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26.08.2015

16:11 Uhr

Sparkassen und Gehälter

Die Gallier aus Fröndenberg

VonFrank Matthias Drost, Elisabeth Atzler

Wir befinden uns im Jahre 2015. Ganz Nordrhein-Westfalen ist vom Transparenzgesetz für Sparkassen-Gehälter erfasst. Ganz NRW? Nein! Ein von einer unbeugsamen Frau geführtes Institut hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Sparkassen-Streit à la Asterix & Obelix: Ein Widerstandsnest gibt sich der Obrigkeit nicht geschlagen. Imago

Widerspenstige

Sparkassen-Streit à la Asterix & Obelix: Ein Widerstandsnest gibt sich der Obrigkeit nicht geschlagen.

Berlin/FrankfurtPetra Otte hat Nein gesagt. Nein dazu, dass sie Ihr Gehalt und das ihres Vorstandskollegen einzeln veröffentlicht. Die Chefin der Sparkasse Fröndenberg sorgt damit für Schlagzeilen. Das kleine Institut – das kleinste Institut der 104 nordrhein-westfälischen Sparkassen – weigert sich, einem Anliegen des Bundeslandes zu folgen.

Das Gesetz zur Schaffung von mehr Transparenz in öffentlichen Unternehmen verlangt seit Ende 2009, dass jedes einzelne Mitglied von Vorstand und Verwaltungsrat seine Bezüge pro Geschäftsjahr veröffentlich. Darauf hat der Träger der Sparkasse, also die Kommune, „hinzuwirken“.

Für helle Freude hat das bei den Sparkassen im bevölkerungsstärksten Bundesland nicht gesorgt. Ganz im Gegenteil: Bei etlichen der Geldhäuser weigerten sich Vorstände und Verwaltungsräte zunächst, ihre Bezüge offenzulegen. Dabei beließ es die Sparkassenaufsicht, die beim Finanzministerium angesiedelt ist, aber nicht. Immer wieder hakte sie nach.

Zähneknirschend sind der Vorgabe nach und nach alle Sparkassen nachgekommen – oder haben das angekündigt. Vor einem Jahr waren es noch sechs Institute, die nicht alle Angaben genannt haben. Sie geloben Besserung, bis auf Fröndenberg. Am Donnerstag wird sich der Landtag in Düsseldorf mit dem Thema und Widerstandsnest in Fröndenberg befassen.

Vorstandsgehälter der größten Sparkassen in Nordrhein-Westfalen

Sparkasse KölnBonn

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 744.600 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 2,56 Millionen Euro

(Hier gibt es alle Daten als Excel-Datei zum Download - Quelle aller Daten: Bundesanzeiger, Handelsblatt-Recherche)

Kreissparkasse Köln

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 867.900 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 4,4 Millionen Euro

Stadtparkasse Düsseldorf

Gehalt des Vorstandschefs 2014: noch nicht veröffentlicht (2013: 699.687 Euro)

Vergütung des Gesamtvorstands 2014: noch nicht veröffentlicht (2013: 2,03 Millionen Euro)

Sparkasse Aachen

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 634.000 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands 2014: 2,72 Millionen Euro

Sparkasse Münsterland-Ost

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 648.000 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 2,22 Millionen Euro

Sparkasse Dortmund

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 558.000 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 1,99 Millionen Euro

Sparkasse Krefeld

Gehalt der Vorstandschefin 2014: 472.500 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 1,35 Millionen Euro

Sparkasse Essen

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 600.700 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands: 2,09 Millionen Euro

Sparkasse Wuppertal

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 600.000 Euro (geschätzt)

Vergütung des Gesamtvorstands 2014: 1,56 Millionen Euro (geschätzt)

Sparkasse Paderborn-Detmold

Gehalt des Vorstandschefs 2014: 498.000 Euro

Vergütung des Gesamtvorstands 2014: 1,765 Millionen Euro

(Hier gibt es alle Daten als Excel-Datei zum Download - Quelle aller Daten: Bundesanzeiger, Handelsblatt-Recherche)

Otte verweist auf den Jahresabschluss 2014. Dort heißt es mit Verweis auf das Handelsgesetzbuch (HGB): „Die Angabe der Gesamtbezüge des Vorstands unterbleibt nach § 286 Abs. 4 HGB, weil sich aus einer solchen Angabe die Bezüge eines einzelnen Vorstandsmitglieds annähernd verlässlich ableiten lassen.“ Und: Die Haltung der Sparkasse wird gestützt durch ein Rechtsgutachten. Mehr will das Institut dazu nicht sagen.

Kommentare (10)

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Frau Ich Kritisch

26.08.2015, 16:20 Uhr

Zitat: "Zudem fragt man sich, warum die Vergütung der Vorstände in Fröndenberg so geheimhaltungsbedürftig sein soll, wenn alle anderen Sparkassen die Bezüge zeigen“, findet der Düsseldorfer Parlamentarier."

tja, darum geht es aber nicht, ob die anderen das machen oder nicht. Wenn alle von der Klippe springen muss man ja nicht hinterherspringen.

Was ist so wichtig daran die Gehälter zu veröffentlichen? Diese Frage muss zuerst beantwortet werden.

Account gelöscht!

26.08.2015, 16:29 Uhr

@Frau Anna Buschmann
"Was ist so wichtig daran die Gehälter zu veröffentlichen? Diese Frage muss zuerst beantwortet werden."
Ich bin selbst politisch rechts stehend. Habe aber Sozialgeist.
In Zeiten von Arbeitsplatzabbau, Monopolbildung, Massenarmut wäre es eine gute Idee wenn sämtliche Firmen auf ihren Prospekten und Warenverpackungen angeben müssten: -Höchstes Gehalt in der Firma, -Niedrigstes Gehalt, -Durchschnittsgehalt, -%-Anteil an Fremdarbeitern in der Firma.
Dann kann das Volk durch das Einkaufsverhalten entscheiden welche Welt es möchte. Es wäre ein grosser Schritt hin zu einer sozialeren Welt. Regionale Firmen (selbst kleine Bäckereien etc.) würden gestärkt. Unsoziale Gehälter würden automatisch reduziert.
Darum ist es wichtig das zunächst staatseigene Firmen die Gehälter offen legen.
Persönlich empfinde ich die Gehälter der Sparkassenleiter übrigens als zu hoch. Auch nach Schweizer Maßstäben.

Herr Paul Kersey

26.08.2015, 17:55 Uhr

@Buschmann
Ich habe wirklich selten einen so hinkenden und damit untauglichen Vergleich lesen müssen, wie Ihren "Klippensprung". Warum reden Sie nicht Klartext und bleiben so nebulös metaphorisch? Angst?

Das Verhalten der Sparkassen-Chefin erweckt zwangsläufig den Eindruck, dass ihr Gehalt wohl auch im Vergleich zu etwa 1.000 anderen Sparkassen in NRW und vielleicht auch in Relation zur Größe des Instituts unangemessen hoch ist. Womöglich noch geduldet durch die Stadt als Träger, weshalb der Oberbürgermeister, angesichts allgemein klammer Stadtkassen auch kein besonderes Enagement an den Tag legt.

Da es sich hier um ein öffentlich rechtliches Institut handelt, hat die Öffentlichkeit ein verdammtes Recht darauf zu erfahren, wieviel Gehalt sich das Mangement
für seine Arbeit gönnt. Das überhaupt infrage zu stellen, zeigt ein Fehlen jeglichen öffentlichen Gemeinschaftssinns und wirft auch ein ganz schwaches Licht auf Sie.

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