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12.05.2013

17:01 Uhr

Sparkassen und Volksbanken

Nimmermüde im Kampf gegen europäische Einlagensicherung

Die Beteiligung der Sparer an der Zypern-Rettung war Wasser auf die Mühlen von Sparkassen und Volksbanken. Sie kämpfen mit Zähnen und Klauen gegen eine europäische Einlagensicherung – EU-Parlamentarier sind ihre Gegner.

Eine grenzüberschreitende Absicherung von Konten halten deutsche Institute für gefährlich. dpa

Eine grenzüberschreitende Absicherung von Konten halten deutsche Institute für gefährlich.

Berlin/FrankfurtSparkassen und Genossenschaftsbanken laufen Sturm gegen eine gemeinsame Einlagensicherung für Sparguthaben auf EU-Ebene. „Die Sicherungssysteme der deutschen Sparer sind nicht verhandelbar“, stellten die Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, sowie des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, am Sonntag in Berlin klar. Eine zentrale europäische Einlagensicherung würde Schäden aus besonders risikoreichen Geschäften europäischer Groß- und Investmentbanken deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken und damit letztlich deren Kunden auferlegen.

Fahrenschon und Fröhlich reagieren auf Äußerungen führender Europaabgeordneter, die einen gemeinsamen Schutz von Sparguthaben langfristig in einer europäischen Bankenunion für nötig halten. Für eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung haben sich laut „Börsen-Zeitung“ Vertreter der christdemokratischen Fraktion im EU-Parlament geäußert - aus Staaten, die traditionell als Verbündete Deutschland gelten. Mit ihrer Forderung stellen sie sich gegen die Position der Bundesregierung und vieler deutscher Europaabgeordneter.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, betonte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS), in Deutschland seien die Kundeneinlagen bei Banken sicher: „Bei uns gibt es über die gesetzliche 100 000-Euro-Grenze hinaus freiwillige Sicherungssysteme der Banken, die den Sparer schützen.“

Die versteckten Kosten der Girokonten

Kontoführungsgebühr

Mehr als 50 Banken verzichten aktuell auf dien Kontoführungsgebühr, wie eine Studie der FMH Finanzberatung fürs Handelsblatt ergab. Große Filialbanken langen auch weiterhin zu. Die Deutsche Bank erhöhte ihre Sätze für das Aktiv-Konto etwa im vergangenen Jahr von 4,49 Euro auf 4,99 Euro pro Monat.

Untergrenzen beim Gehalt

Viele Gratiskonten gibt es nur, wenn der Kontoinhaber gewisse monatliche Gehalts- oder andere Geldeingänge vorweisen können. Die Spanne liegt zwischen 600 und 1500 Euro. Wenn Kunden diese Latte nach einigen Monaten oder Jahren reißen, werden die vollen Kontogebühren fällig.

Kreditkarte I

Plastikgeld ist bei vielen Gratiskonten nicht kostenfrei. Bis zu 30 Euro Gebühr pro Jahr kann die Kreditkarte kosten.

Kreditkarte II

Noch teurer wir es am Automaten. Wer in Deutschland Geld zieht, muss bis zu drei Prozent des Betrages abführen, als Mindestgebühr werden fünf Euro fällig.

Kreditkarte III

Außerhalb des Euroraums müssen viele Kunden mit Auslandseinsatzentgelten und Wechselkosten rechnen.

EC-Karte I

Auch für die Maestro-Karte müssen Kunden bei einigen Banken zahlen. Bis zu sieben Euro werden für die EC-Karte fällig. Kunden müssen eine solche Karte haben, damit sie am Automaten Geld abheben können.

EC-Karte II

Wer am fremden Automaten Geld zieht muss vielfach mit Kosten rechnen. Fünf Euro Mindestgebühren sind immer noch vielfach üblich. Die Belastung wird am fremden Automaten angezeigt.

Überweisungen

Überweisungen am Schalter sind bei vielen Instituten nicht kostenfrei. Kunden von einigen Internetbanken müssen auch am fremden Automaten zahlen. Bei Filialbanken sollten Kunden immer den Automaten nutzen.

Schecks

Auch bei der Einreichung von Schecks greifen die Banken zu. Bei 17 von 50 Gratiskonten werden laut FMH Gebühren von bis zu 2,50 Euro fällig.

