleistet wurde, ist erbärmlich und unter makroökonomischen Gesichtspunkten kontraproduktiv. Ein weiter so unter der Prämisse "Deutschland geht es gut" wird scheitern. Nicht nur auf europäischer, auch auf nationaler Ebene.

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