Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2015

13:40 Uhr

Sparkassen versus Kommunen

Warum Sparkassen lieber Geld bunkern

VonFrank Matthias Drost

Die Kommunen klagen über leere Kassen. Da käme es recht, wenn die Sparkassen Teile ihrer Gewinne an die Träger abführen würden statt sie einzubehalten. Genau das fordert jetzt der niedersächsische Landesrechnungshof.

Die Sparkasse Düsseldorf zofft sich mit der Stadt. dpa

Sparkasse Düsseldorf

Die Sparkasse Düsseldorf zofft sich mit der Stadt.

BerlinDer Fall Düsseldorf sorgt für bundesweite Schlagzeilen. Öffentlichkeitswirksam zoffen sich Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) und der Chef der Stadtsparkasse Arndt Hallmann um die Verwendung des Jahresgewinns der Kreissparkasse. Geisel will eine höhere Ausschüttung, Hallmann will das Geld lieber bunkern.

In niedersächsischen Kommunen ist von ähnlichen Auseinandersetzungen bislang nichts zu hören gewesen. Das kann aber noch kommen. Denn in seinem jüngst publizierten Kommunalbericht hat sich der niedersächsische Rechnungshof angesichts prekärer Finanzverhältnisse auf Gemeindeebene prinzipiell mit dem Verhältnis von Sparkassen und ihren Trägern auseinandergesetzt.

Ausgangspunkt ist dabei die Feststellung, dass sich 2014 die Haushalts- und Finanzlage durch überproportional gestiegene Ausgaben in allen Aufgabenbereichen verschlechterte. Abführungen von Sparkassen an ihre Träger können kommunale Haushalte entlasten, so der Rechnungshof. Soweit, so einfach.

Sparkassen: Neue Begehrlichkeiten

Sparkassen

Premium Neue Begehrlichkeiten

Die Sparkassen befürchten höhere Ausschüttungen an ihre Kommunen – auch wenn die Gewinne sinken. Die Folge könnten Sparmaßnahmen sein. Zur Disposition steht auch die Unterstützung gemeinnütziger Zwecke.

Doch in der Vergangenheit floss das Geld nur spärlich. „In den Jahren 2009 bis 2012 [haben] lediglich ein Drittel der 46 kommunalen Sparkassen Überschüsse an ihre Träger abgeführt und damit die Kommunen entsprechend dem gesetzlichen Auftrag unmittelbar in ihrer Aufgabenerfüllung unterstützt“, heißt es in dem Bericht.

Konkret rechnet der Landesrechnungshof vor, dass sich der abführungsfähige Bilanzgewinn in diesem Zeitraum auf 393 Millionen Euro belief, aber die Abführungen nur 55 Millionen Euro oder 14 Prozent betrugen. „Angesichts angespannter kommunaler Haushalte sollten die Kommunen der Frage nachgehen, ob und in welcher Höhe die wirtschaftliche Gesamtsituation ihrer Sparkassen Abführungen zulässt“, empfiehlt der Rechnungshof.

Die größten Sparkassen Deutschlands (Stand: 2014)

Platz 10: Sparkasse Bremen

Bilanzsumme: 11 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.537

Platz 9: Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam

Bilanzsumme: 11,1 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.683 (Stand: 2014)

Platz 8: Stadtsparkasse Düsseldorf

Bilanzsumme: 11,5 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 2.268. Vor zwei Jahren belegte das Institut noch den siebten Rang.

Platz 7: Ostsächsische Sparkasse Dresden

Bilanzsumme: 12 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.799. Die Bank macht im Vergleich zum Jahr 2012 zwei Plätze gut.

Platz 6: Sparkasse Hannover

Bilanzsumme: 13,9 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 2.255

Platz 5: Stadtsparkasse München

Bilanzsumme: 16,5 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 3.003

Platz 4: Frankfurter Sparkasse

Bilanzsumme: 17,7 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 1.797

Platz 3: Kreissparkasse Köln

Bilanzsumme: 23,2 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 4.512

Platz 2: Sparkasse KölnBonn

Bilanzsumme: 29,6 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 4.536

Platz 1: Hamburger Sparkasse (Haspa)

Bilanzsumme: 42,4 Milliarden Euro, Mitarbeiter: 5.358

Quelle

Quelle: Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Dabei wird berücksichtigt, dass das gesellschaftliche Engagement der Sparkassen nicht unerheblich ist. Die entsprechenden Aufwendungen belaufen sich bei den niedersächsischen Sparkassen zwischen 2009 und 2012 auf knapp 150 Millionen Euro.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Roland Magiera

21.08.2015, 14:48 Uhr

Und bei der nächsten Finanzkrise sind die Sparkassen auch ruiniert. Alle Politiker, die sich an den Sparkassen vergreifen, sollten in dem Fall persönlich haften! Wer davon kein oder ungenügend Geld hat alternativ mit 20 Jahren Haft. Das bringt die Brüder zurück auf den Teppich.

Herr Heinz Keizer

21.08.2015, 15:18 Uhr

Die Anforderungen an das Eigenkapital der Banken wurden und werden ständig verschärft. Da ist es sinnvoll den Gewinn einzubehalten. Wenn die Kommunen nämlich kein Geld mehr haben, könnten sie auch nicht das erforderliche neue Kapital aufbringen, das die Sparkassen benötigen würden.

Herr Lui Kators

21.08.2015, 15:41 Uhr

Die Kommunen verhalten sich wie ein Drogenabhängiger, der - statt sein (Ausgabe-)Verhalten in den Griff zu bekommen, lieber alles verramscht und zu Geld macht, was irgendwo noch an Substanz da ist.

Dabei profitieren die Kommunen schon jetzt enorm von den Sparkassen: Durch die Spendenausschüttungen, Sparkassen als Arbeitgeber, als Steuerzahler, als Versorger breiter Bevölkerungsanteile mit Finanzdienstleistungen und das große soziale Engagement unzähliger Sparkassenmitarbeiter.

und nicht zu vergessen: Noch hat keine einzige Kommune einer Sparkasse auch nur einen Bleistift zur Verfügung stellen müssen! Also liebe Politiker: lasst lieber die Finger von den Sparkassen, bevor Ihr die auch noch vor die Wand fahrt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×