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05.09.2011

09:41 Uhr

Sparkassenpräsident Haasis

„Beunruhigt sollte man schon sein“

VonFrank Matthias Drost, Peter Köhler

ExklusivSparkassenpräsident Haasis kritisiert, in welche Richtung die Regulierung geht. Zur Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ spricht er über die Folgen der Schuldenkrise, falsche Regulierung und die Zukunft Europas.

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis ein klares Eintreten für den Euro. dpa

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis ein klares Eintreten für den Euro.

Handelsblatt: Herr Haasis, drei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers scheint sich Geschichte zu wiederholen. Die Banken misstrauen einander und leihen sich kein Geld. Haben Sie Angst?

Heinrich Haasis: Nein, Angst habe ich nicht. Aber beunruhigt sollte man schon sein.

Warum?

Weil nicht alles umgesetzt worden ist, was einmal von den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern in Pittsburgh in puncto Regulierung vereinbart worden ist. Manches läuft sogar in die gegenteilige Richtung. Beunruhigt bin ich etwa darüber, dass das Schattenbankensystem nach wie vor weithin ohne Regeln ist, aber immer größer wird.

Wen genau meinen Sie damit?

Es geht um Geschäfte von Institutionellen wie Hedge-Fonds, die keine Banken sind und deshalb nicht der intensiven Regulierung unterliegen. Und um intransparente Geschäfte von Banken jenseits von Börsen. Manche Banken betreiben doch nach wie vor Geschäfte, die in den Bilanzen keinen oder nur geringen Niederschlag finden. Wir haben auch deshalb für eine Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte statt einer Bankenabgabe plädiert, weil sie Transparenz erzwingt. Eine solche Steuer würde die schnellen Deals ohne Bezug zur Realwirtschaft verteuern und damit dämpfen. Aber die Regulierung läuft hier in eine ganz falsche Richtung.

Warum?

Alle Regulierungen setzen am klassischen Bankgeschäft an – die Bankenabgabe und auch Basel III. Man erschwert das normale Bankgeschäft mit dem Unternehmer vor Ort, während zum Teil auf den internationalen Finanzmärkten die Spielcasinos schon wieder eröffnet sind. Und statt sich als Staat und damit als Steuerzahler von Banken weniger erpressbar zu machen, werden einige immer größer und damit systemrelevanter. Das war doch einmal ganz anders gedacht.

Auch in Deutschland?

Natürlich. Früher hatten Chefs großer Banken Sorge, systemrelevant zu sein. Heute freuen sich die Betroffenen öffentlich über günstigere Refinanzierungsbedingungen, weil im Ernstfall der Steuerzahler hinter ihnen steht.

Was ist denn nun die größere Gefahr aus Ihrer Sicht? Die zu großen Banken oder der graue Kapitalmarkt?

Beides. Das Schlimmste sind aber die Benachteilungen der Kreditvergabe an Kunden bei der Regulierung.

Was genau meinen Sie?

Nur wenige Beispiele: Basel III bevorzugt den Kauf von Unternehmensanleihen gegenüber klassischen Unternehmenskrediten. Es bevorzugt kurze Laufzeiten gegenüber längeren. Es erschwert die Bedingungen für einlagenstarke Institute. Ich könnte weiter aufzählen. Das alles läuft auf eines hinaus: Die deutsche Wirtschaftsstruktur mit vielen kleinen, familiengeführten Unternehmen ohne Zugang zum Kapitalmarkt wird das alles bezahlen müssen.

Kommentare (6)

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Pendler

05.09.2011, 10:16 Uhr

Bernecker sagt dazu:



+ Vertrauen in die Politik ist erschüttert
+ Griechenland schafft die Sparziele nicht
+ Brasilien senkt als erstes Schwellenland den Leitzins
+ Short bleiben!

Kronecker

05.09.2011, 10:39 Uhr

Die Sparkassen spielen die Unschuld vom Lande (falls es so was überhaupt noch gibt). Aber ihre "Zweckgesellschaften", die Landesbanken, waren am gierigsten - vorbei am realen Kunden.

Pendler

05.09.2011, 11:06 Uhr

hihi, wie heiß0t es ind er Consors Werbung?

- einfach das Geld SELBST in die Hand nehmen
- FAZ / ERY kaufen (tripple shorts auf finanz / oil)

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