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08.12.2016

08:51 Uhr

Sparkassen

Strafzinsen für Vermögende könnten kommen

VonElisabeth Atzler

Bisher sind Strafzinsen für Privatkunden die absolute Ausnahme. Einige wenige Genossenschaftsbanken verlangen Negativzinsen für hohe Vermögen. Jetzt schließt auch Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon sie nicht mehr aus.

Bisher verzichten Sparkassen auf Strafzinsen für Privatkunden. Reiche Sparer könnten sich aber bald mit "Verwahrgebühren" konfrontiert sehen. dpa

Sparkassen

Bisher verzichten Sparkassen auf Strafzinsen für Privatkunden. Reiche Sparer könnten sich aber bald mit "Verwahrgebühren" konfrontiert sehen.

FrankfurtWährend Strafzinsen für Unternehmen und Profianleger bereits üblich sind, sind sie bei Privatkunden die Ausnahme. Einige Volks- und Raiffeisenbanken verlangen auch für hohe Einlagen – ab 100.000 oder 500.000 Euro – auch von vermögenden Privatkunden einen solchen Negativzins.

Etwa die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Wer dort mehr als 100.000 Euro auf dem Tages- oder Girokonto parkt, muss einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Ein Beispiel, dem auch die Volksbank Stendal inzwischen gefolgt ist.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Womöglich gilt das bald auch für einige Sparkassen. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon jedenfalls mahnt zwar zur Vorsicht, kann sich aber vorstellen, dass die Geldhäuser von Vermögenden Strafzinsen - oft auch „Verwahrgebühr“ genannt - verlangen.

Fahrenschon hält die Einführung von Strafzinsen für Privatkunden grundsätzlich für eine „Operation am offenen Herzen“ der Reputation der Sparkassen. „Das Grundvertrauen steht in Frage, wenn es für Einlagen nicht nur nichts gibt, sondern wenn man noch dafür etwas bezahlen muss“, sagte er auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).

Die Sparkassen sollten alle Anstrengung unternehmen, die Kunden vor Strafzinsen zu bewahren, so Fahrenschon. „Mir ist aber auch klar, dass niemand dauerhaft gegen betriebswirtschaftliche Grundsätze handeln kann. Dann sollten wir aber unsere Aufgabe als Sparkasse mindestens dadurch nachkommen, dass kleine Vermögen Schutz genießen.“ Der DSGV darf allerdings keinen Einfluss auf die Preispolitik der gut 400 deutschen Sparkassen ausüben.

Sparkasse: Strafzinsen jetzt auch in Leipzig

Sparkasse

Strafzinsen jetzt auch in Leipzig

Die Sparkasse Leipzig verlangt von Geschäftskunden ab sofort ein „Verwahrentgelt“. Betroffen ist, wer mindestens 500.000 Euro auf dem Konto hat. Damit folgt die Sparkasse einem Trend.

Auslöser für die Überlegung ist die Politik der Europäischen Zentralbank. Dort müssen Banken derzeit 0,4 Prozent Strafzins berappen, wenn sie überschüssige Liquidität über Nacht parken wollen. Als erstes Institut führte die Deutsche Skatbank schon Ende 2014 Strafzinsen ein - allerdings nur für vermögende Kunden. In bestimmten Fällen wird dort für kurzfristige Einlagen von mehr als 500.000 Euro ein Negativzins von 0,25 Prozent pro Jahr fällig.

Mit der Volksbank Niederschlesien gibt es seit kurzem eine Bank, die von Kleinsparern Gebühren für das Tagesgeld verlangt. Mindestens fünf Euro Monatsgebühr werden seit kurzem für das Konto fällig. Damit bricht das kleine Geldhaus mit einem Tabu der Finanzbranche: Kleinsparer haben sich zwar daran gewöhnt, dass sie kaum noch Zinsen aufs Tagesgeld erhalten. Eine monatliche Kontoführungsgebühr mussten sie bislang aber nicht bezahlen. Der Bank zufolge nutzt derzeit kein einziger Kunde das gebührenpflichtige Tagesgeldkonto.

Kommentare (17)

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Herr Percy Stuart

08.12.2016, 09:27 Uhr

Finde ich ehrlich gesagt nicht in Ordnung. Jahrzehntelang haben die Banken gerade bei den Kreditkunden über hohe Zinssätze schamlos abkassiert. Jetzt, wo es mal andersrum läuft, wird wieder der Bankkunde abgezockt. Die Banken sollten sich um ein tragfähiges Geschäftsmodell kümmern, anstatt immer wieder nur beim Kunden die Hand aufzuhalten. Warum sollen diese die Glaspaläste der Banken weiter finanzieren?
Müsst ihr Banken und Kreditinstitute halt auch mal sparen, so wie ihr es euch immer von euren Kunden wünscht.

Rainer von Horn

08.12.2016, 09:41 Uhr

Herr Trautmann,
das "tragfähige Geschäftsmodell" wird gerade den kleinen, in der Krise gut funktionierenden banken gerade genommen durch eine Notenbankpolitik, die Zinsen und Risikoaufschläge so manipuliert, daß die reformunfähigen Staaten der Südschiene nicht unter ihrer Schuldenlast kollabieren und durch eine immer restriktivere Aufsichtspraxis, die immer mehr Kapazitäten bindet und gleichzeitig ebenfalls die Ertragslage belastet. Wer anders als der Kunde soll am Ende den Mumpitz finanzieren?
Und richtig spannend wird es doch ob der Frage, wer denn die Bereinigung der italienischen Bankenbilanzen am Ende berappen darf. Ich hab da schon einen Favoriten....

Herr Gerd St

08.12.2016, 09:47 Uhr

Es zeigt sich ganz deutlich, dass wir viel zu viel Geldinstitute haben. Keiner scheint ja irgendwas verdienen zu können, also wären sie an sich überflüssig.
Das Unvermögen, kein Geld zu erwirtschaften, sollen nun die Kunden kompensieren.
Zuvor war es der Steuerzahler, der mit Steuergelder eben diese Institute gerettet hat.
Also eine logische Abfolge - negatives Umfeld = Kunden / Steuerzahler zahlen, positives Umfeld = Eigentum der Banken / Kassen.
Wenn wir eine wirklich freie Marktwirtschaft hätten, sollte man die nicht wettbewerbsfähigen Banken geordnet abwickeln und schließen.

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