Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2004

08:05 Uhr

Sparkassen stellen sich der Konkurrenz

Die Zukunft liegt im Supermarkt

VonCaspar Dohmen (Handelsblatt)

Ob Kunden der Sparkasse Aachen Stefan Aretz ihr Geld anvertrauen würden, stände er hinter einem Schalter in der teppichgedämpften Atmosphäre einer modernen Filiale? Blaues, kurzärmeliges Hemd, braune Hose, kein Sakko, keine Krawatte – der 25-Jährige entspricht nicht dem Bild des klassischen Bankers.

Foto: dpa

Foto: dpa

KÖLN. Und doch ist er die Zukunft – hofft die Sparkasse Aachen. Ein paar Meter von Aretz entfernt scannen Kassiererinnen Lebensmittel, stopfen Kunden ihre täglichen Einkäufe in Tüten. Sind sie damit fertig, beginnt der Job des Mannes mit dem gegelten Kurzhaarschnitt: „Guten Tag, darf ich Ihnen unseren neuen Fonds vorstellen“, spricht Aretz eine Kundin an.

S-Shop nennt die Aachener Sparkasse die Idee, in einer Wal-Mart-Filiale Finanzdienstleistungen zu offerieren. Hinter den Kassen stehen Schreibtische, Barhocker, Bildschirme, die N-TV übertragen. Und damit Eltern ihre Ruhe haben, wenn sie über Eigenheimfinanzierung reden, gibt’s auch eine Kinderecke. „Am Anfang hatte ich Angst, direkt auf Kunden zuzugehen, aber mittlerweile macht es mir richtig Spaß“, sagt Aretz. Gut zwei Dutzend Gespräche führt täglich jeder aus dem siebenköpfigen Team.

Das offensive Verkaufen ist für sie heute Alltag, für viele Kollegen in den klassischen Filialen dagegen eine Revolution – und Zeichen der Götterdämmerung.

Die rosigen Tage sind vorbei, da der Arbeitsvertrag bei einer Sparkasse einer Einladung ins Paradies glich. Denn das in seiner Form weltweit einzigartige System kommunaler Sparkassen steht unter Dauerbeschuss. In Spanien, Italien und Großbritannien sind ihre Gegenstücke längst verschwunden, hier zu Lande trommeln die Chefs der deutschen Großbanken für eine Privatisierung der Sparkassen. Schon ist eine klamme Kommune wie Stralsund in Versuchung geraten, durch einen Verkauf Kasse zu machen.

Gleichzeitig steigt für die 489 Häuser von Flensburg bis Berchtesgaden der Wettbewerbsdruck. Ob Diba, Citibank oder SEB –aggressive Konkurrenten nagen am Stamm der Sparkassen, auch wenn noch 60 Prozent aller Bundesbürger Kunden bei ihnen sind. Dabei ist der Handlungsrahmen der Sparkassen eng: Sie dürfen keinen Sozialhilfeempfänger abweisen, so verlangt es der öffentliche Auftrag. Sie können sich nicht aus ihrem Geschäftsgebiet zurückziehen, so schreibt es das Regionalprinzip vor. Sie stehen zu Mittelständlern und Existenzgründern, so verlangt es der Auftrag der regionalen Wirtschaftsförderung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×