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26.02.2015

08:45 Uhr

Sparkassen

Wenn's ans Geld geht

Die Negativzinsen der EZB treffen nicht nur Sparer. Dem Geschäftsmodell der Sparkassen, was auf hohen Kundeneinlagen beruht, zieht es allmählich den Boden weg. Ein zinslicher Tabubruch wird nicht mehr ausgeschlossen.

Omas oller Kaktus

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Frankfurt, Düsseldorf„Das Ziel kann nicht sein, Filialen zu schließen. Wir müssen versuchen, das Geld an anderer Stelle einzusparen.“ Diese Aussage von Michael Ermrich, Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbunds OSV belegen, dass die Sorgen größer werden in der Welt der Öffentlich-Rechtlichen. In der Finanzkrise noch als Zuflucht des Kleinsparers für ihre Zuverlässigkeit gepriesen, sind die Sparkassen ohne eigenes Verschulden in eine missliche Lage gerutscht. Auslöser: Der negative Einlagenzins der EZB.

Ermrichs 45 Mitgliedsinstitute gehören zu den profitabelsten der Republik. Wenn er „Respekt“ verspürt, kann man sich die Gemütslage anderer Institute vorstellen. Etwa der Südwest-Sparkassen. Deren Verbandspräsident Peter Schneider forderte bereits Anfang Februar eine staatliche Sparprämie. Nach seiner Rechnung würde eine Prämie von fünf Prozent auf einen Sparbetrag von maximal 1.200 Euro im Jahr den Steuerzahler eine Milliarde Euro jährlich kosten, wenn diese 20 Millionen Kunden in Anspruch nähmen. Die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik, die den Leitzins nahe Null hält und die langfristigen Zinsen über Staatsanleihekäufe noch weiter drückt, werden laut Schneider „heillos unterschätzt“.

Sparkassenpräsident Fahrenschon: „Es ist wichtig, staatliche Sparanreize zu setzen“

Sparkassenpräsident Fahrenschon

Premium „Es ist wichtig, staatliche Sparanreize zu setzen“

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon sieht angesichts der Niedrigzinsen den Staat in der Pflicht, Sparern zu helfen. Negativzinsen erteilt er eine Absage, auch wenn die Sparkassen zunehmend unter Druck geraten.

So machte sich unlängst auch Harald Vogelsang, der Chef der Hamburger Sparkasse (Haspa), für einen „Lastenausgleich“ stark. Eine abgestimmte Initiative des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zu dem Thema gibt es bisher noch nicht. DSGV-Präsident Georg Fahrenschon, der heute auf der Sparkassen-Jahresagung des Handelsblatts spricht, setzt sich allerdings schon länger dafür ein, dass der Staat angesichts der Niedrigzinsen mehr Anreize für die Vermögensbildung schafft. Unter anderem fordert er Verbesserungen bei den vermögenswirksamen Leistungen.

Minizinsen und sogar negative Zinsen für Einlagen bei der Zentralbank drücken nicht nur die Ergebnisse, sie stellen das Geschäftsmodell der Sparkassen infrage: Das Sammeln von Einlagen zur Refinanzierung von Krediten lohnt sich immer weniger.

Georg Fahrenschon

Verband

Georg Fahrenschon trat im Mai 2012 das Amt des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) an. Mit jetzt 47 Jahren umweht ihn immer noch ein jugendliches Flair. Auf zunehmende Kritik an seiner Amtsführung wehrte er sich Ende November mit einer Brandrede. „Es kann nicht sein, dass uns einzelne blockieren.“ Die Gremienstruktur sei nicht mehr zeitgemäß. „Wir sind zu schwerfällig, zu langsam“, so Fahrenschon.

Politik

Als ehemaliger bayerischer Finanzminister und möglicher Ministerpräsident weiß Fahrenschon allerdings, dass es dauert, bis man die Leute hinter sich geschart hat. Er plädiert für Gelassenheit. Man sollte nicht dem Glauben anhängen, als ginge es bei jeder Auseinandersetzung um ihn persönlich.

Die Marge schrumpft. Die Sorgen wachsen, so sehr, dass intern nach Informationen des Handelsblatts selbst ein großes Tabuthema schon diskutiert wird: negative Einlagezinsen für private Kunden. „Wenn die EZB den Leitzins weiter niedrig hält, führt kein Weg daran vorbei", sagt der Chef einer Sparkasse, der anonym bleiben will. Angesichts des Ertragsdrucks werde man sich in absehbarer Zeit positive Einlagenzinsen schlicht nicht mehr leisten können. „Es wäre fahrlässig, wenn wir solche Optionen nicht ausloteten“, ergänzt ein zweiter Sparkassenchef. Technisch sei man mittlerweile in der Lage, Negativzinsen zu berechnen. Noch sind das Gedankenspiele. Kein Geldhaus will gern voranmarschieren.

Kommentare (6)

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Herr Manfred Zimmer

26.02.2015, 09:14 Uhr

Draghi sollte aufgefordert werden, sein alternatives Bankgeschäft offenzulegen. Es sollte staatsanwaltschaftlich überprüft werden, wie hoch der Gewinn in den Geschäftsbüchern von Goldman Sachs ist, den er mit seiner Nullzinspolitik im Zinsswapgeschäft ihnen hinein transferiert hat. So straffrei und unkontrolliert darf auch ein EZB-Mann sich nicht bewegen. Mafia muss draußen bleiben!

Herr Robert Behrendt

26.02.2015, 09:58 Uhr

Wir haben keine 0 Zinspolitik, weil Goldman Sachs Geld verdienen soll, sondern weil bei höheren Zinsen alle EU-Staaten in schwerste Finanznöte geraten würden. Niedrigzinsen kombiniert mit der Zielinflation von 2% sind eine verdeckte Steuer auf Sparguthaben. Die SPD wil darauf noch eine Vermögenssteuer setzen. Bravo! Nur die Spare, Rentner und Lebensversicherten können die Kosten für die Sanierung der Staatshaushalte stemmen. Das ist die Realität.

Herr Robert Behrendt

26.02.2015, 10:04 Uhr

Die meisten Menschen fallen auf die Sündenbocktheorien der Politiker herein. Wenn etwas schief läuft, dann sind wechselweise Brüssel, Bankster, Zocker, die Märkte und andere schuldig. Das dumme Wahlvolk darf nicht erfahren, wo die wirklichen Ursachen der Krise liegen: Faulheit bei der Regulierung von Kreditvergaben und überbordernder Staatskonsum. Genau genommen müsste Deutschland 40 Mrd. Euro zusätzlich in den nächsten Jahren in Infrastruktur pumpen, jährlich ca. 5 Mrd. fürs Militär zusätzlich ausgeben und die Kosten aus den Schattenhaushalten (Eurorettung) bilanzieren. Unsere Rentenversicherungen hüten sich aus gutem Grund davor, ihre zukünftigen Verbindlichkeiten offen zu legen.

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