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29.07.2016

10:18 Uhr

Sparkassen-Präsident zum Stresstest

„Banken haben Hausaufgaben gemacht“

Der Präsident der Sparkassen, Georg Fahrenschon, sieht Europas Geldhäuser auf einem guten Weg. Doch er warnt vor den politischen Versuchungen der Bankenstresstest-Ergebnisse und nimmt die Aktionäre in die Pflicht.

Der Präsident der deutschen Sparkassen sieht Fortschritte in der europäischen Bankenlandschaft. dpa

Georg Fahrenschon

Der Präsident der deutschen Sparkassen sieht Fortschritte in der europäischen Bankenlandschaft.

Die Ergebnisse des europaweiten Banken-Stresstests werden nach Einschätzung von Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon Fortschritte bei den Geldhäusern zeigen. „Die Institute sind insgesamt widerstandsfähiger geworden“, sagte Fahrenschon am Freitag dem Deutschlandfunk. „Sie haben alle ihre Hausaufgaben gemacht, und ich bin der Überzeugung, das wird sich auch in den Ergebnissen des Stresstests niederschlagen.“ Kritik übte Fahrenschon an den Kriterien des Stresstests, der Probleme de Branche in Italien möglicherweise zu wenig berücksichtige.

Der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht

Wer wurde geprüft?

Die Aufseher in London haben 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie stehen zusammen für rund 70 Prozent der Bilanzsumme im europäischen Bankensektor. Ausgewählt wurden Institute, die die Finanzstabilität in Europa gefährden könnten, wenn sie ins Straucheln geraten. Aus Deutschland mussten sich neun Banken dem Stresstest stellen, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Wie wurde geprüft?

Die Aufseher nahmen eine ganze Reihe von Kennzahlen unter die Lupe und prüften, wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften. Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten. Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung.

Was wird veröffentlicht?

Die EBA bereitet für die Veröffentlichung umfangreiches Material vor. Zahlenkolonnen, Tabellen und Analysen sollen die Ergebnisse des Stresstests darstellen. Anders als bei vorangegangenen Prüfungen wird diesmal aber keine Bank durchfallen – diese Kategorie gibt es schlichtweg nicht. Auch zu einer möglichen Lücke beim Eigenkapital wird sich die EBA nicht konkret äußern.

Was soll der Stresstest dann überhaupt?

Nach Darstellung der EBA geht es vor allem darum, den verschiedenen Aufsichtsbehörden für den Sektor Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, dass dann mit jeder einzelnen Bank durchgesprochen werden soll. Zudem lässt sich aus den Zahlen durchaus einiges über die Verfassung des jeweiligen Instituts ablesen. Gerade professionelle Anleger werden sich die Daten deshalb genau vorknöpfen.

Welche Banken werden besonders beäugt?

Im Fokus stehen zum einen italienische Institute. Sie sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite. Allein das Institut Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die älteste Bank der Welt und einer von fünf italienischen Stresstestteilnehmern, hat zweifelhafte Kreditforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe in den Büchern. Die Kurse von Bank-Aktien in Italien sind seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte gefallen, was die Institute weiter unter Druck setzt. Große Aufmerksamkeit ist aber auch der Deutschen Bank gewiss. Diverse Skandale, Probleme im Investmentbanking vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen sowie der aufwändige Konzernumbau belasten Deutschlands größte Bank. Wer den Aktienkurs verfolgt, bekommt den Eindruck, dass das Institut auf Anleger inzwischen geradezu abschreckend wirkt.

Warum kommt die Veröffentlichung an einem späten Freitagabend?

Die Aufseher vermeiden damit eine direkte Reaktion der Wertpapiermärkte. Um 22 Uhr sind die Börsen nicht nur in Europa geschlossen sondern auch in den USA, die für manche der getesteten Banken ein wichtiges Geschäftsfeld sind.

Die EU-Bankenbehörde EBA will an diesem Freitagabend die Ergebnisse ihres europaweiten Stresstests vorlegen. Im Fokus stehen insbesondere diverse italienische Geldhäuser. Die italienischen Banken schieben Schätzungen zufolge faule Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich her. Die Geldhäuser sollen beim Stresstest unter Beweis stellen, dass sie mit ihren Kapitalpolstern eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise überstehen würden.

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Der Exekutiv-Direktor der europäischen Bankenaufsicht EBA sieht den halben Reformweg geschafft. Im Interview spricht er über den Stresstest, dessen Ergebnisse am Freitag veröffentlicht werden, und die Kritik daran.

Viele Investoren erwarten, dass die Politik die Stresstest-Resultate als Rechtfertigung nutzen wird, um die Krisenbank Monte dei Paschi und möglicherweise auch andere italienische Institute zu stützen. Fahrenschon forderte, dass Aktionäre für die Kosten einer Sanierung aufkommen müssten: „Diejenigen, die von hohen Dividenden profitiert haben, die müssen dann auch in die Verantwortung genommen werden, wenn die wirtschaftliche Situation wieder eintrübt.“ Die großen italienischen Banken hätten in den letzen sieben Jahren insgesamt mehr Geld ausgeschüttet als sie zur Stärkung der Kapitalbasis einbehalten hätten, sagte der Sparkassen-Präsident.

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