Kontoauszüge

Gute Nachricht für Bankkunden: Noch vor einigen Monaten war es üblich, dass Banken Kontoauszüge ungefragt verschickt haben, wenn der Kunde den Stand nicht regelmäßig selber abgerufen hat. Ein höchstrichterliches Urteil untersagte der Deutschen Bank aber diese Praxis.

Die Diskussion um das Rettungspaket für Zypern, an dem erstmals in der Euro-Schuldenkrise Bankkunden beteiligt wurden, hält Fitschen insofern für heilsam, als jeder sich nun selbst fragen könne, warum eine Bank auf Zypern oder Island mehr Zinsen biete. „Das Risiko für diesen Renditeaufschlag muss jeder Anleger selbst tragen, da gibt es jetzt keine Entschuldigungen mehr“, sagte Fitschen, der seit Mitte April auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist.

Eine Vergemeinschaftung der Sicherungssysteme würde nach Einschätzung von DSGV und BVR das Vertrauen in die deutsche Einlagensicherung erheblich beschädigen und so die europäische Finanzarchitektur destabilisieren. Die Krise könne nur bewältigt werden, wenn das Vertrauen der Menschen in die Finanzmärkte europaweit zurückkehre. „Dafür muss jeder aus eigener Kraft die Einlagen seiner Kunden absichern“, erklärten Fahrenschon und Fröhlich. National getrennte, aber nach einheitlichen aufgebaute Einlagesysteme verhinderten bei Problemen einzelner Länder ein Übergreifen der Kundensorgen auf andere Eurostaaten.

Von

dpa

Kommentare (5)

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kraehendienst

12.05.2013, 17:41 Uhr

Der volksnahe Dirk Müller konnte es in einer Diskussionsrunde des Mannheimer Morgen am Wochenende 11.5.2013 nur halb laut verständlich murmelnd andeuten: es werden gewaltige Verwerfungen an den Finanzmärkten aufziehen in den nächsten Monaten!! Niemand ist sicher, ob nicht an einem Wochenende plötzlich ala Zypern sein Geld weg ist. Diese gewaltigen, sehr eindrücklichen Summen HELFEN NICHTS, sind einzig VIRTUELL und NICHT AUF JEDEN KUNDEN wie oft propagiert, umlegbar. Und wenn nichts mehr da ist wie seit Aufhebung der Goldstandards dank diesem Schwachkopf Nixon 1971, sondern nur noch Spielgeld, dann IST NICHTS DA um sich gegenseitig auszuhelfen! Diese angestaubten Rhetorikmühlen sind TOTal mühsam!!!!

Wolfsfreund

12.05.2013, 18:10 Uhr

"...auf Äußerungen führender Europaabgeordneter, die einen gemeinsamen Schutz von Sparguthaben langfristig in einer europäischen Bankenunion für nötig halten. Für eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung haben sich […] Vertreter der christdemokratischen Fraktion im EU-Parlament geäußert..."
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Es geht doch nur darum, daß sich die gierigen, unfähigen und korrupten Südländer endlich auch über deutsche Einlagen hermachen können wie die Wanderheuschrecken über die Felder. Eigentlich müßte auf solche, an Unverschämtheit nicht mehr zu überbietende Ansinnen ein Aufschrei des Protestes durch Deutschland gehen, der die Sparkassen und Volksbanken unterstützt!
Aber nee, der deutsche Dumpf-Michel schläft tief und fest, bis es zu spät ist.

Account gelöscht!

12.05.2013, 19:39 Uhr

Man soll sich keine Illusionen machen. Sparkassen und Volksbanken kämpfen einen ehrenwerten Kampf, aber sie kämpfen auf verlorenem Posten. Unsere Blockparteien werden nach der Wahl die Bankenunion und damit den Zugriff ausländischer Banken auf deutsche Sparguthaben "alternativlos" durchwinken. Und auch das Bundesverfassungsgericht wird wie gehabt alles abnicken. Daraus folgt: Das Sparbuch, das die Oma für ihre Beerdigung unterhält, damit ihre Kinder nicht auf den Kosten sitzen bleiben, ist alles andere als sicher.

Nur dann besteht eine geringe Chance, das zu verhindern, wenn die AfD mit starker Fraktion in den Bundestag einzieht. Der Schreck, der den bürgerlichen Parteien dadurch in in Knochen fahren dürfte, wird vielleicht dafür sorgen, dass sie ihren Durchmarsch in die europäische Schuldenunion stoppen.

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