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19.06.2013

17:54 Uhr

Sparkurs

Commerzbank streicht 5.200 Stellen

Die Commerzbank verordnet sich selbst eine Radikalkur und streicht bis 2016 massiv Jobs. Jede neunte Stelle wird im Unternehmen gestrichen. Damit zieht die Bank massive Kritik der Gewerkschaften auf sich.

Bei der Commerzbank regiert der Sparkurs. dpa

Bei der Commerzbank regiert der Sparkurs.

FrankfurtDie Commerzbank will in den nächsten dreieinhalb Jahren rund 5200 Stellen abbauen. Das ist jede neunte der 45.000 Vollzeitstellen im Konzern. "Unser Ziel ist es, den Stellenabbau in vollem Umfang ohne betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu realisieren", sagte Personalvorstand Ulrich Sieber am Mittwoch. Deutschlands zweitgrößte Bank hatte zuvor die Belegschaft über die Einigung mit dem Gesamtbetriebsrat informiert. Im deutschen Kerngeschäft fallen bis zum Jahr 2016 allein 3900 Stellen weg, zugleich sollen aber rund 1000 an anderer Stelle neu geschaffen werden, etwa in der profitablen Mittelstandsbank. Am stärksten betroffen ist das Filialgeschäft, in dem allein 1800 der 12.000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren werden.

Die Bank hatte für den Abbau von 4000 bis 6000 Stellen schon im ersten Quartal 500 Millionen Euro zurückgestellt. Mit der Einigung bleibe man im Budget, bestätigte ein Sprecher.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Mit den Streichungen soll das lahmende Privatkundengeschäft in den 1200 Filialen wieder profitabel gemacht werden. Zugleich will die Commerzbank zwei Milliarden Euro für Investitionen freischaufeln, etwa um die veraltete IT zu modernisieren, ohne Mehrkosten zu verursachen. Dem fallen viele Dienstleistungstätigkeiten in zentralen Funktionen - etwa in der Belegbearbeitung - zum Opfer. Keine der 1200 Filialen soll wegen des Umbaus geschlossen werden, viele sollen sich aber stärker spezialisieren, etwa auf Baufinanzierung. "Wir haben gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern einen Weg gefunden, deutliche Kosteneinsparungen vorzunehmen, um an anderer Stelle durch Investitionen unsere Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft zu sichern", sagte Sieber.

Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch bekräftigte dagegen die Zweifel der Gewerkschaft an den Plänen: "Personalabbau und Zukunftsfähigkeit passen nicht zusammen, insbesondere wenn Kundengewinnung angestrebt und eine Qualitätsverbesserung des Kundenservices erzielt werden soll." Die Commerzbank hat sich vorgenommen, bis 2016 eine Million Kunden zu gewinnen; zurzeit sind es elf Millionen. Mensch kritisierte, dass die Commerzbank den Stellenabbau in allen Bereichen zusammengezählt habe: Das führe "zu erheblicher Verunsicherung bei den Beschäftigten".

Der Betriebsrat und der Commerzbank-Vorstand hatten nur über die Zukunft der rund 41.000 Mitarbeiter in der AG in Deutschland verhandelt. Dort fallen 3900 Arbeitsplätze weg. In den vor der Abwicklung stehenden Sparten Hypotheken- und Schiffsfinanzierung hatte man sich bereits Anfang des Jahres auf den Abbau von 800 Stellen geeinigt. Bei der Hypothekenbank Frankfurt (früher Eurohypo) muss jeder zweite der 1000 Mitarbeiter gehen. Dazu kommen 500 Arbeitsplätze im Ausland und bei Tochterfirmen.

Einnahmen im Investment-Banking in Deutschland (Q1 2013)

Platz 10

Auf dem zehnten Platz liegt Citi mit einem Volumen von 11,0 Millionen US-Dollar. Damit sinkt die Bank im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz.

Platz 9

Mit 11,4 Millionen US-Dollar steigt die Bank of America von Platz 12 in die Top Ten der führenden Banken auf.

Platz 8

Das Volumen der RBS beträgt in ersten Quartal 2013 in Deutschland 12,3 Millionen US-Dollar. Damit fällt die Bank vom sechsten auf den achten Platz.

Platz 7

Vom neunten auf den siebten Platz steigt die BNP Paribas mit einem Volumen von 19,3 Millionen US-Dollar auf.

Platz 6

Das Volumen von HSBC liegt bei 22,4 Millionen US-Dollar. Damit sinkt die Bank im Vergleich zum Vorjahr vom fünften auf den sechsten Platz.

Platz 5

Goldman Sachs steigt mit einem Volumen von 23,2 Millionen US-Dollar vom achten auf den fünften Platz auf.

Platz 4

Die Commerzbank bleibt im Vergleich zum Vorjahr auf dem vierten Platz mit einem Volumen von 23,6 Millionen US-Dollar.

Platz 3

Mit 26,5 Millionen US-Dollar sinkt JP Morgan von dem zweiten Platz im Vorjahr auf den dritten Platz.

Platz 2

Unicredit steigt mit einem Volumen von 29,7 Millionen US-Dollar vom siebten Platz auf den zweiten Platz im ersten Quartal 2013.

Platz 1

Mit einem Volumen von 72,9 Millionen US-Dollar bleibt die Deutsche Bank im Vergleich zum Vorjahr auf dem ersten Rang.

Quelle: Thomson Reuters, Freeman, Stand 19.3.2013

Unternehmen und Betriebsrat hatten in der vergangenen Woche fünf Tage lang über Details gefeilscht. Die Vereinbarungen für den sozialverträglichen Abbau umfassen nach Verdi-Angaben rund tausend Seiten. Mark Roach, der für Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir sind der festen Überzeugung, dass sich der Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen durchziehen lässt." Wenn bestimmte Etappenziele für die Sparten erreicht werden, verzichtet die Commerzbank dort ganz auf Entlassungen. Altersteilzeit, Prämien für freiwillige Kündigungen und Abfindungen beim Wechsel zu einer anderen Bank sollen den Prozess beschleunigen.

Kommentare (11)

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unzahlert

19.06.2013, 17:28 Uhr

Es ist unfassbar: Was haben diese Stellen gemacht??? Jetzt braucht man sie nicht mehr? Man sieht, wie aufgebläht das unproduktive Finanzwesen ist. Betrug und nochmals Betrug.

Account gelöscht!

19.06.2013, 17:52 Uhr

Ein bereits 2008 toter Vogel wird seit Jahren mit Steuermitteln der Bürger über Zwangsernährung im Koma gehalten.

Wähler lernen offenbar nie, daß Parteipolitiker keine Ahnung vom wirklichen Leben haben.

Pumuckl007

19.06.2013, 17:54 Uhr

Hier werden bestimmt Stellen "outgesourced" und somit zählen diese Stellen nicht mehr zur Commerzbank und es wird der Service für Kunden spürbar eingeschränkt....und am Schluss gibt es keine Kunden mehr weil alle joblos werden in Deutschland.

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